Agilität

Agile Methoden verändern die Unternehmenskultur

Agile Methoden setzen sich durch, auch außerhalb der Informationstechnologie. Vor allem innovative und veränderungsorientierte Unternehmen wenden sie häufiger an.

Agilität ist nicht nur im Sport entscheidend

Wer heute nicht das Wort "agil" benutzt, hat die letzten Jahre unter einem Stein verbracht. "Ein agiles Unternehmen ist ein Unternehmen, das in der Lage ist, seine Geschäftsprozesse in kürzester Zeit neuen Anforderungen anzupassen." - "Agiles Management hilft beim Umgang mit hochkomplexen Problemen." - "In agilen Projekten können die Mitarbeiter endlich wieder kreativ sein und müssen nicht starre Prozesse befolgen."

Solche und ähnliche Äußerungen finden sich zuhauf in Erfahrungsberichten. Doch was ist das eigentlich genau, eine agile Methode? Dahinter verbirgt sich eine Vorgehensweise, die speziell für die Software-Entwicklung konzipiert wurde.

Kurze Planungs- und Entwicklungsphasen

Ein Merkmal der Programmierung ist, dass sich detailliert vordefinierte Anforderungen und ein genau geplanter Entwicklungsstrang meist nicht verwirklichen lassen. Technische Probleme, veränderte Anforderungen durch den Kunden, erst spät entdeckte Systembesonderheiten, Nebeneffekte von Updates in anderen Systemen - die Zahl der Hürden ist groß.

Dies führt häufig zu ungenügenden Endprodukten, die in zahlreichen Anpassungsschritten "geflickt" werden müssen. Agile Softwareentwicklung dagegen verzichtet auf detaillierte Feature-Listen und genaue Planung eines Endergebnisses. Stattdessen wird die Software in möglichst häufigen Rückkopplungsprozessen und einem zyklischen (iterativen) Vorgehen entwickelt.

Zuerst wird eine Art "Vision" für die Software festgelegt: Welche Aufgaben erfüllt das Programm, welche Ziele kann der Anwender damit erreichen, welchen Nutzen hat er davon? Für die Fertigstellung dieser Software wechseln sich kurze Planungs- und Entwicklungsphasen ab. Dabei werden die einzelnen Features gewichtet und schrittweise in das Programm eingebaut.

Diese Vorgehensweise ist sehr häufig für ein komplexes und kompliziertes Projekt wie der Entwicklung einer umfangreichen Software die bessere Wahl. Deshalb ist es sehr naheliegend, agile Methoden auch in anderen Bereichen einzusetzen, zum Beispiel im Projektmanagement. Doch die weit verbreitet sind agile Methoden wirklich?

Diese Frage stellten sich auch Prof. Dr. Ayelt Komus und sein Team vom BPM-Labor der Fachhochschule Koblenz. In der Studie "Opens external link in new windowStatus Quo Agile" untersuchten sie die Verbreitung und Nutzen agiler Methoden wie Scrum oder Kanban. Mit 350 Teilnehmern und über 250 auswertbaren Fragebögen wird der Status quo agiler Methoden im deutschsprachigen Raum deutlich.

Das wichtigste Ergebnis: Anwender agiler Methoden sind auffallend erfolgreich und bewerten die neuen Methoden positiver als klassische Projektmanagement-Methoden. Bemerkenswert ist die hohe Zahl von Unternehmen, die agile Methoden mit klassischen Methoden vermischt oder nur fallweise einsetzt.

Agile Methoden für Non-IT-Bereiche

Obwohl agile Methoden ursprünglich aus der IT kommen, haben sie ihren angestammten Bereich längst verlassen. Mehr als ein Viertel der Unternehmen nutzen Sie auch für non-IT-Projekte. Auch dies ist eine naheliegende Entwicklung, da das Prinzip der iterativen Weiterentwicklung und ständigen Verbesserung relativ leicht auf industrielle oder organisatorische Projekte übertragbar ist.

"Wir haben schon lange vermutet, dass agile Methoden wie Scrum und Kanban nicht nur die IT-Entwicklung, sondern auch Bereiche wie die Produktentwicklung, das IT-Management und vor allem das Prozessmanagement grundlegend verändern würden", sagt Ayelt Komus. "Aber die Ergebnisse haben unsere Erwartungen übertroffen."

Doch agile Methoden sind nicht bloß ein weiterer Bestandteil des Werkzeugkastens eines Managers. Sie gehen mit einer Veränderung der Unternehmenskultur einher. Agile Unternehmen propagieren üblicherweise eine Kultur des Wandels, in der ständige Änderungen und Verbesserungen als normaler Bestandteil des Arbeitsalltags wahrgenommen werden.

Eine solche Unternehmenskultur macht den Einsatz agiler Methoden leichter, ist aber zugleich die Folge ihrer häufigen Anwendung. In der Studie zeigt sich ein klar unterschiedliches Bild, abhängig davon, ob die Unternehmen agile Methoden nutzen oder nicht. Gut die Hälfte der Anwender agiler Methoden sagen, Ihre Unternehmenskultur basiere auf Wandel. Bei Nutzern klassischer Methoden sagen dies nur etwa ein Viertel.

Doch eine Methodik wird nur dann weithin akzeptiert, wenn sie erfolgreich ist. Da Erfolgsmessung eine Wissenschaft und ein Problem für sich ist, greift die Studie auf das Mittel der Selbsteinschätzung zurück. Die Erfahrungen mit agilen Methoden sind positiv, alle Unternehmen mit Erfahrungen in agilen Methoden zeigen ähnliche Werte und stufen sich als erfolgreicher als andere Unternehmen der Branche ein.

Es gibt für die Unternehmen also kaum einen Grund, auf die einmal eingeführten Verfahren zu verzichten. "Agile Methoden sind gekommen, um zu bleiben", meint Ayelt Komus. "Die hohe Zufriedenheit mit Scrum, Kanban und Extreme Programming zeigt, dass sich das Management von Entwicklungsprozessen und Projekten nachhaltig verändern wird."

Bildquelle: R. B. / Opens external link in new windowpixelio.de

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