Comeback des Timesharing

Thin Clients in den Wolken

Cloud-Services stellen eine attraktive und kosteneffiziente Fortführung von „Server Based Computing“ und „Application Service Provider“-Modellen dar. Kombiniert mit universell einsetzbaren Thin Clients erstrecken sich die Kostenvorteile nicht nur auf den Rechenzentrums-, sondern auch auf den Desktopbereich.

  • Universal Desktops von Igel

  • Dr. Frank Lampe ist Marketing Direktor bei Igel

Vom Prinzip her lässt sich Cloud Computing als moderne Ausprägung des Server Based Computing (SBC) verstehen – vielleicht sogar als dessen ultimative Form. Die Wurzeln des SBC liegen in der Zeit der Großrechner, mit den Terminalservices von Citrix und Microsoft kam das Comeback. Heute verstehen IT-Größen wie IBM, Microsoft oder Google die Cloud (das Internet) als riesigen, vernetzten Großrechner, der neue Einsparungen möglich macht. Der Reiz des Cloud Computing – bedarfsgerechter Ein- und Zukauf von Applikationen, Rechen- und Speicherressourcen sowie die nahtlose Vernetzung der angebotenen Applikationen – ist allerdings größer, wenn die Computing-Technologie auf der Anwenderseite keine unnötigen IT-Ressourcen in den Bereichen Rechenzentrum und Desktop bindet.
 
Speziell im Desktopbereich lässt sich die Wirtschaftlichkeit durch den Einsatz von Thin Clients verbessern. Sie lassen sich sehr flexibel einsetzen – zum Beispiel, um zusätzlich zu den Cloud-Services auch virtuelle Desktops oder zentral im Unternehmen gehostete SBC-Anwendungen bereitzustellen. Für Letzteres benötigen Thin Clients nur halb so viel Energie wie ein PC-basiertes Client/Server-Netz, so eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik Umsicht; die Total Cost of Ownership (TCO) der Desktop­infrastruktur sinken sogar um bis zu 70 Prozent (siehe Grafik).

Die Zurückhaltung der Unternehmen bei der Nutzung von Cloud-Services rührt laut IDC daher, dass die Anbieter noch wichtige Hausaufgaben zu erledigen haben: Praxistauglichkeit, Integration mit bestehenden Systemen, anschauliche Referenzprojekte und persönliche Ansprechpartner führen die Wunschliste der Anwender an. Überraschenderweise stellt die Datensicherheit lediglich für 11 Prozent der Befragten ein entscheidendes Hindernis dar.
Bis sich jedoch große Cloud-Plattformen wie Amazon Web Services, Microsoft Azure, Apple iWorks.com oder Google App Engine bei Unternehmen in großem Umfang etabliert haben, dürften wohl noch ein bis zwei Jahre vergehen. Unternehmen und Behörden sollten diese Zeit nutzen, ihrerseits die nötigen Hausaufgaben zu machen und intern eine effiziente und technologisch flexible Desktop­infrastruktur aufzubauen.

Andernfalls drohen die finanziellen Vorteile des Outsourcing durch zu hohe interne Desktopkosten kompensiert zu werden – genau wie beim klassischen PC-basierten Client/Server-Computing, das neben dem unnötig hohen Stromverbrauch auch mit hohen Kosten für Security- und Patch-Management, Hardwarereparaturen sowie Schäden und Zeitverlust durch Anwenderselbsthilfe einhergeht. Die Praxistauglichkeit der Thin Clients ist seit 20 Jahren mit vielen Referenzen belegt. Laut IDC ist heute jedes elfte in Europa angeschaffte Desktopgerät ein Thin ­Client. Cloud-orientierte Thin Clients zeichnen sich dadurch aus, dass sich Desktopmanagement und -support web­basiert auf Basis von Internetprotokollen abwickeln lassen. Dann kann die Betreuung der Desktop­infrastruktur auch als Cloud-Service fremdvergeben werden – eine weitere Maßnahme zur Fixkostenreduzierung.

Unter diesem Aspekt sind auch web­basierte Managementlösungen hilfreich, die mit einer Java-basierten und somit plattformunabhängigen Konsole ausgestattet sind und diverse Datenbankenformate unterstützen. Darauf aufbauend erlauben sie eine gruppenbasierte Verwaltung der Thin Clients. Die Fernadministration erfolgt dabei SSL/TLS-verschlüsselt und bandbreiteneffizient über den Managementserver. Der Port-Öffnungsaufwand ist minimal.

Eine weitere Voraussetzung für die Zukunftssicherheit von Thin Clients ist die Fähigkeit, die Firmware inklusive Webbrowser und Add-ons effizient und zeitgesteuert aktualisieren zu können. Für Updates sollte außerdem ausreichend freier Firmware-Speicher verfügbar sein. Beispielsweise könnte künftig der Google-Browser Chrome mit seiner eigenen Laufzeitumgebung Gears eine interessante Firmware-Erweiterung darstellen, um auf einen eigenständigen, in der Cloud gehosteten Desktop zuzugreifen, über den sich Google Apps on- und offline nutzen lassen. Letztere lassen sich inzwischen sogar in Microsoft Outlook integrieren. Microsofts Azure verspricht ebenfalls einen Cloud-gehosteten Desktop, in den sich neben .Net-Services sogar lokale und mobile Windows-Anwendungen integrieren lassen sollen.


Argumente pro und kontra Cloud-Services
Chancen:

1. Hohes Rationalisierungspotential: Infrastruktur und Services lassen sich bedarfs- und verbrauchsabhängig mieten. Effekt: geringere RZ- und Infrastrukturkosten in­klusive Stromverbrauch, geringere Administrationskosten. Globaler Trend: Länder mit niedrigen Energiekosten werden zu bevorzugten Standorten für große Rechenzentren

2. Hohe Verfügbarkeit und Desaster Recovery – hohe Priorität bei den Anbietern: Der US-Anbieter Salesforce.com verzeichnete während der letzten 15 Monate keinen einzigen Ausfall

3. Kombination lokaler, gehosteter und Cloud-Services zu einer unabhängigen Corporate-App-Suite

Risiken:
1. Produkte noch wenig erprobt: Integration bestehender Systeme/Dateien ungeklärt oder problematisch; plötzliche Produkt- oder Konditionsänderungen

2. Mangelnde Compliance, Bedenken bei Service Level und Support (keine persönlichen Ansprechpartner)

3. Sicherheitsbedenken: sensible Daten nicht im Haus, sondern „irgendwo“ im Internet, ggf. Kontrolle privater Daten durch marktdominante Anbieter; Backdoor-Problematik: Zugriff durch staatliche Geheimdienste; Wirtschaftsspionage

4. Unklare Preismodelle: Viele Cloud-Services sind für Verbraucher kostenfrei; Kostenstruktur für Unternehmensanwender häufig noch offen
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