Pick by Vision: Interview mit Stefan Hübner, Smilog

AR in der Logistik

Im Interview betont Stefan Hübner, Geschäftsführer der Smilog GmbH, dass sich Augmented Reality mittelfristig in der Logistik – wie in allen Lebensbereichen – durchsetzen wird.

Stefan Hübner, Smilog

„Der Einführungsaufwand für eine komplette AR-Lösung in der Kommissionierung ist etwas höher als bei herkömmlichen Lösungen“, weiß Stefan Hübner, Geschäftsführer der Smilog GmbH.

IT-DIRECTOR: Herr Hübner, welches Potential bietet Augmented Reality (AR) grundsätzlich für die Logistikindustrie?
S. Hübner:
Wir sehen das Thema „AR“ bzw. „Pick by Vision“ als den Nachfolger von „Pick by Voice“. Demzufolge hat unseres Erachtens AR ein großes Potential in der Logistikindustrie.

IT-DIRECTOR: Für welche Anwender bzw. Branchen und deren Logistik ist die Technologie besonders interessant und warum?
S. Hübner:
Im Prinzip für alle Branchen. Der Schulungsaufwand für z.B. Kommissionierer tendiert gegen Null, wenn ein gut durchdachtes AR/Pick by Vision-System implementiert wird. Bekommt ein Mitarbeiter durch z.B. Pfeile oder Felder, die im Display der Datenbrille eingeblendet werden, mitgeteilt, wo sich das zu kommissionierende Material befindet, und wird dann zur Validierung noch automatisch von der Brille ein Lagerplatz- und ein Produktbarcode erfasst, so wird die Fehlerrate noch weiter minimiert.

IT-DIRECTOR: Inwieweit ist das Thema „Augmented Reality“ bereits in der Logistik angekommen – sprich, wie gestaltet sich das entsprechende Lösungsangebot auf dem Markt und der Technologie-Einsatz bei Großunternehmen?
S. Hübner:
Zur Zeit gibt es unseres Wissens nach lediglich Pilotprojekte, bei denen die neue Technologie getestet wird.

IT-DIRECTOR: Das eine oder andere Großunternehmen mag noch skeptisch im Hinblick auf AR sein. Was hält sie bisher davon ab, auf jene Technologie in der Logistik zu setzen, und wie könnte man ihnen die Lösung schmackhaft machen?
S. Hübner:
Vor jedem Einsatz einer neuen Technologie muss der Nutzen bzw. der Vorteil mit einer ROI-Analyse nachgewiesen werden. Wenn es gelingt, ein Pilotprojekt zu installieren, ließen sich diese Zahlen entsprechend ermitteln. Allerdings ist gerade bei Großunternehmen der Betriebsrat oftmals nicht leicht von einer neuen Technologie zu überzeugen.

IT-DIRECTOR: Wie sehen konkrete Einsatzfelder bzw. Anwendungsszenarien aus und welche AR-Technologien sind hier jeweils sinnvoll?
S. Hübner:
Insbesondere Instandhaltungsmaßnahmen bzw. Reparaturen können mit der AR-Technologie wesentlich vereinfacht werden. Aber natürlich auch in der Kommissionierung und allen weiteren Tätigkeiten, bei denen der Benutzer die Hände frei haben muss, aber trotzdem Zusatzinformationen benötigt.

IT-DIRECTOR: Welche Voraussetzungen muss ein Großunternehmen erfüllen, das zukünftig auf Augmented Reality in seiner Logistik setzen möchte?
S. Hübner:
Die gleichen technischen Voraussetzungen wie zur Nutzung von Barcode- oder Pick-by-Voice – Terminals.

IT-DIRECTOR: Wie gestaltet sich die Einführung einer entsprechenden Lösung? Mit welchem Aufwand ist sie verbunden?
S. Hübner:
Der Einführungsaufwand für eine komplette AR-Lösung in der Kommissionierung ist etwas höher als bei herkömmlichen Lösungen, da bei der AR-Lösung ja z.B. die Wege und Plätze, die in die Brille eingeblendet werden sollen, in der Lösung komplett berücksichtigt werden müssen. Der finanzielle Aufwand ist etwas höher als bei einer Pick-by-Voice-Lösung.

IT-DIRECTOR: Inwiefern sind Schulungen nötig oder ist Augmented Reality intuitiv anwendbar?
S. Hübner:
Eine Kurzschulung zur Einweisung in das System ist sicher immer notwendig: Wie funktioniert das Gerät? Wie steuere ich die Befehle? Kann man den Prozessablauf unterbrechen?

IT-DIRECTOR: Welche konkreten Vorteile lassen sich aus AR in der Logistik schöpfen?
S. Hübner:
AR ist die Kombination und Weiterentwicklung von Barcodetechnologie mit Pick by Voice: Bei den Barcodeterminals werden die Informationen auf dem Display dargestellt; der Benutzer hat aber nicht beide Hände für die Kommissionierung frei. Bei Pick by Voice wiederum hat der Benutzer Hände und Augen frei, aber kein Display für Zusatzinformationen. AR vereint beide Technologien und bietet zusätzlich noch die Möglichkeit der „Lagerführung“, sprich der Mitarbeiter wird durch das Lager mittels Pfeilen und Anzeigen im Display geführt.

IT-DIRECTOR: Welche Risiken birgt die Technologie wiederum – insbesondere auch im Hinblick auf die komplette Vernetzung (Stichwort: „Internet of Everything“)?
S. Hübner:
Die Risiken für Unternehmen vergrößern sich nicht, da der Betrieb – wie bisher bei Barcode und Pick by Voice – ausschließlich im Intranet erfolgt.

IT-DIRECTOR: Inwieweit kann AR die Sicherheitsanforderungen und arbeitsschutzrechtlichen Bedingungen sowie industriellen Anforderungen in der Logistik erfüllen?
S. Hübner:
Ob die Anforderungen und Bedingungen bzgl. des Arbeitsschutzes eingehalten werden, müsste von den zuständigen Stellen untersucht werden.

IT-DIRECTOR: Wie schätzen Sie die zukünftigen Entwicklungen von AR in der Logistikindustrie ein und welche Faktoren werden die Entwicklungen beeinflussen?
S. Hübner:
Mittelfristig wird sich AR in der Logistik – wie in allen Lebensbereichen – durchsetzen. Die Entwicklung wird sicher durch Google Glasses stark beeinflusst.

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok