Green IT: Interview mit Bernd Hanstein, Rittal

Bewusstsein für umweltfreundlich erzeugte Energie wächst

Worauf es bei der Umstellung von Rechenzentren auf erneuerbare Energien ankommt und wo das größte Einsparpotential verborgen liegt erklärt Bernd Hanstein, Hauptabteilungsleiter Produktmanagement IT bei Rittal, im Interview

Bernd Hanstein, Hauptabteilungsleiter Produktmanagement IT bei Rittal

IT-DIRECTOR: Herr Hanstein, „Green IT“ ist auf dem Vormarsch, auch und vor allem in Rechenzentren. In welchen Bereichen der Rechenzentren lässt sich generell am meisten Energie einsparen und welche Bereiche sind im Gegensatz dazu nur in geringem Maße von Einsparungen betroffen?
B. Hanstein:
Die geringsten Einspareffekte lassen sich bei der Stromverteilung erzielen. Spürbare Einsparungen sind am leichtesten und schnellsten zu erzielen, wenn zunächst die Klimatisierung genau betrachtet wird und daraus Sofortmaßnahmen resultieren. Quellen beispielsweise Racks vor lauter Servern und Kabel über, sind auch die Luftströme behindert und der Energieaufwand für die Klimatisierung ist wesentlich höher - dementsprechend auch die Betriebskosten. Hier hilft zunächst das große Aufräumen, und wenn das geschehen ist, kann weiter über die Modernisierung der IT-Infrastruktur nachgedacht werden. Eine saubere Trennung von warmer und kalter Luft - wie etwa durch eine sorgfältige Einhausung - führt ebenfalls deutliche Einsparungen herbei.

IT-DIRECTOR: Um wie viel Prozent lässt sich tendenziell Energie in einem optimierten Rechenzentrum einsparen?
B. Hanstein:
In einem bereits optimierten Rechenzentrum lässt sich durch intelligente Regelung der Klimatisierung und Auslastung der Rechner noch circa zehn Prozent Energieeinsparung erzielen.

IT-DIRECTOR: Wie sollten Unternehmen vorgehen, wenn ein neues, energieeffizientes Rechenzentrum gebaut wird? Welches sind die wichtigsten Schritte bei einem geplanten Umbau?
B. Hanstein:
Grundsätzlich muss die Modernisierung bzw. der Neubau eines Rechenzentrums genau geplant sein, denn es gehen sowohl immense Investitionen als auch Eingriffe in die gewohnten Geschäftsprozesse damit einher. Es beginnt bei einer genauen Betrachtung des Ist-Zustandes des bestehenden Rechenzentrums. Oftmals finden wir wie bereits erwähnt Schrankreihen vor, die vor Servern und Kabeln überquellen. Daher kontrollieren unsere Mitarbeiter das Rechenzentrum mit einer Wärmebildkamera und begutachten die vorhandenen Klimatisierungslösungen im Detail. Daraus leiten sie Ad-hoc-Maßnahmen ab, mit denen man eine bestehende Infrastruktur schnell energieeffizienter gestalten kann. Im nächsten Schritte erarbeiten sie gemeinsam mit dem Kunden Vorschläge, wie die Modernisierung des gesamten Rechenzentrums Schritt für Schritt durchgeführt werden kann.  

IT-DIRECTOR: Mit welchen Kosten sind Umbauarbeiten verbunden?
B. Hanstein:
Es ist schwierig, hierzu eine generelle Aussage zu machen. Was sich ein Unternehmen den Umbau kosten lassen kann und will, hängt immer von den momentanen Gegebenheiten ab - was ist an IT-Infrastruktur vorhanden, was kann übernommen werden, was muss neu angeschafft werden, welchen Sicherheitslevel will man erreichen und welche finanziellen Ressourcen sind vorhanden? Beim Umbau eines Rechenzentrum fallen für Beratung, Produkte, Installation und Service Kosten an. Damit diese nicht unkontrolliert in die Höhe schnellen, ist Augenmaß gefragt: Entscheidend sind die tatsächlichen Anforderungen an physische Sicherheit, Verfügbarkeit und Energieeffizienz, um unnötige Investitionen zu vermeiden. Salopp formuliert: So sicher, verfügbar und effizient wie nötig, so günstig wie möglich. Wer auf Zukunftssicherheit setzt, ist mit einer skalierbaren, flexiblen Lösung am besten bedient.

IT-DIRECTOR: Inwieweit nutzen Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland bereits erneuerbare Energie für den Betrieb ihres Data Center?
B. Hanstein:
Das Bewusstsein für umweltfreundlich erzeugte Energie wächst. Regelmäßig veröffentlicht etwa die Umweltorganisation Greenpeace, welche großen Rechenzentrumsbetreiber auf erneuerbare Energien setzen. Auch in Deutschland haben etliche Unternehmen die Energieversorgung bereits auf erneuerbare Energien umgestellt, beispielsweise betreibt T-Systems seine Rechenzentren mit Ökostrom.

IT-DIRECTOR: Welche Zertifizierungen garantieren dem Endanwender, dass die genutzten RZ-Services aus einem energieeffizienten Rechenzentrum stammen?
B. Hanstein:
Wir empfehlen Zertifizierungen, die das ganze System betrachten. Dazu zählen neben der Energieeffizienz auch physische Sicherheit, Service, Wartung und dergleichen mehr.  

IT-DIRECTOR: Was sind die wichtigsten Maßnahmen, die für Energieeffizienz in einem Rechenzentrum sorgen?
B. Hanstein:
Es läuft immer wieder auf die Klimatisierung hinaus. Ist sie optimiert, spart das schon eine Menge Strom, der sonst für die Erzeugung von Kompressionskälte anfallen würde. Und wer hier Strom spart, schont neben der Umwelt auch das eigene Budget. In Deutschland und ganz besonders in den nordeuropäischen Ländern ist beispielsweise während eines Großteil des Jahres Freikühlung möglich, indem die kühle Außenluft für die Klimatisierung der Server genutzt wird.

IT-DIRECTOR: Wie lässt sich die Hochverfügbarkeit eines Rechenzentrums gewährleisten? Wie garantieren Sie dabei, dass die Absicherung der IT nicht zu Lasten der Energieeffizienz geht?
B. Hanstein:
Ein hochverfügbares Rechenzentrum zeichnet sich durch die physische Sicherheit aus. Denn die Bandbreite von Gefährdungen für ein Rechenzentrum ist groß: Sie reicht von Feuer über Wassereinbruch und Ausfall der Kühlung über unbefugten Zutritt bis hin zur Kontamination durch Löschschäume oder Staub und Rauch. Je nach geografischem Standort besteht möglicherweise auch ein erhöhtes Risiko für Erdbeben, Überflutung oder Steinschlag. Es gilt, das Rechenzentrum als Gesamtsystem zu betrachten, in dem nie eine Komponente alleine betrachtet werden darf. Ein durchdachtes Rechenzentrum erfüllt drei Wünsche auf einmal: Hochverfügbarkeit, Sicherheit und Energieeffizienz. Es liegt am Betreiber, hier eigene Schwerpunkte zu setzen.

IT-DIRECTOR: Wie passen fluktuierende Energieströme zu Rechenzentren, die rund um die Uhr laufen?
B. Hanstein:
Das lässt sich am besten am Beispiel eines mittelständischen Unternehmens erklären. Tagsüber, wenn die Büros besetzt sind und die EDV auch Hochtouren läuft, ist der Rechenbedarf höher - die Server laufen auch Hochtouren. In der Nacht sind der Rechen- und damit auch der Energiebedarf niedriger. Bei fluktuierenden Energieströmen ist in Bezug auf Rechenzentrum die zentrale Frage, wo eine digitale Dienstleistung am besten aufgehoben ist. Direkt vor Ort? Oder sind an einem anderen Standort die Rahmenbedingungen günstiger? Kostet die Kilowattstunde Strom dort vielleicht etwas weniger oder helfen niedrigere Temperaturen bei der Kühlung? Es lassen sich drei Bereiche definieren, die intelligentes Lastenmanagement ausmachen. Erstens: Wie lässt sich Speicherplatz in Endgeräten als billiger Backup-Speicher nutzen? Zweitens: Wie helfen Umgebungsbedingungen wie Wind oder die Außentemperatur bei der Klimatisierung im Rechenzentrum? Und drittens: Wie lässt sich aus all diesen Bedingungen vor Ort ein dynamischer Referenzpreis pro Rechenleistungseinheit ermitteln? Je nachdem, wie dieser Preis ausfällt, verschiebt intelligentes Lastenmanagement die Aufgaben innerhalb des Rechenzentrums und auch zwischen den Standorten verschiedener Rechenzentren. Zusammengefasst heißt das: die Steigerung der Energieeffizienz durch intelligentes Rechenlast- und Infrastrukturmanagement, vom Anbieter bis zum Anwender unter Einbeziehung fluktuierender Energieströme. Und zwar ohne Einbußen, schließlich muss sich der Anwender auf eine hochverfügbare Rechenleistung verlassen können, um adäquat arbeiten zu können. Spinnt man den Faden weiter, ergeben sich weitere Optionen für mehr Effizienz. Oft genügt in Deutschland und anderen europäischen Ländern die so genannte freie Kühlung, also die Nutzung der Außentemperatur, um das Rechenzentrum ausreichend zu klimatisieren. Je niedriger die Außentemperatur ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass freie Kühlung genügt und keine Kompressoren zugeschaltet werden müssen. Macht Einsparung von Energie und folglich von Betriebskosten des Rechenzentrums.

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