Connected Cars

Auf dem Weg zu vernetzten Autos

Ein Kommentar von Uwe Becker, Head of Global Services Germany bei Orange Business Services, über rosige Aussichten für Connected Cars und effiziente Veränderungen unserer Fortbewegung

Uwe Becker, Head of Global Services Germany Orange Business Services

Künftig werden wohl alle Automobile irgendwie miteinander verbunden sein. Denn es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis jedes Auto mit einer integrierten Wireless-Verbindung vernetzt ist. Die Verbraucher werden die Vorteile in Form einer optimierten Fahrzeugnutzung erleben: Die Fahrzeugvernetzung erhöht die Sicherheit für den Autofahrer, macht die Navigation effizienter, ermöglicht Streckenverkürzungen und schafft die Voraussetzungen für andere zeitsparende und effiziente Anwendungen, die auf drahtlosen Netzwerkverbindungen basieren.

Für die Zwecke von Sicherheitsanwendungen werden Autos auch heute schon vernetzt. Aber das ist erst der Anfang einer optimierten Fahrzeugnutzung über Drahtlosverbindungen. Autofahrer wollen sich auf effiziente und sichere Weise von A nach B bewegen und dabei Zeit und Geld sparen. Die Automobilindustrie trägt in vielfältiger Weise dazu bei, solche Erfahrungen zu realisieren. Aber mit einer Drahtlosnetzwerktechnologie in neuen vernetzten Autos – oder Connected Cars – entstehen aus der Sicht von Netzbetreibern und Technologieanbietern ganz neue Möglichkeiten.

Ganz egal, ob mit Satellitentechnik, Wimax, LTE oder einer anderen Wireless-Technologie: Vernetzte Kraftfahrzeuge werden zum neuen Ansatz, unsere Fortbewegung zu optimieren. Mit der zunehmenden Präsenz von Drahtlosverbindungen und –anwendungen in unserem Privat- und Berufsleben sollte sich diese Entwicklung auch beim Fahrerlebnis wiederspiegeln.

Laut IMS Research wächst der Markt für vernetzte Fahrzeuge von 5,4 Millionen Stück 2010 auf voraussichtlich 40,5 Millionen verkaufte Einheiten in 2017. Das entspricht einer Wachstumsrate von 650 Prozent. Das Marktforschungsunternehmen definiert ein vernetztes Fahrzeug als jeden PKW, der über eine bidirektionale Datenverbindung über Mobiltelefon oder integriertes Modem verfügt. In den Umfragen von IMS Research gaben rund 60 Prozent der befragten Verbraucher an, dass sie sich in ihrem nächsten Auto ein vernetztes System wünschen. Und fast die Hälfte der Verbraucher wäre bereit, dafür Geld auszugeben:  10 Euro pro Monat oder ca. 140 Euro pro Jahr für Vernetzungsdienstleistungen wurden als Höchstwerte angegeben.

Staatliche Initiativen zugunsten von Sicherheitsfunktionen im Auto forcieren ein zunehmendes Interesse bei den Verbrauchern. Die Europäische Union will, dass bis 2015 alle Neufahrzeuge mit einer Box ausgestattet werden, die im Falle eines Aufpralls oder eines anderen Notfalls automatisch einen Notruf absetzen kann. Die Idee einer Kommunikationsbox für alle neuen Fahr-zeuge basiert auf dem Wunsch, Drahtlosverbindungen für Sicherheitsfunktionen – wie eben solche automatischen Notrufe – zu verwenden. Den Markt wesentlich beleben werden aller-dings eher aktuelle Verkehrs- und Wetterinformationen, Internet- und Social-Media-Dienste und andere Services der Kategorie “Internet auf Rädern”.
Diese Kombination aus neuen technologischen Möglichkeiten und staatlichen Initiativen läutet eine neue Ära für vernetzte Kraftfahrzeuge ein.

Besseres Fahrerlebnis

Aus der Sicht der Automobilindustrie stellt das vernetzte Auto eine Möglichkeit dar, weitere In-novationen in Automobilen zu integrieren. Der Hauptzweck von Autos ist Mobilität. Die Hersteller sehen jedoch zusätzliche Möglichkeiten, das Fahrerlebnis durch ein höheres Maß an intelligenten Systemen und Unterhaltungsfeatures zu verbessern. Mit dem neuen Fokus auf Daten-übertragungen über Wireless-Netze suchen sie nach innovativen Lösungen, die sich über Telekommunikationstechnologie und Serviceunternehmen realisieren lassen. Zukunftsorientierte Telekomunternehmen können ihre bestehende Netzinfrastruktur nutzen und dazu beitragen, das neue Zeitalter vernetzter Kraftfahrzeuge zu initiieren. Sie verfügen über die notwendigen Erfahrungen mit Telekommunikationsnetzwerken und über das Know-how in der Mobilfunktechnologie, mit denen sich die Fahrzeugkonnektivität einführen und auf die Straße bringen lässt.

Das Autotelefon der 80er Jahre repräsentierte so etwas wie den archaischen Beginn einer kundenorientierten Mischung aus Auto- und Mobiltechnik. Es bot einfache Telefonfunktionen für unterwegs und vernetzte den Fahrer mit grundlegenden Mobilitätsdienstleistungen. Diese Technik wurde mit der allgegenwärtigen Handy-Penetration in den Industrieländern überflüssig. Zudem gilt Telefonieren jetzt nur noch als eine von vielen datengestützten Anwendungen. Wie bei der Verbraucher- und Unternehmensmobilität wurde auch hier das einfache Telefonieren durch Datenübertragungen und Drahtlosvernetzungen erweitert – Anwendungen, die weit über Gespräche von Mensch zu Mensch hinausgehen. Jetzt sind es „Machine-to-machine“-Anwendungen, die das Fahrerlebnis verbessern sollen.

Die Herausforderung besteht darin, den Schritt vom derzeitigen Status - bisher nutzen Fahrzeuge Wireless-Infrastruktur größtenteils für sicherheitsrelevante Anwendungen - hin zur Nutzung der Drahtlos-Infrastruktur für Services zu schaffen, die das Fahrerlebnis weiter verbessern. Da-zu zählen Navigationstools mit intelligenten Systemen, sowie Home-Entertainment-Lösungen, wie Musik und Videos. Hierfür gibt es bereits Angebote im Markt. Allerdings hängt die weitere Entwicklung davon ab, wie die Verbraucher Datenanwendungen in vernetzten Fahrzeugen annehmen. Je mehr Connected Services entstehen, umso größer wird der Kreis der Nutzer werden, die die neue Technik akzeptieren. Entscheidendes Merkmal einer erfolgreichen Fahrzeugvernetzung wird der über die Drahtlostechnologie bereitgestellte Mehrwert sein.

Elektrische Zukunft

Für Elektrofahrzeuge wird sich Konnektivität wahrscheinlich zum wesentlichen Merkmal des Alltagsbetriebs entwickeln. Fahrer von Elektrofahrzeugen sind mit einer Reihe von Problemen konfrontiert, die die Nutzer von Automobilen mit konventionellem Antrieb nie bewältigen mussten. Dies führt zur Entwicklung neuer drahtloser Verbindungslösungen.

Zu den neuen Herausforderungen zählen Energiemanagement und Effizienz. Die Energiespeicherkapazität von Elektrobatterien ist wesentlich geringer als die von Fahrzeugen, die mit herkömmlichen Kraftstoffen betrieben werden. Das begrenzt die Kilometerleistung und macht die Fahreffizienz zu einem kritischen Faktor. Eine energieorientierte Streckenoptimierung wird dazu beitragen, dass Elektroautos weitere Wege zurücklegen können und die Fahrer nicht mehr befürchten müssen, dass ihnen die Energie ausgeht. Denn bekanntermaßen lässt sich Strom nicht einfach in Flaschen abfüllen.

Wenn sich Fahrtstrecken durch die Echtzeit-Berücksichtigung von Region, Gelände, Verkehr sowie anderen Hindernissen optimieren lassen, wächst die Chance, das Ziel ohne leere Batterie zu erreichen. Diese sehr praktischen Überlegungen erfordern ein höheres Maß an intelligenten Systemen für den Fahrer. Sonst müssten sich die Fahrer mehr oder weniger unvorbereitet auf den Weg machen, ohne sich im Voraus mit der Streckenplanung beschäftigen zu können. Oder sie benutzen ihr Elektrofahrzeug nur für kurze Wege in bekanntem Gebiet. Diese Problematik ist direkt mit einem weiteren Aspekt verknüpft, nämlich der Suche nach Möglichkeiten, wo sich die Autobatterien wieder aufladen lassen. Ohne vorherige Informationen wüssten Fahrer von Elektroautos nicht, wo sie ihre Batterie nachladen können. Wer sich mit einem Elektroauto auf den Weg machen will, braucht leicht zugängliche Stellen zum Wiederaufladen der Batterie. Auch hier erhält die Reiseplanung für den Fahrer eine größere Bedeutung. Tankstellen gibt es überall. Aber Ladestationen für Elektrofahrzeuge sind dünn gesät. Da ist es hilfreich, wenn ein integriertes Kommunikations-Navigationstool dem Fahrer solche Ladestationen mitteilt. Energieeffizienz und Wiederaufladbarkeit weisen nicht nur auf den Bedarf für eine bessere Konnektivität von Elektrofahrzeugen hin, sondern zeigen auch auf, wie mit konventionellen Kraftstoffen betriebene Fahrzeuge von intelligenteren Systemen profitieren könnten.

Ein Fahrzeug, Eine Vernetzung

Was die Fahrzeugvernetzung in der Automobilindustrie vorantreibt, ist ihre Standardisierung. Telekommunikationsunternehmen und Automobilhersteller arbeiten gemeinsam an grundlegen-den Standards für funktionsfähige Fahrzeugvernetzungen. Eine Vernetzung macht nur Sinn, wenn sie flächendeckend erfolgt und während der gesamten Fahrt funktioniert. Zwar steckt der Markt für vernetzte Fahrzeuge noch in den Kinderschuhen. Aber zunehmend beteiligen sich Netzbetreiber an verschiedenen internationalen M2M-Standdardisierungsprogrammen. Wireless-Standards sowie Abrechnungs- und Provider-Verbindungen sind Grundvoraussetzungen dafür, dass vernetzte Fahrzeuge in Zukunft den Durchbruch schaffen.

Es bleibt die Frage, wer die Führung bei der Fahrzeugvernetzung übernehmen wird. Die Netz-anbieter oder die Automobilindustrie? Der Verbraucher wünscht sich einfach überzeugende Lösungen und braucht sichtbare Vorteile, um für Services dieser Art Geld auszugeben. Sicherheitsaspekte werden als besonders wichtig betrachtet. Aber wenn sich vernetzte Fahrzeuge wirklich zum marktüblichen Standard entwickeln und die Vernetzung als echter Vorteil betrachtet werden soll, müssen Automobilindustrie und Netzanbieter zeigen, wie diese Technik unser Fahrerlebnis verbessert.

Die Automobilindustrie weiß, dass Konnektivität ein Mehrwert sein kann. Gemeinsam mit den Telekommunikationsunternehmen muss sie aber einen zuverlässigen Service sicherstellen, der Vorteile für den Verbraucher bringt. Partnerschaften beider Branchen werden die Entwicklung von vernetzten Fahrzeugen voranbringen. So erhalten die Kunden einen Service, der sowohl ihr Fahrerlebnis verbessert als auch für eine sichere, kostengünstige und effiziente Fahrt von A nach B sorgt.

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