DSGVO-Panik

Am 25. Mai geht die Welt unter

Die DSGVO killt das Internet? Nein, das Netz wehrt sich mit Artikeln, die Datenschutz-Mythen widerlegen und praktische Hilfen für Blogs anbieten.

Apokalypse

Weltuntergangstimmung im Internet: Die DSGVO kommt.

Großes Jammern und Wehklagen im Internet, am Ende der Pfingstwoche gehen die Lichter aus. Grund für die Aufregung ist die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der EU , die zwar bereits 2016 in Kraft getreten ist, aber erst ab dem 25. Mai tatsächlich auch angewendet wird. Auf gut Deutsch: Nach diesem Stichtag müssen alle Regeln der Verordnung sowie der in den einzelnen Ländern angepassten Gesetze befolgt werden.

Das scheint zahlreiche Leute zu überraschen, ähnlich wie der Wechsel der Jahreszeiten die Bahn AG. Vor allem Unternehmen scheinen die letzten zwei Jahre geschlafen zu haben. Nach einschlägigen Umfragen sollen lediglich 19 Prozent der europäischen Unternehmen und Behörden auf die DSGVO vorbereitet sein. Demgegenüber stehen warnende und mahnende Aufrufe, in denen Datenschutz als Drohkulisse aufgebaut wird - oft im eigenen Interesse.

Fehlinformationen rund um die DSGVO

Die Masse an DSGVO-Artikeln ist gigantisch. Alleine Google News verzeichnet zu diesem Stichwort rund 184.000 Ergebnisse. Doch das scheint die Entscheider in den Unternehmen sowie alle an der DSGVO Interessierten zu verwirrend. So beklagt der Internetrechtler Dr. Carsten Ulbricht zahlreiche Mythen und Fehlinformationen rund um den EU-Datenschutz. So ist an vielen Stellen zu lesen, dass für jede Art der Datenverarbeitung eine Einwilligung des Betroffenen eingeholt werden muss. Das ist falsch, sagt Ulbricht. Es gibt eine Reihe von Erlaubnistatbeständen, bei denen keine Einwilligung nötig ist.

Typisches Beispiel: Ein Onlineshop muss für alle Daten, die bei der Bestellabwicklung genutzt werden, keine Erlaubnis zur Speicherung einholen. Wer seine Bestellung abgeschickt, schließt einen Vertrag mit dem Shop und Bestandteil dieses Vertrages ist notwendigerweise die Verarbeitung der Daten. Doch wenn die Daten für andere Zwecke genutzt werden, etwa im Marketing oder für die Zusendung eines Newsletters, ist eine Einwilligung erforderlich.

Auch in technischer Hinsicht wird vielfach Panik gemacht: Der Einsatz von Google Fonts auf einer Webseite sei jetzt verboten, da beim Download Daten übertragen werden. Ruhig bleiben, es wird lediglich die IP-Adresse übertragen und das ist aus technischen Gründen notwendig, sagt der Entwickler Ernesto Ruge in einem ausführlichen Blogbeitrag. Dort geht er auf eine Vielzahl an technischen Vorkehrungen zur Einhaltung der DSGVO, die für alle Arten von Websites gelten.

Problemfall Selbstständige und Freiberufler

Die DSGVO betrifft übrigens nicht nur größere Unternehmen, sondern auch Einzelunternehmer, Selbstständige und Freiberufler. Hier ist dann tatsächlich ein wenig Grund zur Besorgnis, denn diese „Kleingewerbetreibenden“ haben üblicherweise keine Hausanwälte und Datenschutzberater. Trotzdem sind die Anforderungen der DSGVO kein Grund zur Panik, meint die E-Commerce-Spezialisten Dr. Katja Flinzner. In einem Blogbeitrag hat sie die wichtigsten Grundregeln für Selbstständige zusammengetragen.

Das größte Problemfeld sind Blogs von Kleinstunternehmen und Selbstständigen, die in aller Regel nebenbei und nicht hauptamtlich administriert werden. Auf den ersten Blick sind die Anforderungen sehr hoch und nur schwer umzusetzen. Doch es gibt für WordPress zahlreiche Hilfen, Digitalberater Michael Kausch gibt einen guten Überblick. Einen sehr detaillierten Einblick in die Anforderungen der DSGVO an Blogbetreiber sowie in Maßnahmen zu ihrer Umsetzung gibt der Marketingexperte Ritchie Pettauer.

Doch natürlich gibt es trotzdem noch zahlreiche offene Fragen, die von der EU-Verordnung nicht oder nur sehr grob geklärt sind. Vieles wird werden sicher vor Gericht geklärt werden und es ist durchaus möglich, dass aufgrund der Erfahrungen auf mittlere Sicht eine neue Verordnung formuliert wird. Interessenvertreter haben sich schon in Stellung gebracht: Die Überführung in deutsches Recht ist in der Kritik und auch die DSGVO selbst hat in der Wirtschaft zahlreiche Gegner.

Bildquelle: Thinkstock

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