Revival der Stammdaten

Behindert mangelnde Datenqualität die Digitalisierung?

Mangelhafte Datenqualität kann die digitale ­Transformation von Unternehmen behindern. Ein konsistentes Stammdatenmanagement hilft, dies zu vermeiden.

Revival der Stammdaten: Behindert mangelnde Datenqualität die digitale Transformation?

Alle Welt spricht von der Digitalisierung. Gefragt nach den aktuellen Herausforderungen für ihre Unternehmen steht laut der 2016 von Bitkom Research vorgelegten Studie „Digitale Transformation der Wirtschaft“ nach der Fachkräftesicherung und noch vor internen Herausforderungen wie Wachstum oder Restrukturierung die „Digitalisierung unseres Unternehmens“ an zweiter Stelle. 64 Prozent der befragten Verantwortlichen sagen, dass sich als Folge der Digitalisierung ihr Geschäftsmodell verändere. 57 Prozent passen als Folge der Digitalisierung bereits bestehende Produkte und Dienstleistungen an.

„Zentraler Rohstoff dieses digitalen Wandels sind Daten”, heißt es in der „Digitalen Strategie 2025“ der Bundesregierung. „Der Umgang mit ihnen ist entscheidender Erfolgsfaktor modernen Wirtschaftens. (…) Die Schlüsselkompetenzen erfolgreicher Unternehmen werden auf lange Sicht in der Erfassung, Verarbeitung, Verknüpfung und dem Schutz von Daten liegen – und in der Ableitung konkreter Maßnahmen und Methoden.“

Datengetriebene Unternehmen stehen mehr und mehr vor der Aufgabe, den Produktionsfaktor „Daten“ aktiv zu pflegen und weiterzuentwickeln; vor allem brauchen sie verlässliche Stammdaten. Stammdaten sind eine wichtige übergreifende Komponente, die in operativen Prozessen und Unternehmensentscheidungen ebenso beteiligt ist wie bei Datenauswertungen und -analysen oder Produkten und Dienstleistungen.

Ein institutionalisiertes Stammdaten- und Datenqualitätsmanagement sind daher wesentliche Voraussetzungen für ein effizientes Datenmanagement und eine wertorientierte Nutzung von Daten. „Dem Datenmanagement und insbesondere seiner Disziplin des Stammdatenmanagement kommt somit heute eine Schlüsselposition zu“, hieß es in einer Barc-Studie bereits Anfang 2016. Die Frage ist, wie gut Unternehmen inzwischen auf die Herausforderungen der digitalen Transformation vorbereitet sind und inwiefern sie die Schlüsselposition Stammdatenmanagement im Griff haben. Helfen können ihnen dabei Software-Systeme z.B. von der auf Stammdaten- und Beteiligungsmanagement spezialisierten Zetvisions AG in Heidelberg.

Mangelnde Datenqualität


In der Studie „Revival der Stammdaten – Behindert mangelnde Datenqualität die digitale Transforma­tion?“ kam das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Lünendonk im Dezember 2016 zu dem Ergebnis, zahlreiche Unternehmen in Deutschland seien aktuell für die Herausforderungen der digitalen Transformation nicht ausreichend gerüstet. Nur etwa jedes siebte (15 Prozent) der 155 befragten deutschen Unternehmen aus Fertigung, Handel und anderen Branchen sieht sich bei dem dafür wichtigen Fundament Stammdatenmanagement gut aufgestellt. 85 Prozent stufen sich hier als „mittelmäßig“ oder gar als „schlecht“ ein.

Dies fügt sich nahtlos ein in die zahlreichen Studien, die seit einigen Jahren schon auf die mangelnde Datenqualität und das unzureichende Stammdatenmanagement in vielen Firmen hinweisen. Dabei sind die Ursachen für schlechte Datenqualität vielfältig, in der Regel aber überall dieselben: fehlende Einbettung des Stammdatenmanagements in die Unternehmensstrategie, unzureichende technologische Unterstützung (fehlende Automatisierungslösungen, zentrale Master-­Data-Management-Plattformen, Single Point of Truth etc.) sowie keine klar definierten Prozesse und Verantwortlichkeiten für die Dateneingabe, -freigabe und -pflege (Data Governance).

Zwar hat sich die Datenqualität in den letzten fünf Jahren deutlich verbessert, zufrieden sind die Unternehmen aller Größenklassen aber nicht. 40 Prozent sagen, ihre Datenqualität sei aktuell sehr gut (16 Prozent) oder gut (24 Prozent). Aber immerhin 60 Prozent betonen hier nur Mittelmaß. Mittelmaß ist zwar nicht schlecht. Aber Mittelmaß reicht nicht, um den Herausforderungen der digitalen Transformation gewachsen zu sein. „Im Hinblick auf den Erfolg der gesamten digitalen Transformation mit Industrie 4.0, Logistik 4.0, Internet of Things und anderen digitalen Geschäftsmodellen fehlt damit ein wichtiges Fundament. Denn Digitalisierungsprojekte ohne eine hohe Datenqualität sind zum Scheitern verurteilt“, so folgerichtig Lünendonk. Bemerkenswert ist beispielsweise, dass von den Befragten 85 Prozent keine Vorstellung davon haben, wie viele Dubletten in den einzelnen Datendomänen ihres Unternehmens vorliegen.

Datenqualität als Schlüssel zum Erfolg


Eine hohe Stammdatenqualität bietet nicht nur Effizienzgewinne – im Durchschnitt können durch optimal gepflegte Stammdaten fünf Prozent der Arbeitszeit eingespart werden –, weit schwerer wiegen die Effektivitätszuwächse, die durch bessere Stammdaten möglich sind: „So sind digitale Geschäftsmodelle nur möglich, wenn die Unternehmen ihre Stammdaten im Griff haben, oder andersherum betrachtet: Unternehmen, die ihre Stammdaten noch nicht im Griff haben, brauchen mit digitalen Geschäftsmodellen nicht erst zu beginnen“, heißt es in der Studie. Der Einfluss der Stammdatenqualität auf den Digitalisierungserfolg wird immer entscheidender. Dass dies in sehr hohem Maße zutrifft, sagen heute 60 Prozent der befragten Manager, in bereits zwei Jahren erwarten dies 84 Prozent. Eine gute Qualität der Daten, insbesondere der Stammdaten, wirkt sich zudem in vielerlei Hinsicht positiv auf die Unternehmenssteuerung aus (siehe Kasten).

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 07-08/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Die Lünendonk-Studie macht einmal mehr deutlich, welchen Nutzen gute Stammdatenqualität stiftet – und welchen Schaden schlechte anrichtet. Die Studie bestätigt: Firmen haben bei der „Schlüsselposition Stammdatenmanagement“ noch einiges zu tun, wollen sie den Herausforderungen der digitalen Transformation gewachsen sein und den größtmöglichen Nutzen aus immer mehr Daten und deren Analyse ziehen. Es ist höchste Zeit, etwas zu tun. Stammdaten mögen nicht besonders „sexy“ sein, um ein professionelles Stammdatenmanagement kommen die Unternehmen gleichwohl keinesfalls herum. Sie müssen zunächst eine wirksame Data Governance zur Regelung von Aufgaben, Rollen, Zugriffsrechten und Zuständigkeiten rund um Informationsprozesse definieren. Erst dann kann eine IT-Unterstützung durch eine professionelle Standardlösung für das Stammdatenmanagement erfolgen. Es ist fünf vor Zwölf. Wer in der digitalen Transformation bestehen will, muss sein Stammdatenmanagement in den Griff kriegen.


Stammdatenqualität unterstützt Unternehmenssteuerung

82 Prozent der Unternehmen stimmen der Aussage zu, sie könnten auf Grundlage ihrer Stammdaten schnelle Analysen durchführen und Entscheidungen treffen.
Für 77 Prozent trifft zu, dass sich durch die Optimierung des Stammdatenmanagements die Durchlaufzeiten in der Produktion und in der Supply Chain stark verkürzt haben (Bestellzeiten, Rüst- und Bearbeitungszeiten in den Produktionsvorschriften, Liege-/Reifezeiten).

Dass besseres Stammdatenmanagement und daraus resultierende angepasste Wiederbeschaffungszeiten, optimierte Losgrößen und Mindestbestellmengen sowie Lieferantenoptimierungen das gebundene Kapital reduzieren, unterstützen 71 Prozent aller Befragten.

Ebenso bestätigen rund drei Viertel von ihnen (73 Prozent), durch eine fehlende Transparenz der Lieferantenbeziehungen entgingen dem Unternehmen Bündelungseffekte bei der Beauftragung.

Quelle: Lünendonk


Bildquelle: Thinkstock/iStock

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