Der PDM bevorzugtes Arbeitswerkzeug?

Software-Entwicklung im Greenscreen-Modus – geht´s noch? 

In vielen RPG- und Cobol-Programmiererteams stelle ich beim Blick auf die Bildschirme fest, dass auch im Herbst 2015 noch der PDM deren bevorzugtes Arbeitswerkzeug ist. Frage ich nach, warum nicht längst auf den Nachfolger RDi gewechselt wurde, kommen häufig diese drei erschreckenden Antworten:

* Die Autorin Heidi Schmidt ist Geschäftsführerin von PKS Software und 1. Vorsitzende des Anwendervereins Common Deutschland e.V.

1. „Ich arbeite schon seit 20 Jahren mit dem PDM. Da stelle ich mich jetzt, zehn Jahre vor der Rente, nicht mehr auf eine grafische Entwicklungsoberfläche um.“
Liebe Leute, was soll ich dazu sagen? Wie war das noch mit: „Man lernt nie aus?“ Gerade wir ITler sind doch ständig gefordert, uns mit Neuem zu befassen und uns fachlich weiterzuentwickeln. Das ist zum einen pure Jobsicherung und zum anderen auch arbeit­geberseitig selbstverständlich: Schließlich sind die RPG- und Cobol-Anwendungen häufig die Kernsysteme im Unternehmen.

Wie kann es ein Entwickler verantworten, mit veraltetem Tooling zu arbeiten? Die Produktion nutzt doch auch technisch ak­tuelle Werkzeuge! Der PDM ist seit Jahren abgekündigt – er wird nicht mehr weiterentwickelt. Wer heute noch damit entwickelt, schadet seinem Unternehmen, denn damit ist der technische Stillstand der Anwendungen vorprogrammiert, weil neue Features in PDM seit mehreren Releases nicht mehr unterstützt werden!

2. „Ich bin mit dem PDM sowieso schneller als mit RDi.“
Interessant ist, dass diese Aussage meist von Entwicklern stammt, die noch nie eine RDi-Schulung gemacht haben. Aufschlussreich, oder? Es gibt viele Studien, die nachweisen, dass grafische Entwicklungsumgebungen wesentlich effizienter sind als Greenscreen-Tools. Jedem interessierten Leser sei dazu die Literatur von Harry Sneed nahegelegt: de.wikipedia.org/wiki/Harry_Sneed.

Besonders interessant aus „Legacy-Sicht“ sind Sneeds Ausführungen im Buch „Softwareevolution. Erhaltung und Fortschreibung bestehender Softwaresysteme“, das im Herbst 2013 erschienen ist. Darin weist er nach, dass die Werkzeuge des Entwicklers das A und O für gute Software sind.

Wie kann ein seit Jahren nicht mehr weiterentwickeltes Werkzeug den heutigen Anforderungen noch gerecht werden? Kaum ein Vertriebsmitarbeiter würde 2015 noch den Einsatz eines Navigationssystems „produktivitätslähmend“ nennen. Entwickler, die den PDM dem RDi vorziehen, tun genau das. Fakt ist: mit RDi entwickelt jeder gute Entwickler – und genau um diese geht es – mindestens zehn Prozent schneller als bisher.

3. „Wir finden keine jungen Entwickler. Daher wird die AS/400-Anwendungsentwicklung ohnehin in den nächsten Jahren eingestellt.“
Dieser Satz bringt die Thematik auf den Punkt: genau die hartnäckige Nutzung von PDM durch die erfahrenen Senior-Entwickler verhindert, dass junge Programmierer das Arbeitsumfeld IBM i mit RPG oder Cobol als attraktiv, interessant und zukunftsorientiert bewerten.

Wer den Anspruch hat, dass die nachfolgende Generation sein Lebenswerk fortsetzt, der muss auch als Entwickler seinen Beitrag dazu leisten. Sowohl die Software als auch die Entwicklungsumgebung müssen dazu in einem Zustand sein, der junge Menschen so begeistert, dass sie gerne einsteigen. Dazu gehört unter anderem die Hausaufgabe, sich dem RDi zuzuwenden und den Umstieg selbst zu meistern.

Alle Unternehmen stehen heute vor großen Herausforderungen durch die Digitalisierung. Industrie 4.0 wird diesen Trend weiter verstärken. IT-Teams, die in den 80er Jahren dank des genialen, hochintegrierten und kompakten Konzeptes der AS/400 ihrer Zeit weit voraus waren, laufen aktuell Gefahr, diese Poleposition zu verlieren. Das lässt sich nur vermeiden, wenn diese Teams rasch auf moderne Werkzeuge umsteigen sowie die vorhandene Code-Basis aufräumen, „entschlacken“ und technisch erneuern.

All das geht auch im Umfeld von RPG. Denn die fast schon religiöse Frage „Müssen wir nicht weg von RPG?" ist schon an sich Unsinn. Natürlich ist RPG, ebenso wie Cobol, alt – aber bestens bewährt und nach wie vor eine hocheffiziente Sprache, die in den modernen Konzeption von ILE und „Full Free“ auf Business-Seite der Java- und .Net-Welt weit überlegen ist.

Diese Überlegenheit hat RPG aber nur für den, der nicht mit veralteten Werkzeugen arbeitet. Und auch nur dann, wenn die vorhandenen Programme fortlaufend um technische Altlasten bereinigt und die Entwicklungsprozesse den heutigen Standards gemäß der Unternehmenserfordernisse angepasst werden. Genau dafür liefert RDi auf Basis des Industriestandards Eclipse die Grundlage.

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok