Das dunkle Zeitalter der Finanzdaten

Aus den Augen, aus dem Sinn

Sogenannte „Dark Data“ rauben Finanzdienstleistern nicht nur wertvollen Speicherplatz, sondern können ihnen auch sehr gefährlich werden.

Frau bedeckt ihre Augen

Nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“ werden Dark Data bei bei Finanzdienstleistern weder richtig verwaltet und gepflegt noch geschützt.

Die Finanzindustrie ist wahrscheinlich eine der dynamischsten Branchen der Welt. Globale wirtschaftliche und politische Entwicklungen und anspruchsvollere Anforderungen an die User Experience von den Kunden stellen Banken und Finanzdienstleister immer häufiger auf die Probe. Zugleich treten neue und eigentlich branchenfremde Akteure auf den Plan wie zuletzt der Facebook-Konzern, der in Kürze eine eigene Kryptowährung und ein eigenes Bezahlsystem bekanntgeben will. Neben den äußeren Einflüssen müssen Finanzdienstleister noch eine ganz andere Währung verwalten – ihre Daten. Sie gelten längst als das wichtigste Gut in Unternehmen. Doch so wichtig sie in einem Moment sind, so schnell verlieren sie an Wert.

Der Blick zurück auf die Entwicklung der Finanzdienstleister spricht Bände: Es war ein langer Weg von persönlichen Kundeninformationen auf Papierdokumenten über Bonitätsbewertungen, die Nachverfolgung von Geldeinsätzen bis hin zu Telematikdaten. Doch diese Entwicklung ist Teil des Problems: Neue Datentypen kommen hinzu, gleichzeitig bleiben die alten Informationen bestehen, obwohl sie längst an Bedeutung eingebüßt haben. In der Folge verschwinden sie vom Radar und werden zu sogenannten „Dark Data“. Als solche rauben sie nicht nur wertvollen Speicherplatz, sondern können sogar gefährlich werden.

Angst vor Compliance-Verstößen

Dass gerade Finanzdienstleister anfällig für das Wachstum dieser dunklen Daten sind, zeigt eine aktuelle Erhebung von Veritas: Diese hat ergeben, dass die Branche über riesige Rückstände veralteter Daten verfügt, die zu 20 Prozent aus alten Dokumentdateien bestehen. Mit der wachsenden Beliebtheit von Smart-Contracts- und Blockchain-Transaktionen, verlieren diese an Relevanz und Wert. Doch das stark regulierte Umfeld der Branche hat dafür gesorgt, dass die Verantwortlichen aus Angst vor Compliance-Verstößen wertlos gewordene Daten nur selten löschen.

Nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“ werden Dark Data weder richtig verwaltet und gepflegt noch geschützt. So bilden sie ein leichtes Angriffsziel für Hacker – ein großes Sicherheitsrisiko für Finanzdienstleister und deren Kunden. Zudem sind Verbraucher seit der Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vor allem in der Finanzindustrie bereit, gegen verantwortungslose Unternehmen vorzugehen. Dark Data sind für Finanzdienstleister also eine tickende Zeitbombe.

Um das Problem der Dark Data zu bekämpfen, müssen Unternehmen es an seiner Quelle stoppen. Letztlich sind sie die Folge einer zu laxen Datenmanagementstrategie. In der Vergangenheit wurden Mainframe-Systeme isoliert. Wenn eine neue Anwendung entwickelt werden sollte, geschah das in einer separaten Umgebung. So bildeten sich über die Jahre Silos und Daten sind inzwischen in vielen verschiedene Umgebungen, lokal und in der Cloud, verteilt.

Die Entstehung von Dark Data ist also keine Folge von Nachlässigkeit, sondern der wachsenden Komplexität stark fragmentierter IT-Umgebungen. Untersuchungen zeigen, dass Mitarbeiter regelmäßig mit einem Überangebot an Datenquellen und Tools sowie einer fehlenden Strategie zu kämpfen haben. Die Mehrheit der Unternehmen (75 Prozent) hält die Transparenz und Kontrolle von Daten für unbefriedigend, und noch mehr Befragte (84 Prozent) glauben, dass sie sich auf die Datensicherheit auswirken.

Daten in den Griff kriegen...

  • Erstellen einer Datenmanagementstrategie: Je isolierter und fragmentierter Daten werden, desto schwieriger ist es, sie zu finden, zu verwalten und zu schützen. Um Risiken zu verhindern, benötigen Finanzdienstleister Datenmanagementstrategien, die sowohl aktuelle als auch veraltete Daten berücksichtigen. Gleichzeitig müssen sie der Versuchung widerstehen, ausnahmslos alles zu speichern. Stattdessen sollten sie die Vorteile neuer Tools und Plattformen nutzen, die Daten in mehreren Umgebungen lokalisieren, automatisch klassifizieren, verwalten und gegebenenfalls löschen zu können.
  • Einführung und Durchsetzung von Richtlinien für das Datenmanagement: Neben einer zentralen Strategie helfen allgemeingültige Richtlinien, die auf allen Ebenen durchgesetzt werden. Jeder Mitarbeiter sollte wissen, welche Dateitypen es gibt und wo sie gespeichert werden sollten. Gleichzeitig ist es wichtig, Mitarbeitern innerhalb des vorgegebenen Rahmens einen gewissen Handlungsspielraum einzuräumen. Daten und Technologien ändern sich ständig, sodass auch die Richtlinien regelmäßig hinterfragt und angepasst werden müssen.

...mit der richtigen Technologie

Finanzdienstleister, die bereit sind, Tools für das Datenmanagement einzusetzen, werden von mehr Effizienz und Sicherheit profitieren. Eine einheitliche Datenmanagement-Plattform wie die neue Enterprise Data Services Platform von Veritas kann den Vorteil bieten, dass sie intelligente Funktionen für die Automatisierung miteinander verknüpft. Mitarbeiter finden so einfacher die Daten, die sie benötigen, und bekommen tiefe Einblicke, die ihnen schnellere und fundiertere Entscheidungen ermöglichen.

Nicht nur etablierte Akteure müssen den Anstieg dunkler Daten befürchten, auch junge Marktteilnehmer und innovative Anbieter, die technologisch auf dem neuesten Stand sind, fallen der Zeit und dem Wertverlust der Daten zum Opfer. Die Suche nach neuen Wegen zur Nutzung und Sicherung von Daten ist das Herzstück der digitalen Transformation. Es ist der Schlüssel für Unternehmen, neue Chancen und Mehrwert zu schaffen. Eine zentrale Strategie, allgemeingültige Richtlinien und Technologien, die Prozesse automatisieren, werden das Wachstum der Dark Data bei Finanzdienstleistern nicht nur eindämmen, sondern sie auch dabei unterstützen, den Wert ihrer Daten voll auszuschöpfen.

Bildquelle: iStock/Getty Images Plus

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