Deutscher Rechenzentrumstag 2013

Bessere Energieeffizienz im RZ dank „Blauer Engel“

Mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ sollen sich Energieeffizienz und ­Nachhaltigkeit von Rechenzentren (RZ) deutlich verbessern lassen. Dieses und andere ­Themen standen im Mittelpunkt des 1. Deutschen Rechenzentrumstags im Oktober 2013 in Köln.

RZ, Bildquelle: Thinkstock/Wavebreak Media

Das Rechenzentrum wird blau.

Der Veranstalter ProRZ Rechenzentrumsbau GmbH bot den Teilnehmern eine bunte Mischung aus theoretischen Hintergrundinformationen sowie praktischen Anwenderbeispielen. So berichtete beispielsweise Walfried Rühl, Leiter der regionalen Rechenzentren und Infrastruktur bei der Rewe Informationssysteme GmbH, über ein aktuelles Rechenzentrumsprojekt. Das Unternehmen mit Sitz in Köln betreut hierzulande mit 850 IT-Mitarbeitern 30 regionale RZ-Standorte des Handelsriesen. Hier galt es, die in die Jahre gekommene, mitunter recht heterogene IT-Infrastruktur zu modernisieren. Dabei entschied man sich zur Etablierung von identischen Serverräumen an allen Lokationen, die hinsichtlich der Sicherheit jeweils dem BSI-Grundschutz entsprechen und in der Regel eine Fläche von 70 Quadratmetern umfassen.

Ein weiteres Projekt beschrieb Thomas Sting, Geschäftsführer der RZ-Products GmbH: Erst kürzlich errichtete der TÜV Nord am Standort Hannover ein neues Data Center, das aktuellen Erkenntnissen der Rechenzentrumsplanung und des RZ-Betriebs entspricht. Dabei hielt man sich im Rahmen des Budgets von rund sieben Millionen Euro bei der Erstellung u.a. an den Bitkom-Leitfaden für ein energieeffizientes, sicheres Rechenzentrum. Zudem mussten die Vorgaben des Landes Niedersachsen berücksichtigt werden. Denn laut Sting können die Vorschriften für Data Center je nach Bundesland deutlich variieren. Als ein Flaggschiff des neuen Standorts gelten zudem die auf dem Dach installierten Photovoltaiksysteme, die einen Großteil der Energieversorgung übernehmen. Nicht zuletzt konnten die Teilnehmer zum Abschluss der Veranstaltung vor Ort in Köln das Rechenzentrum der Klosterfrau Healthcare-Group besichtigen. Der unmittelbare Einblick in das RZ-Praxisgeschehen stand dabei unter dem Motto „Zurück in die Zukunft: Von der Kräuterhalle zum Hightech-Rechenzentrum.“

Schutz vor Prism, Tempora & Co.

Neben der Praxis kam auch die Theorie an diesem Tag nicht zu kurz. Das eingangs erwähnte Umweltzeichen „Blauer Engel“ wurde in einem Vortrag von Marina Köhn von der Beratungsstelle für nachhaltige Informations- und Kommunikationstechnik des Umweltbundesamtes näher vorgestellt. Dabei handelt es sich um das seit 1978 etablierte und damit eigenen Angaben zufolge „älteste skandalfreie“ Umweltzeichen. Die Prüfkriterien dafür legt das Bundesumweltamt gemeinsam mit Partnern fest. Diese stammen u.a. aus der Wirtschaft, der Wissenschaft oder verschiedenen Umwelt- und Verbraucherverbänden. Seit zwei Jahren gibt es den Blauen Engel für einen „Energiebewussten Rechenzentrumsbetrieb“, wobei die Prüfkriterien seitdem kontinuierlich weiterent­wickelt wurden. So wird etwa der PUE-Wert (Power ­Usage Effectiveness) berücksichtigt – allerdings nur zu einem gewissen Grad, da dieser allein laut Köhn keine umfängliche Aussage über den Wirkungsgrad eines Rechenzentrums zulässt. Von daher greift das Umweltzeichen weitere Kriterien auf, etwa den EU Code of Conduct for Data Centre Efficiency, eine aktuelle Konzeptstudie der TU Berlin zur Energie- und Ressourceneffizienz im RZ-Betrieb, den bereits erwähnten Bitkom-Leitfaden oder Vorgaben der Green-Grid-Initiative. Das Ziel ist ein integraler Ansatz: das Zusammenspiel aller Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz von IT-Komponenten, Klimatisierung sowie RZ-Infrastruktur. Das Siegel können alle RZ-Betreiber und -Dienstleister beantragen. Aktuell haben bereits erste Anwender wie das IT-Dienstleistungszentrum Berlin (ITDZ Berlin) oder RWE das Siegel erhalten. Um das Umweltzeichen auch in Zukunft vorweisen zu können, müssen diese einen jährlichen Effizienzbericht erstellen, der sieben festgelegte Messpunkte berücksichtigt.

In einem weiteren Vortrag beleuchtete Johannes Landvogt, Referatsleiter beim Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, die IT-Sicherheit in Zeiten von Prism und Co. Dabei umriss er die aktuelle Gefahrenlage, der sich leider kein Unternehmen hierzulande entziehen kann. Denn bisher sei es laut Landvogt recht unklar, welche bzw. wie viele Daten von inländischen Telefon- und Internetverbindungen tatsächlich über das Ausland und damit unter ständiger Beobachtung laufen. Um künftig Schutz vor Spähaktionen garantieren zu können, sieht Landvogt zum einen die Gesetzgeber auf nationaler wie internationaler Ebene (z.B. Grundgesetz, EU, Völkerrecht) gefordert. Zum anderen können Unternehmen ihre Sicherheitsvorkehrungen verbessern. Als Beispiel führte er die Nutzung von AES- und RSA-Verschlüsselung, die Anonymisierung von Verbindungsdaten oder die Verwendung von „Cold Potato Routing“ an. Zur Erläuterung: Beim sogenannten „Hot Potato Routing“ geht es darum, dass jeder Internetknoten versucht, eingehende Pakete so schnell wie möglich weiterzuleiten (d.h., ein Datenpaket wie eine heiße Kartoffel zu ­behandeln). Demgegenüber werden beim Cold-Potato-Verfahren die Daten möglichst lange etwa in der ­eigenen technischen Infrastruktur gehalten und erst am Endpunkt an einen Anschlussnetzbetreiber über­geben.

Bildquelle: Thinkstock/Wavebreak Media

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok