Fokus des MWC 2018

5G: Mobilfunk-Star mit schneller Reaktionsfähigkeit

Wer auf dem Mobile World Congress Ende Februar 2018 in Barcelona durch die Hallen schlenderte, kam an 5G und Internet-of-Things-Szenarien nicht vorbei. Der kommende Mobilfunkstandard soll großes Potential bieten – etwa im Verkehr oder in der Logistik. Doch es gibt noch viel zu tun.

Der Star des diesjährigen MWC: 5G.

Der Star des diesjährigen MWC: 5G.

Natürlich ging es in Barcelona auch um Smart­phones und Tablets wie zum Beispiel das neuen Galaxy S9 von Samsung. Doch der wahre Star war kein Mobilgerät mit Touchscreen. Vielmehr drehte sich auf dem Mobile World Congress alles um 5G – den kommenden Mobilfunkstandard. Das Besondere: Bei 5G handelt es sich nicht um eine einzige Technik, sondern quasi um ein ganzes Bündel von Technologien. Dazu zählt die zellulare Mobilfunkgeneration ebenso wie WLAN und weitere Technologien.

Das grundlegende Konzept ist das Network Slicing: Dabei wird das Netz in sogenannte Scheiben aufgeteilt, die jeweils unterschiedliche Eigenschaften zur Verfügung stellen. Das Netzwerk kann dann zu jedem Zeitpunkt intelligent entscheiden, welche Technik für welchen Teilnehmer und für welche Anwendung die geeignete ist. Zu den besonderen Eigenschaften, die 5G bietet, zählen große Bandbreiten, hohe Geschwindigkeiten und eine extrem geringe Latenz, d. h. Reaktionszeit. Diese soll bei 5G bis zu unter einer Millisekunde liegen.

Erste Testläufe für 5G-Netze


Damit eignet sich 5G besonders für Anwendungen im Internet der Dinge, dem zweiten großen Thema in Barcelona. Kurze Reaktionszeiten sind etwa bei der Car-to-Car-Kommunikation wichtig, wenn sich Fahrzeuge im fließenden Verkehr gegenseitig vor Hindernissen warnen. Sekundenbruchteile können dabei schon entscheidend sein. Eine andere Anwendung zeigte die Telekom, bei der 5G ebenfalls im Mittelpunkt des Auftritts in Barcelona stand. Der Telekommunikationsanbieter testet gerade im Hamburger Hafen ein 5G-Netz. Zusammen mit Nokia und dem Hafenbetreiber HPA wird u. a. daran gearbeitet, Ampelanlagen mithilfe von 5G zu steuern sowie Messdaten aus der Umwelt zu sammeln und auszuwerten.

„5G wird auf jeden Fall eine disruptive Kraft besitzen“, betonte Alpna Doshi, Chief Information Officer bei Philips, auf einer Podiumsdiskussion während der Mobile World. Doch ihrer Meinung nach muss die kommende Mobilfunkgeneration dafür bestimmte Anforderungen erfüllen. Dazu zählten Zuverlässigkeit, die Qualität der Services und Sicherheit. Diese Aspekte – neben offenen Schnittstellen – werden wichtige Rollen in der Entwicklung von 5G spielen müssen. Und diese ist noch lange nicht abgeschlossen, auch das wurde in Barcelona deutlich. „Bisher sind noch nicht alle Technologien bekannt, die 5G umfasst“, sagte etwa Scott Rice, Chief Information Officer beim Mobilfunkanbieter Sprint. Es seien etwa noch viele Investitionen der Service-Provider notwendig, um die Entwicklung voranzutreiben. 5G sei ein „evolutionäres Abenteuer“.

Nach Meinung von Martin Klapdor wird durch 5G das Thema Netzwerk-Monitoring eine noch größere Bedeutung gewinnen. „Neben der Bandbreite sind höhere Geschwindigkeiten und eine sehr geringe Latenz die großen Vorteile, die 5G bringen soll“, so Klapdor, Senior Solutions Architect bei Netscout Deutschland, einem Anbieter von Lösungen für das Netzwerk-Performance-Management. „In diesem Zusammenhang wird eine Netzüberwachung besonders wichtig, um zu prüfen, ob diese Versprechungen tatsächlich eingehalten werden.“

Großes Potential im Transportwesen


„5G wird eine großartige Zukunft ermöglichen, in der alles miteinander vernetzt ist“, glaubt Peter Zhou, Chief Marketing Officer bei Huawei. Aber: Viele der zurzeit diskutierten Einsatzszenarien für 5G könnten schon mit 4G realisiert werden. Eine ähnliche Meinung vertritt Nils Herzberg, Senior Vice President für IoT bei SAP. Sein Unternehmen zeigte auf der Mobile World eine ganze Reihe von Internet-o-Things-Anwendungen. Dazu zählt eine gemeinsame Lösung mit der Telekom für die Logistik in Unternehmen. Echtzeitdaten von den entsprechenden Fahrzeugen werden dabei mithilfe der Cloud-Plattform von SAP und IoT-Technologien aus dem Walldorfer Leonardo-Portfolio gesammelt und analysiert. Im Transportwesen sieht Herzberg großes Potential für 5G. Doch die neue Mobilfunkgeneration sei kein Allheilmittel. „IoT wird in vielen Bereichen auch ohne 5G zurechtkommen“, glaubt  Nils Herzberg. Er denkt dabei vor allem an das indu-strielle Internet der Dinge. „Die Fabrik ist ja schon ein gut vernetztes Umfeld.“ In diesem Bereich würde 5G nur in solchen Fällen Vorteile bringen, in denen keine etablierten Local Area Networks (LAN) verfügbar seien.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 04/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Es gibt allerdings auch andere Stimmen. Verbände wie der ZVEI und der VDE fordern eigene 5G-Netze für die Industrie, weil der Mobilfunkstandard ihrer Meinung nach eine wichtige Voraussetzung für die smarte Fertigung darstellt. „Wir müssen die Reaktionsgeschwindigkeit des gesamten Netzwerks in einer
Fabrik deutlich steigern“, berichtet etwa VDE-Präsident Gunther Kegel. Mit den aktuellen Netzwerktopologien ließe sich der nächste Schritt in der Digitalisierung der Produktion nicht machen.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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