Anwendungsfall Rapid Prototyping

3D-Drucker im Einsatz

Interview mit Werner Koch vom Netzwerk 3D-Druck-Solingen über die wichtigsten 3D-Druck-Anwendungen in Unternehmen

Werner Koch, 3D-Druck-Solingen

Werner Koch vom Netzwerk 3D-Druck-Solingen

IT-DIRECTOR: Herr Koch, welche professionellen Anwendungsbereiche sehen Sie für 3D-Drucker im Unternehmensumfeld?:
W. Koch:
Die wichtigsten 3D-Druck-Anwendungen sehen wir in den folgenden Bereichen:
•    Forschung und Entwicklung (Prototypenerstellung),
•    Marketing & Vertrieb (Testprodukte, Werbeartikel),
•    Werkzeuge, Maschinen- und Funktionsteile für die industrielle Produktion sowie die
•    Fertigung (individualisierte Serienfertigung, Customization)

IT-DIRECTOR: Inwieweit sind 3D-Drucker hierzulande bereits in den Unternehmen verbreitet? Welche Branchen sind besonders hervorzuheben?
W. Koch:
In Deutschland reduziert sich im Gegensatz zu den USA der Einsatz von 3D-Druckern häufig noch auf den Bereich F&E (Rapid Prototyping). Wir erwarten aber, dass einige Branchen schon bald beginnen werden, Teile ihrer Serienfertigung auf 3D-Druck umzustellen. Drei Gründe sind dafür maßgeblich: Die wachsende Leistungsfähigkeit der Drucker und Druckmaterialen, die deutliche Steigerung der 3D-Druckgeschwindigkeit und sinkende Preise. Diese Entwicklung hat in den USA bereits dazu geführt, dass die gesamte Hörgeräteindustrie innerhalb von knapp zwei Jahren ihre Produktion zu 100 Prozent auf die additive Fertigung umgestellt hat. Und in Asien beginnen Daihatsu und Toyota bereits mit der Serienfertigung individueller Karosserieteile mittels 3D-Druck. Vorreiter in Deutschland sind derzeit die Branchen Maschinenbau, Automobil-, Luft- und Raumfahrtindustrie sowie die Medizintechnik.

IT-DIRECTOR: Wie teuer sind professionelle 3D-Drucker aktuell in der Anschaffung? Über welche Quellen lassen sich diese insbesondere in Deutschland beziehen?
W. Koch:
Das Preisspektrum ist je nach Anforderung enorm: Bei der Erstellung von Prototypen können sogenannte Drucker (Fused Deposition Modeling (FDM) zum Einsatz kommen, die je nach Anforderung schon zu Preisen ab 2.000 Euro hinreichende Ergebnisse liefern können. Ab 4.000 Euro erhält man bereits sogenannte Stereolithografie-Drucker (SLA), die mit guter Oberflächenqualität punkten. Bei höheren Anforderungen an die Robustheit, Genauigkeit und andere Eigenschaften können 3D-Drucker sinnvoll sein, die eine sechsstellige Euro-Investition (z.B. Metall-Lasersintern, SLS-Drucker) erfordern. Als Quellen für die Anschaffung kommen hauptsächlich die 3D-Druckerhersteller selbst bzw. ihre Vertriebspartner in Deutschland in Frage. Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl ist die Servicequalität.

IT-DIRECTOR: Worauf müssen die Verantwortlichen bei der Einbettung von 3D-Druckern sowohl in vorhandene Geschäftsprozesse als auch IT-Landschaften achten?
W. Koch:
Die durch 3D-Drucker ermöglichte individuelle Serienfertigung erfordert die Anpassung der Geschäftsprozesse zum Beispiel im Bereich des Warenwirtschaftssystems, an der Kundenschnittstelle, im Bereich der Produktentwicklung und Fertigung. 3D-Druck stellt darüber hinaus auch veränderte Anforderungen an die Konstrukteure, denn eine optimale Konstruktion für ein Objekt, dass mittels 3D-Drucker hergestellt werden soll, unterscheidet sich nach technischen und ökonomischen Kriterien fundamental von der klassischen Fertigung.
•    Die Ressourcen für den 3D-Druck müssen vorgehalten und verwaltet werden. Kenntnisse über unterschiedliche Materialeigenschaften sind genauso erforderlich, wie spezielle Testverfahren.
•    Die unterschiedlichen 3D-Drucker und Druckverfahren verlangen spezielles Know-how und ausgebildetes Personal, das mit Bedienung, Instandhaltung und Reparaturen der 3D-Drucker vertraut ist.
•    Für die IT stellt sich die Frage nach der optimalen Organisation und Administration der 3D-Drucker im Netz. Die Schnittstellen zu externen Plattformen und Dienstleistern sind zu klären. Die IT benötigt Kenntnisse und Know-how über Slicer-, 3D-Drucker-Software, Firmware sowie Treibersoftware und über die Kompatibilität zu vorhandenen Computer-Betriebssystemen.

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