Business Connect: IBM mit eigener In-Memory-Plattform

Big Data aus der Box

IBM will künftig auf eine eigene In-Memory-Plattform setzen, um die Datenanalyse in den Unternehmen in Schwung zu bringen.

Kiste, Bildquelle: Thinkstock/iStock

Für ihre Datenauswertungen sollen IBM-Anwender eine vorkonfigurierte Box erhalten.

Um Big Data dreht sich derzeit die IT-Welt. Unternehmen entdecken die Möglichkeiten, die sich ihnen bieten, wenn sie die vorhandenen Datenmassen analysieren. Eine Technologie, von der die Anbieter bei ­diesem Thema einen großen Schub erwarten, sind In-Memory-Datenbanken. Softwerker SAP hat mit seiner In-Memory-Appliance Hana bereits für viel Wirbel gesorgt. IBM zieht jetzt nach.

Auf der Konferenz „Business Connect“ in Mannheim hat Big-Data-Expertin Michelle Mollot ein System angekündigt, das es mit Hana aufnehmen soll. Mollot ist bei IBM als Vice President für das weltweite Marketing von Business-Analytics-Technologien zuständig. Ähnlich wie SAP stellt Big Blue ein Angebot aus aufeinander abgestimmter Soft- und Hardware zusammen, das Unternehmen für die Analyse ihrer Daten nutzen können.

Technische Basis ist das Datenbanksystem DB2 BLU Accelera­tion, das spaltenorientiert und mit In Memory Computing arbeitet. Zusammen mit der Analysesoftware Dynamic Cubes läuft das System auf dafür optimierter Hardware. Der Anwender erhält eine vorkonfigurierte Box für seine Datenauswertungen. „Wir liefern eine komplette Lösung für die High-Performance-In-Memory-Analyse“, sagt Mollot.

Mögliche Temposteigerungen

Um zu verdeutlichen, welche Vorteile die Lösung bringen könnte, nennt Mollot das Beispiel des schwedischen Kreditinstituts Svenska Handelsbanken. Dort ist das Datenbanksystem bereits im Einsatz. Laut Hersteller kann der Anwender dadurch einige Anfragen hundertmal schneller beantworten als vorher. Zu den Temposteigerungen, die durch die neue Lösung – also die Kombination aus In-Memory-Datenbank, Analysesoftware und Hardware – möglich werden, gibt es aber bisher noch keine Zahlen. An dem von Mollot angekündigten System wird momentan in den Labors gearbeitet. Daher ist auch noch unklar, wann die Hardwareplattform auf dem Markt verfügbar sein wird. „Die Lösung wird bald kommen“, sagt Mollot lediglich. Eine genauere Auskunft ist ihr nicht zu entlocken.

Das Paket aus Soft- und Hardware repräsentiert die Strategie, die Big Blue bei seinen Produkten grundsätzlich verfolgt. „Wir wollen Best-of-Breed-Technologien anbieten, die alleine arbeiten können“, erklärt Mollot. „Wir stellen daraus aber auch integrierte Lösungen zusammen.“ Nach Meinung der Big-Data-Expertin ist aber nicht nur die Technik entscheidend. Wenn ein Unternehmen möglichst viel Nutzen aus seinen Daten herausholen möchte, müsse es einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, so Mollot. „Man muss nicht nur die Daten und die Tools im Blick haben“, erklärt Mollot. „Es geht auch darum, die Geschäftsprozesse zu verändern und die Kultur um sie herum.“

Firmen sollten also die Voraussetzungen schaffen, damit die IT möglichst sinnvoll eingesetzt werden kann. „Es bringt nichts, wenn eine Person zwar Erkenntnisse dank einer Analysesoftware gewinnt, aber nicht berechtigt ist, Entscheidungen auf Basis dieses Wissens zu treffen“, meint Mollot. Zu dieser Kultur zählt auch die Bereitschaft, Wissen zu teilen. Allen Mitarbeitern sollten sämtliche Informationen zur Verfügung stehen, die sie benötigen, so Mollot. „Wenn wir über Datenanalyse sprechen, müssen wir auch über die Demokratisierung von Informationen reden“, sagt Mollot. In vielen Unternehmen sei dieser kulturelle Wandel noch nicht vollzogen worden.

Veränderung in der Firmenkultur

Im einem Social Business, wie es der Hersteller propagiert, ist eine solche Veränderung der Firmenkultur unabdingbar. Und es gibt zunehmend mehr Unternehmen, die eine entsprechende Strategie verfolgen. Zu diesen zählt zum Beispiel Continental. Dafür führte der Autozulieferer vor drei Jahren die Social-Software-Plattform Connections ein. „Wir haben zu Beginn gesagt, wenn 9.000 Leute mitmachen, dann hat sich der Aufwand gelohnt“, berichtet Harald Schirmer, der bei Conti für Veränderungsmanagement und Organisationsentwicklung zuständig ist. Mittlerweile sind ca. 50.000 Mitarbeiter in dem Netzwerk angemeldet. Rund 12.000 Nutzer sind pro Woche online.

Wohin die Reise letztlich führen werde, sei aber nach wie vor unklar. „Das weiß bei dem Thema wohl niemand“, sagt Schrimer. Es gebe nur selten den großen Wow-Effekt. Stattdessen sei Social Networking als Langzeitinvestition zu betrachten. Er ist sich aber sicher, dass eine entsprechende Strategie das Unternehmen nachhaltig verändere. „Social Business ist eine Kulturrevolution“, betont Schirmer.

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