Alternativen der mobilen Interaktion mit Legacy-Anwendungen

Vom Greenscreen zum Touchscreen

Terminal-Emulationen sind zwar performant, sehen aber nicht ansprechend aus. Eine Option, die „Green Screens“ mit moder­nen Oberflächen zu versehen, ist das „Screen Scraping“. Ein ganz anderer Ansatz ist, die Funktionen der RPG-Anwendungen via App anzusprechen.

  • ascha M. Köhler ist Software-Architekt bei Profi Engineering Systems

    Der Autor Sascha M. Köhler ist Software-Architekt bei Profi Engineering Systems

Ende der 80er Jahre als AS/400 von IBM auf den Markt gebracht, ist der Nachfolger – das Power System i – im Mittelstand immer noch stark verbreitet. Woran liegt das? Die Serverplattform ist zuverlässig, stabil und sicher. Vor allem aber zeichnet sie sich durch ihren sehr holistischen Ansatz aus.

Das bedeutet, dass sie sehr viele Funktionen mitbringt, die auf offenen Plattformen erst durch unterschiedliche Software-Produkte nachgerüstet werden müssen. Nur ein Beispiel: Webauftritte und Java-Anwendungen werden täglich von Hackern nach Schwachstellen durchsucht. Ent­sprechend muss das Unternehmen enormen Aufwand betreiben, um seine Assets abzusichern. Trifft ein IT-Experte mit unlauteren Absichten aber auf das in diesem Sinne pro­prietäre System i, dann kann er fast nichts damit anfangen. Das macht die Plattform inhärent sicher.

Der Mittelstand hat das Gesamt­konzept und die einfache Bedienbarkeit des System i wohlwollend aufgenommen; viele in Cobol oder RPG programmierte Kernanwendungen sind heute darauf implementiert – für heutige Verhältnisse also Legacy-Code. Zur Interaktion mit den graphischen Oberflächen werden zumeist Terminal-Emulationen verwendet. Das ist zwar performant, sieht aber nicht ansprechend aus. Eine Option, solche „Green Screens“ mit moder­nen Oberflächen zu versehen, ist das „Screen Scraping“. Dabei werden die Bildschirmmasken umgewandelt und können dann mit einem Browser ­bedient werden. Nachteil dabei ist, dass bei Änderungen am Programmcode auch die geänderten Bildschirmmasken angepasst werden müssen.

Screen Scraping oder App-Einsatz?

Ein ganz anderer Ansatz ist, die Funktionen der RPG-Anwendungen via App anzusprechen: zum einen ist diese Art der Schnittstelle sehr benutzerfreund­lich und unmittelbar, zum anderen können völlig neue Anwendungsfälle über den mobilen Ansatz erschlossen werden. So können beispielsweise Inventuren mit einer App leichter durchgeführt werden, wenn man durch das Lager geht. Genauso sind Bestellungen direkt vor Ort beim Kunden möglich, die dazu einfach via Tablet erfasst werden. Bestimmte Funktionen eignen sich sogar für den direkten Aufruf durch Endkunden und Geschäftspartner.

Wie kann man sich den App-Einsatz vorstellen? Auf der Backend-Seite werden die Funktionen der RPG- oder Cobol-Programme gekapselt. Damit wird es möglich, von „außen“ über definierte Service-Schnittstellen zuzugreifen. Das funktioniert auch, wenn Anwendungen und Daten des System i von anderen IT-Systemen genutzt werden – ein klassisches Szenario der „Enterprise Application Integration“. Die App nutzt einfach diese Services – und greift dazu mittels eines Gateway darauf zu. Möchte man in der IBM-Welt bleiben, bietet der Hersteller mit der „Mobile First Platform Foundation“ ein ganzes Paket an, um dieses Szenario zu realisieren. Damit ist es möglich, Apps zu programmieren, zu testen und auszurollen.

Eine Codebasis für verschiedene Frontends

Besonders interessant dabei ist die Möglichkeit, nur eine Codebasis für verschiedene Frontend-Plattformen verwalten zu müssen. Jede so entwickelte App ist dann für iOS-, Android-, Windows- und Blackberry-Endgeräte nutzbar. In der Mobile First Platform Foundation ist auch eine Server-Komponente enthalten, die während der Laufzeit die Kommunikation zwischen App und Applikation auf dem System i ermöglicht. Die zentrale Verwaltung der Endgeräte ist mittels Konsole möglich, was Aspek­te wie Sicherheit, Management und statistische Auswertungen abdeckt.

So lassen sich die bewährten Kernanwendungen schnell und unkompliziert für Smartphones und Tablets nutzbar machen, was sehr interessante Möglichkeiten eröffnet. Denn die RPG- und Cobol-Programme können unverändert in der sehr robusten IT-Umgebung weiterlaufen – und trotzdem flexibel mit modernen Endgeräten bedient werden.

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