Kritische Stimmen

5G-Einführung: Ein langer, steiniger Weg

Bis zur endgültigen Einführung von 5G in Deutschland ­müssen noch einige Hindernisse aus dem Weg geräumt ­werden. Dies zeigt die jüngste Kritik von CDU-Bundestagsabgeordneten und dem Vodafone-Deutschland-Chef an der geplanten 5G-Frequenzvergabe.

Die 5G-Einführung hat noch einen langen Weg vor sich.

Die 5G-Einführung hat noch einen langen Weg vor sich.

Zuletzt (bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe am 24. September 2018) häuften sich kritische Stimmen gegenüber dem von der Bundesnetzagentur (BNetzA) vorgestellten Entwurf zu den Vergabebedingungen und Auktionsregeln für die 5G-Frequenzversteigerung, die innerhalb des ersten Quartals 2019 in Mainz stattfinden soll.

Bereits Mitte September betonte Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass „uns einige der heutigen Formulierungen erschrecken“. Dabei gehe es u.a. um den Teil des Frequenzspektrums, der für die regionale Nutzung vorbehalten bleiben soll, statt an Netzbetreiber zu gehen. Damit einher ginge quasi ein nationales Roaming.

Doch die Bedingungen dafür seien laut Ametsreiter nicht ausreichend ausformuliert. „Wenn das regionale Spektrum eine Hintertür wird für einen vierten Netzbetreiber, der kaum investieren muss, dann wäre das eine Fehlentwicklung, weil es die Investitionen der anderen komplett entwertet”, so Ametsreiter weiter. Ohne entsprechende Einschränkungen könne man sich eine Situation vorstellen, in der sich etwa Finanzinvestoren günstig lokales Spek­trum sichern und dann mehrere Regionen zusammenschalten.

Als weiterer Knackpunkt erweist sich die im Auktionsentwurf bislang nicht vorgesehene Festlegung einer Dienste-Anbieter- und MVNO-Verpflichtung (Mobile Virtual Network Operator). Hinter diesen Akteuren stecken als Service-Provider bekannte Unternehmen wie 1 & 1 oder die Freenet AG mit ihren Marken Mobilcom Debitel und Klarmobil, die eine eigene Netzinfrastruktur weder besitzen noch betreiben. Sie kaufen vielmehr bei den Netzbetreibern zahreiche Ressourcen zu rabbatierten Preisen ein, um diese wiederum den Endnutzern zur Verfügung zu stellen.

War der diskriminierungsfreie Zugang für Dienste-Anbieter bei 2G und 3G im Rahmen der Frequenzvergabe noch verpflichtend, wurde bei der 4G-Vergabe eine entsprechende Pflicht nicht ausdrücklich auferlegt. Seitdem arbeiten die hierzulande noch verbliebenen drei großen Mobilfunkanbieter Telefónica O2, Telekom und Vodafone zwar eng mit den Providern zusammen, allerdings basiert diese Zusammenarbeit allein auf freiwilliger Basis. Auf diese Freiwilligkeit und den „guten Willen“ der Kommunikationskonzerne wollen sich die betroffenen Provider in Zukunft lieber nicht verlassen.

Just diese freiwillige Konstellation wollen die eingangs erwähnten CDU-Politiker über den Haufen werfen. Denn sie halten eine Dienst-Anbieterverpflichtung für eine durchaus prüfenswerte Option, „um einen funktionsfähigen Wettbewerb auf dem Enduser-Markt für Mobilfunkdienstleistungen zu erhalten“. Dies stelle vor dem Hintergrund, dass es aktuell nur noch drei Netzbetreiber auf dem Mobilfunkmarkt gebe, „ein wesentliches Wettbewerbselement“ dar. Dienste-Anbieter seien insbesondere notwendig, um das Risiko von Wettbewerbseinschränkungen zu minimieren.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Kritikpunkte meldete sich die Bundesnetzagentur selbst zu Wort. Präsident Jochen Homann betonte hierbei, dass es in Bezug auf nationales Roaming rechtlich nicht möglich sei, „die Unternehmen zu verpflichten, Dritte aufs Netz zu lassen und die Preise zu diktieren“. Ebenfalls sei es juristisch nicht haltbar, die Netzbetreiber dazu zu verpflichten, ihre Netze anderen Anbietern zur Verfügung zu stellen. „Wir sagen daher sehr deutlich: Die Unternehmen müssen verhandeln“, bekräftigte Homann in der Stellungnahme. Den von seiner Behörde ausgearbeiteten Entwurf zu den Vergabebedingungen der 5G-Auktion verteidigte der BNetzA-Präsident abschließend wie folgt: „Wir brauchen ambitionierte, aber realistische Ziele. Wir sind in der Verantwortung, gerichtsfeste Versorgungsauflagen vorzugeben.“

Gut Ding will Weile haben


Aufgrund des aktuellen Hin und Hers wird es wohl noch eine Weile dauern, bis Anwenderfirmen und Endnutzer tatsächlich in den Genuss von 5G-Verbindungen kommen werden. Auch zeigt die Geschichte des Mobilfunks, dass es nach der Versteigerung neuer Frequenzen generell etwas dauern kann, bis Kunden  erste Verträge erhalten. Und noch viel länger müssen sie gar auf eine großflächige Versorgung warten, wie das Beispiel Long Term Evolution (LTE, 4G) zeigt: Nach der Frequenzversteigerung in Deutschland im Frühjahr 2010 bot Vodafone bereits ab dem 1. Dezember 2010 LTE für Endkunden an. Bis Ende 2012 hatte die Deutsche Telekom mit LTE eigenen Angaben zufolge 100 Städte in Deutschland erschlossen. Es folgte bis Mitte 2013 O2 (heute Telefónica O2) mit der LTE-Versorgung von etwa elf größeren Ballungsräumen. Dies hört sich zunächst sehr gut an, auf den zweiten Blick gibt es jedoch einen Haken: Wer heute quer durch die Bundesrepublik auf Straßen oder Schienen unterwegs ist, muss sich vielerorts noch mit 3G, Edge (2G) oder gar GPRS begnügen.

Eine ähnlich löchrige Verbreitung könnte es auch bei 5G geben, wenn im Zuge des Netzausbaus der Fokus vorrangig auf Ballungszentren und größere Städte gelegt wird. Infrastrukturschwache Regionen gingen in diesem Falle wie in der Vergangenheit leer aus. Sind langsame Internetverbindungen bei 4G ärgerlich, aber durchaus hinnehmbar, könnte sich dies bei 5G ändern. Denn wenn es künftig um hochkritische Anwendungen rund um autonomes Fahren und das Internet der Dinge geht, müssen flächendeckend neben extrem kurzen Latenzzeiten auch deren kontinuierliche Verfügbarkeit und damit hundertprozentige Ausfallsicherheit gewährleistet sein.

 

Die Basis für autonomes Fahren


Sämtliche dieser Anforderungen sollten bereits bei der Vergabe der 5G-Frequenzen aufs Tapet gebracht werden. Geht es um autonomes Fahren, sind die Ziele momentan wie folgt abgesteckt: „Bei der anstehenden Frequenzvergabe sollen Autobahnen und Bundesstraßen mit 100 Megabit Datengeschwindigkeit pro Sekunde bis Ende 2022 versorgt werden“, betont Jochen Homann. Deshalb habe man für das automatisierte Fahren bereits Frequenzen bereitgestellt, auf deren Basis sich Fahrzeuge untereinander erkennen oder mit den Verkehrsinfrastrukturen kommunizieren können.

Doch auch hier gibt es strittige Punkte. So will die BNetzA einen Teil der Netze für autonomes Fahren über die bisher angedachte 5G-Versorgungsauflage für die Haushalte realisieren. Dabei müssten nach aktuellem Entwurf die Netzbetreiber bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte in Deutschland mit einer Datengeschwindigkeit von mindestens 100 Megabit pro Sekunde im Download versorgen. „Bei den verbleibenden zwei Prozent handelt es um Haushalte in schwer zugänglichen Gebieten, meist im ländlichen Raum, wo sich der Ausbau für die Konzerne kaum rechnet“, so der Entwurf. Ob über diese Infrastrukturen dann ein großer Teil der ländlichen Straßen tatsächlich versorgt werden kann, sei dahingestellt.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 10/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Im Zusammenhang mit den aktuellen Diskussionen darf jedoch nicht vergessen werden, dass die Verbreitung von autonomen Fahrzeugen und des Internets der Dinge nicht allein von der 5G-Durchdringung abhängt. Vielmehr gibt es alternative Technologien, die sich für die Datenübertragungen anbieten. So haben Telekom und Vodafone eigene „Maschinennetze“ ins Leben gerufen, die auf Narrowband IoT setzen. Nicht zuletzt sollte man auch den Ausbau mit Glasfasernetzen im Blick behalten. Denn jeder Mast, der mit schnellen Frequenzen funkt, geht irgendwann in den Boden über, wo die Daten dann per schnöden Kabeln weitergeleitet werden. Hier haben – was Bandbreiten und Geschwindigkeit anbelangt – derzeit Glasfasernetze die Nase vorn, sodass der 5G-Ausbau stets Hand in Hand mit dem Breitbandausbau vonstatten gehen sollte.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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