Nachhaltige Digitale Transformation

„Beratung auf Augenhöhe“

Im August 2019 hat Frédéric Munch die Leitung von Sopra Steria Next übernommen. Im Gespräch mit IT-DIRECTOR erläutert der Manager und frühere PAC-Analyst, wie IT- und Strategieberatung in Zeiten der Digitalen Transformation funktioniert.

Frédéric Munch hat die Leitung von Sopra Steria Next übernommen.

„Neben Innovation geht es den Kunden wieder mehr um Effizienz – auch der wirtschaftlich angespannten Situation geschuldet“, so Frédéric Munch von Sopra Steria Next.

ITD: Herr Munch, in welchen Bereichen bzw. bei welchen Themen haben Großunternehmen bzw. Konzerne derzeit den größten Beratungsbedarf?
Frédéric Munch:
Wie immer haben Unternehmen sehr individuelle Themen, die ihre eigenen Geschäftsmodelle und Entwicklungsmöglichkeiten betreffen. Dabei geht der Blick nach vorne: Den meisten unserer Kunden geht es um die langfristige und nachhaltige Digitale Transformation. Das berührt das gesamte Unternehmen quer durch alle Prozesse, die Nutzung und progressive Einführung moderner Technologien, das Change Management und damit verbunden Talent- sowie HR-Strategien, kreatives Führen... Es ist alles dabei.

Die meisten Kunden starten diese Veränderungen von einer zentralen Fragestellung aus: Wie kann ich mein Unternehmen befähigen, unseren Kunden echte Mehrwerte schneller zu liefern? Die Antworten wirken sich auf die zentrale Strategie ebenso aus, wie auf die Anpassung des Kerngeschäfts und die Befähigung der Organisation und ziehen weitere Fragen nach sich: Wie kann ich die Unternehmensstrategie adaptiv anpassen, so dass ich immer einen Schritt vor dem Mitbewerber bin und besser den Bedarf meiner Kunden treffe? Welche Organisations- und Technologieveränderungen sind dafür notwendig? Wie nehme ich meine Mitarbeiter auf diesen Weg mit?

Neben Innovation geht es den Kunden wieder mehr um Effizienz – auch der wirtschaftlich angespannten Situation geschuldet. Wir fassen Effizienzprojekte unter „Digital Process Management“ zusammen, das von Prozess-Engineering, Prozess-Mining bis hin zu RPA reicht. Mit digitalen Technologien können wir dabei zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sie machen Unternehmen nicht nur effizienter, sondern erhöhen auch die Qualität der Angebote, etwa über Robotic Process Automation (RPA) im Service. Es geht also immer um beides: um Effizienz und Kostensenkungen, aber auch um eine bessere Nutzung von Ressourcen und Chancen.

ITD: Worauf sollten Unternehmen bei der Auswahl ihres IT- und Strategieberaters besonders achten?
Munch:
Sie müssen sich Partner suchen, die über ausreichende Branchenerfahrung verfügen, denn es ist über ein allgemeines technisches Verständnis hinaus wichtig, dass der Berater die spezifischen Herausforderungen und die Geschäftsmodelle einer Branche versteht und ihre individuelle Kultur kennt. Bei der Auswahl geht es außerdem nicht nur darum, Berater für das nächste Projekt zu finden, sondern Menschen mit Know-how und Empathie für einen meistens langfristigen Transformationsprozess. Dafür benötigen Partner natürlich auch fachliche Expertise über zeitgemäße Methoden und moderne Technologien. Und schließlich hilft es, wenn ein Beratungsunternehmen diese Vielseitigkeit nicht nur behauptet, sondern nachvollziehbar vorlebt.

ITD: Wie gestaltet sich der Beginn einer erfolgreichen IT- und Strategieberatung? Was sind die ersten Schritte, wenn sich Anwender und Berater „gefunden“ haben?
Munch:
Am Anfang steht schon immer die Verständigung über ein gemeinsames Ziel: Haben alle an einem Projekt beteiligten Stakeholder dieses Ziel und die dahinterliegende Vision verstanden? Und welche klar messbaren Erfolgskriterien können das belegen? Die Antworten auf diese grundlegenden Fragen bilden die Basis jeder erfolgreichen Zusammenarbeit.

ITD: Wie viele und vor allem welche Personen sollten sinnvollerweise in die Beratung involviert sein?
Munch:
Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort, weil das sehr von der Fragestellung des Projekts und dem Umfeld abhängt. Wichtig ist, Personen zu involvieren, die täglich mit der Aufgabe oder dem Problem zu tun haben – vollkommen unabhängig von der Hierarchie. Nur so können Berater und Unternehmen gemeinsam etwas entwickeln, das auch eine hohe Praxisrelevanz und damit Akzeptanz beim Kunden hat.

ITD: Welche innovativen Techniken und Tools kommen bei Beratungen oftmals zum Einsatz?
Munch:
Die Professional-Services-Branche lebt ihren Kunden den Einsatz moderner Technologien und Methoden vor. Dazu gehört erstens die asset-basierte Beratung, über die sich viele Beratungsaktivitäten automatisieren lassen. Das verändert letztlich auch bei uns Umsatz- und Liefermodelle. Über Assets können Beratungsunternehmen mehr Self-Service-Pakete anbieten, die auf die Kultur, Branche und spezifischen Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten sind. Diesen Einsatz ergänzen wir gezielt mit kleineren interdisziplinären Projektteams um höhere Seniorität und Spezialisierung.

Die Zusammenarbeit mit dem Kunden wird zweitens agiler und kollaborativer. Datenbasierte Assets sowie Tools und Methoden unterstützen auch kleinere und iterative Projekte. So kommen wir klar weg von langen Konzeptionsphasen und hin zu schnellen, risikominimierenden Ansätzen. Die Digitale Transformation verspricht schnelle Roll-outs und Learning-by-doing-Ansätze, die meist in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden entstehen. Ein Baustein sind schnelle Minimum Viable Products, MVPs, die kurzfristig am Markt und am Kunden erprobt werden können.

Drittens schließlich setzt die Branche auf erweiterte Kompetenzen und Technologieintegration. Alle Beratungsunternehmen rüsten sich mit neuen Methoden und Formaten, die den Unternehmen helfen, neue Geschäftsströme und Kundenerfahrungen zu schaffen: Innovationsmethoden, Design Thinking, Change Management, Reboot Camps, Data Science: Das sind ein paar Schlagwörter, die einen Teil der erforderlichen Fähigkeiten von Beratern abbilden. Senior Consultants müssen in mehreren Bereichen gleichzeitig fachlich qualifiziert sein, da Kunden die Digitale Transformation nicht isoliert betrachten können. Dazu werden Strategie und Umsetzung verschmelzen; reine Strategieprojekte mit statischen Ergebnissen wird es nicht mehr viele geben.

Eine interessante Beobachtung möchte ich noch beisteuern: All diese Themen und Ansätze sind nicht wirklich neu, sondern zum Teil schon seit den 90er-Jahren in der Diskussion. Aber dank neuer Technologien können wir diese Ansätze heute konsequent verfolgen und schneller umsetzen. Das ist die eigentliche Revolution in der Beratung – wie übrigens in allen anderen Branchen auch, die von modernen Technologien profitieren.

ITD: Was sind häufige Herausforderungen bzw. Stolpersteine in den Beratungsphasen?
Munch:
Schlagwörter wie „Objectives and Key Results (OKR)“ oder „Design Thinking“, um nur zwei zu nennen, werden momentan geradezu inflationär verwendet, allerdings nur selten richtig, weil die echte Expertise dafür meist fehlt. Eine gute Beratung zu finden, die solche Schlagwörter nicht nur verwendet, sondern mit echtem Leben füllt, weil sie davon auch etwas versteht, ist die große Kunst.

Ein großer Stolperstein ist auch das Fehlen eines klaren Ziels. Ich habe das bereits als wichtigen ersten Schritt bezeichnet, sich darüber zu verständigen. Berater, die dieses Ziel anschließend nicht oder nur unzureichend verfolgen und nach Meilensteinen bewerten, können Projekte zu Fall bringen.

Eine der größten Herausforderungen in Projekten ist es schließlich, die Veränderungen zu managen. Ein gutes Change Management nimmt die Menschen mit, die neue Technologien und Methoden später gewinnbringend einsetzen sollen. Fällt das weg, scheitern viele Projekte.

ITD: Wie werden die IT- und Strategieberatungskosten in der Regel abgerechnet? Per Stundensatz, Beratungspaket...?
Munch:
Die Zusammenarbeit mit Beratungsunternehmen ist in der Regel arbeitszeitbasiert und wird entweder über aufwandsbezogene Tagessätze oder über definierte Beratungspakete zu Festpreisen vergütet. Projekte in einem sehr agilen Umfeld lassen sich aber am besten über Time and Materials (T&M) umsetzen, also dem tatsächlichen Aufwand. Wir sehen, dass die Zahl transaktionsbasierter Modelle und Projekte stark wächst. Sie bieten einen Mix aus Abonnement- und Tagessätzen. Dagegen scheitern so genannte „Risk & Reward“-Modelle, bei denen sich Berater und Kunden sowohl das Risiko als auch die Erträge teilen, oft bei den Ankaufsabteilungen.

ITD: Was heißt für Sie letztlich „Beratung auf Augenhöhe“?
Munch:
Auch wenn wir spezielle Methoden, große Projekterfahrungen und ein tiefes Verständnis für moderne Technologien in die Projektarbeit für unsere Kunden einbringen, kommen wir nicht mit vorgefertigten Lösungen. Wir bauen auf Vertrauen und Verlässlichkeit, um mit unseren Kunden gemeinsam individuell passende Lösungen zu erarbeiten. Das bedeutet, auf Augenhöhe zu beraten.

Vertrauen erreichen wir über die Glaubwürdigkeit unserer Expertise. Es ist enorm wichtig für eine Zusammenarbeit, denn wir beeinflussen mit unseren Vorschlägen und Lösungen die Zukunft unserer Kundenunternehmen. Verlässlichkeit dokumentieren wir über unsere Erfahrung und unsere Aktivitäten vor Ort. Unser Kapital ist nicht das eines allwissenden Experten. Wir haben andere Fähigkeiten, können zuhören, Fragen stellen, die Geschichte und den besonderen Kontext unseres Kunden verstehen und bei unseren Vorschlägen respektieren. Gleichzeitig vertreten wir eine starke Meinung und sind damit ein wertvoller Sparrings-Partner für unsere Kunden.

Bildquelle: Sopra Steria Next

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