Der IT-Betrieb muss sich verändern

Agil und trotzdem stabil?

In der Software-Entwicklung sorgen agile Methoden schon seit längerem für Furore. Anfangs eher belächelt und vielfach abgelehnt, haben sie sich mittlerweile etabliert. Die langen Release-Zyklen von mehreren Monaten, wie sie bei vielen Anwendungen vor allem im Mainframe-Umfeld lange Zeit üblich waren, passen einfach nicht mehr in die moderne IT-Landschaft.

Heute wollen Unternehmen neue oder veränderte Anwendungen schneller einsetzen, gerade bei Web- und bei mobilen Applikationen ist eine wesentlich schnellere Taktung unerlässlich. Digitale Player, wie Google oder Amazon geben hier das Tempo vor, sie können bei Bedarf auch mehrere neue Releases an einem Tag veröffentlichen – Stichwort Continuous Delivery.

In Rechenzentren gelten freilich andere Kriterien. Hier kommt es auf Stabilität, Verfügbarkeit und Performance an; denn die schnelle Bereitstellung einer Anwendung nützt wenig, wenn diese dann ständig mit Stabilitäts- und Performance-Problemen zu kämpfen hat. Der Rechenzentrumsbetrieb konnte daher mit agilen Methoden lange nicht viel anfangen. In der Regel können IT-Services nur mit mehr oder weniger großem zeitlichen Vorlauf und gerade nicht "on demand" erbracht werden.

Das ändert sich jetzt; oder vielleicht sollte man sagen: Das muss sich jetzt ändern. Das Business gibt die Anforderung einer Continuous Delivery vor, Unternehmen brauchen ihre Infrastrukturen und Applikationen kurzfristig, um die Anforderungen der Kunden zu erfüllen und sich im Wettbewerb zu positionieren. Es ist also Aufgabe des IT-Betriebs, dafür zu sorgen, dass das mit der nötigen Stabilität, Verfügbarkeit und Performance erfolgt. Im DevOps-Konzept werden Software-Entwicklung und IT-Betrieb eng zusammengeschlossen, so dass sie im neuen schnellen Takt laufen.

Das ist keine geringe Herausforderung. Schließlich hatte der klassische IT-Betrieb jahrzehntelang seine guten Gründe, wenn er für die Sicherstellung von Stabilität und Verfügbarkeit eine gewisse Zeit veranschlagte. Natürlich gibt es heute neue Verfahren und Technologien, etwa beim Systemmanagement und auch die Virtualisierung eröffnet hier ein weites Feld von Möglichkeiten. Dennoch bleibt das Vorhaben, einen agilen IT-Betrieb immer unter Berücksichtigung der klassischen Kernaspekte Stabilität, Verfügbarkeit, Performance und Sicherheit zu realisieren, ziemlich anspruchsvoll. Mittelständische Unternehmen tun sich damit schwer, weil diese Anforderungen auch zusätzliche Kosten bedeuten, sie müssen Know-how und Ressourcen erst mühsam aufbauen. Große Organisationen mit Konzernstrukturen können zwar den erforderlichen Aufwand besser stemmen, ihre Organisationsstrukturen sind aber meist weniger beweglich, so dass auch sie weit von "on demand" entfernt sind.

Ein Ausweg ist die Auslagerung des IT-Betriebs an einen Service-Provider. Ein Service-Rechenzentrum, das Managed Services oder auch flexibel skalierbare Cloud-Services bereitstellt, kann auch für einen agilen IT-Betrieb sorgen, sogar besser als ein Unternehmen. Zum einen verfügen Provider über entsprechendes Know-how und Erfahrungen aus agilen Projekten, auch ihre Kosten sind durch Skaleneffekte geringer, als wenn man ein einzelnes Projekt aufsetzen würde. Zum anderen sind die Organisationsstrukturen eines Services-Providers heute auf agile Methoden eingestellt – "on demand" ist hier weder ein Rätsel noch ein Horrorszenario. 

Gerade Unternehmen, die sich noch unsicher sind, ob agile Verfahren zu ihnen und zu ihrer Unternehmenskultur passen, können durch Auslagerung des IT-Betriebs – beziehungsweise von Teilbereichen – die Vorteile agiler Methoden ohne großen Aufwand und ohne begleitende Umstrukturierungsprojekte nutzen. So lassen sich Stabilität, Verfügbarkeit, Performance und Sicherheit mit Agilität und Effizienz unter einen Hut bringen.

* Diethelm Siebuhr ist CEO der Nexinto Holding

Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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