SAP Hana: Auswertung von Sensordaten

Big-Data-Analysen in der Produktion

Interview mit Jörg Latza aus dem Produktmanagement für die SAP-Hana-Plattform bei SAP, über den Einsatz von Big-Data-Analysesoftware in der Produktion

Jörg Latza, SAP Hana

Jörg Latza, Produktmanager für die SAP-Hana-Plattform bei SAP

IT-DIRECTOR: Herr Latza, in welchen Bereichen kann Big-Data-Analysesoftware im Produktionsumfeld von Großunternehmen sinnvoll eingesetzt werden?
J. Latza:
Big-Data-Analysesoftware kann überall dort sinnvoll eingesetzt werden, wo große Datenmengen anfallen und analysiert werden müssen, um z.B. Produktionsabläufe in Echtzeit zu überwachen und kritische Problemsituationen im Betriebsablauf vorherzusehen.

IT-DIRECTOR: Welche Daten spielen in der Produktion generell eine besonders wichtige Rolle, welche können eher vernachlässigt werden?
J. Latza:
Eigentlich spielen alle Daten in der Produktion eine wichtige Rolle. Es kommt darauf an, mit welchen Analysemodellen und -werkzeugen diese ausgewertet werden. Wichtig ist, dass Daten, die auf den ersten Blick eine scheinbar untergeordnete Rolle spielen, im Zusammenhang mit anderen Daten völlig neue Erkenntnisse aufzeigen können. Es kommt also nicht nur auf die Auswertung einzelner Daten an, sondern auf deren Verknüpfung mit weiteren Datenquellen.

IT-DIRECTOR: Können Sie uns ein Beispiel für den Big-Data-Einsatz beschreiben?
J. Latza:
Ein konkreter Anwendungsfall ist die Überwachung von Produktionsmaschinen durch Sensordaten. Dabei werden die Maschinen an allen kritischen Stellen mit Sensoren ausgestattet. Diese senden aktuelle Parameterdaten auf Sekundenbasis – z.B. Temperatur, Rotationsgeschwindigkeit, Vibrationsfrequenz, Luftfeuchtigkeit – an eine Analysesoftware. Diese kann in Echtzeit eine Vorhersage treffen, ob ein Maschinenausfall zu erwarten ist. Eine Wartung oder Reparatur kann dann bereits im Vorfeld geplant werden, bevor es zu einer Störung der Produktionskette kommt. Die Schlüssel von Big-Data-Analysen ist also nicht, einen aufgetretenen Ausfall zu erkennen und zu melden, sondern diesen mit einer berechneten Wahrscheinlichkeit vorherzusagen.

IT-DIRECTOR: Auf welche Art und Weise könnten Big-Data-Plattformen fehlende Transparenz im Produktionsgeschehen wettmachen?
J. Latza:
Big-Data-Plattformen sammeln und speichern kontinuierlich Daten aus den unterschiedlichsten Datenquellen entlang der gesamten Produktionskette. Sie verarbeiten die gesammelten Daten in Echtzeit über geeignete Analysemodelle und stellen die Ergebnisse in visualisierter Form bereit.

IT-DIRECTOR: Inwieweit würden sich die Aufgaben der Produktionsmitarbeiter durch den Einsatz von Big-Data-Technologien verändern?
J. Latza:
Produktionsmitarbeiter haben durch den Einsatz solcher Technologien einen permanenten Überblick über den Zustand der Produktionskette. Risikofaktoren wie zum Beispiel ungeplante Produktionsausfälle sind wesentlich minimiert. Auch Fehlalarme können fast ausgeschlossen werden. So kann sich der Mitarbeiter auf seine eigentlichen Wartungsaufgaben konzentrieren und erhält mehr zeitliche Flexibilität bei deren Durchführung. Durch die steigende Transparenz erhält der Produktionsmitarbeiter die Möglichkeit, die Produktionsabläufe besser zu analysieren und zu verbessern. Letztlich schaffen Big-Data-Technologien den Menschen mehr Freiräume für eigene Kreativität.

IT-DIRECTOR: Welche Hürden sehen Sie für eine flächendeckende Nutzung von Big-Data-Lösungen in der Produktion?
J. Latza:
Die größte Hürde sehen wir noch in dem fehlenden Wissen über Big Data in Großunternehmen. Insbesondere ist den meisten Unternehmen nicht klar, wo sie Big-Data-Lösungen sinnvoll einsetzen sollen: Wo sind die Key-Value-Szenarien im Unternehmen, was möchte ich erreichen oder verbessern, welche Daten benötige ich dazu, woher kommen die Daten, wie kann man diese verknüpfen und sinnvoll analysieren, und wie schütze ich diese Daten? Das sind alles Fragen, die in vielen Großunternehmen noch ungeklärt sind, und wo dann großangelegte Big-Data-Projekte nicht den gewünschten Nutzen bringen.

IT-DIRECTOR: Wie lassen sich sämtliche Datenquellen (Maschinen, Prozesse, Produkte) und Systeme (ERP, SCM, BI) am besten integrieren? Auf welche Standards sollten die IT-Verantwortlichen hier vor allem achten?
J. Latza:
Big-Data-Plattformen bieten üblicherweise standardisierte Schnittstellen, über die sie die Datenquellen mit ERP-Systemen integrieren. IT-Verantwortliche sollten dabei besonders darauf achten, wie die verschiedenen Datenformate in Echtzeit gesammelt, extrahiert, interpretiert und harmonisiert werden können, so dass sie mit ERP-Daten verknüpft werden. Wir besitzen mit Hana eine Big-Data-Plattform, die diese Fähigkeiten mitbringt und sich quasi automatisch mit SAP BI oder ERP-Systemen integriert.

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