KI-Strategie

Algorithmen auf der Hebebühne

Bereits im November des vergangenen Jahres kündigte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) erstmals eine Kon­trollinstanz für Anwendungen auf Basis von Künstlicher Intelligenz (KI) an.

Auf der Hebebühne

Dass sich komplexe und wandelbare Algorithmen, wie sie zum Teil jetzt schon im Einsatz sind, nicht einfach wie ein Neuwagen auf der Hebebühne inspizieren lassen, dürfte sich von selbst verstehen.

Die Ambitionen sind Teil der im Herbst 2018 vorgestellten KI-Strategie, für die nun eine erste Zwischenbilanz von der Bundesregierung vorgelegt wurde. Dort ist zwar viel von den Fortschritten bei der Förderung von Wirtschaft und Wissenschaft zu lesen, über die neue Prüfstelle wird allerdings kaum ein Wort verloren. „Kernaufgaben des im Aufbau befindlichen KI-Observatoriums im BMAS, das im Frühjahr 2020 eröffnet wird, sind die Beobachtung von Technologieentwicklung, -verbreitung und Technologiefolgenabschätzung für KI in Arbeit und Gesellschaft”, heißt es dort lediglich. Das ist schade, soll die Einrichtung einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge doch schon in diesem Jahr ihre Arbeit aufnehmen. Zugleich werfen die Pläne viele Fragen auf, denn wie genau so eine „Hauptuntersuchung” für KI-Software überhaupt aussehen und funktionieren soll, ist derweil noch völlig unklar.

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Medienberichten zufolge soll die Institution nicht nur als deutsches Individualprojekt, sondern mittelfristig auch als europaweites Netzwerk gedacht werden. Hinsichtlich der kommenden Auswirkungen von KI auf die globale Arbeitswelt sicher ein vernünftiger Schritt. Dass sich aber derart komplexe und wandelbare Algorithmen, wie sie zum Teil jetzt schon im Einsatz sind, nicht einfach wie ein Neuwagen auf der Hebebühne inspizieren lassen, dürfte sich von selbst verstehen. Vielmehr erfordern diese Ambitionen komplett neue Kontroll- und Beurteilungsmechanismen, die der komplizierten Natur der Technologie auch gerecht werden. Dafür fehlt es allerdings an politischer Einigkeit, geschweige denn verbindlichen Standards. Diese sind dringend nötig, um den vagen Ermessensspielraum im Feld der digitalen Ethik weiter zu schärfen.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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