Sind Datenanalysen bereits Standard?

Big Data – das Öl des 21. Jahrhunderts

Der erste große Hype, der um Big Data und „Daten als das Öl des 21. Jahrhunderts“ ausbrach, ist abgeklungen. Dies lässt vermuten, dass Datenanalysen in den ­Unternehmen angekommen und zum Standard geworden sind. Stimmt das, oder nicht? Die Stimmen am Markt sind unterschiedlich.

Ölbohrungen

Daten als das Öl des 21. Jahrhunderts

Deutschland ist im internationalen Vergleich sicherlich kein Vorreiter, wenn es darum geht, die meiste Wertschöpfung aus Unternehmensdaten zu erzielen. Der Schutz und die Sicherheit von Daten haben hierzulande die höchste Priorität, Datenanalyse steht erst an zweiter Stelle. Und dennoch – die Wachstumszahlen des Marktes für Business-Intelligence- und Big-Data-Lösungen steigen derzeit jährlich um zehn Prozent. Das Bewusstsein für den Nutzen, der in den eigenen Daten steckt, nimmt stetig zu. Deutsche Unternehmen prüfen vor einer Implementierung sehr genau, welchen Return on Investment sie von einer Business-Intelligence-Lösung (BI) erwarten können. Die Motivation dahinter kann jedoch sehr verschieden sein.

Für viele Organisationen lautet das Ziel hinter Business Intelligence „Optimierung“ – beispielweise in der Lagerplanung, um die Erkenntnisse, die sich aus einem analysierten Standort exemplarisch ziehen lassen, strategisch für das gesamte Unternehmen auszurollen. Oder im Verkauf, indem Absatz und Umsatz nach Kriterien wie Region, Kunde und Artikel im Vergleich zum Vorjahr gemessen werden, um so die Ladenhüter innerhalb der Produktpalette zu identifizieren oder den besten Vertriebler ausfindig zu machen.

Andere ziehen die Hilfe von BI-Lösungen und Experten dann hinzu, wenn sie bereits dringend benötigt wird. Steckt ein Unternehmen in den roten Zahlen, ist es die Aufgabe von BI, Krisenherde schnell zu identifizieren und mit möglichst geringem Aufwand zu beheben.

Einige Branchen sind bereits naturgemäß stark auf die Auswertung von Daten in Echtzeit angewiesen. In der Fertigung hat etwa ein kurzer Stillstand in der Produktion schwerwiegende Folgen für die gesamte Lieferkette. Um dem vorzubeugen, müssen Fertigungsleiter alle Daten im Blick haben. Die zunehmende Automatisierung und das Konzept von Indus-trie 4.0 bieten ganz neue Möglichkeiten. Business Intelligence wird hier zum Standard werden müssen, um mit der Masse der maschinenerzeugten Daten arbeiten zu können. BI richtet sich jedoch nicht nur an einzelne Branchen – insbesondere die verschiedenen Abteilungen eines Unter­nehmens mit ihren jeweiligen Kennzahlen und individuellen Dashboards ­stehen hier im Vordergrund.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 06/2016. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Noch ist Business Intelligence kein Standard in deutschen Unternehmen. Nach wie vor wertet eine Vielzahl von Organisationen ihre Kennzahlen mit Excel aus. Die Vorteile von Business Intelligence gehen jedoch weit über die Funktionalitäten statischer Excel-Sheets hinaus – etwa wenn es um die assoziative Datenanalyse und die verständliche Visualisierung von Daten geht.

Außerhalb des eigenen Datenkosmos


Doch der Trend geht in die richtige Richtung: Immer mehr Unternehmen ziehen sogar bewusst Informationen hinzu, die außerhalb des eigenen Datenkosmos liegen. Neue Datenquellen werden nicht mehr als fremdartig betrachtet, sondern als Teil einer umfassenden und komplexen Datenlandschaft aus mehreren internen sowie externen Quellen.

Vor diesem Hintergrund sollten sich IT-Entscheidungsträger vor ­einem Investment überlegen: Wie viele Mitarbeiter brauchen wirklich Zugang zu einer BI-Software? Wo und wann bringt diese einen tatsächlichen Nutzen? Für den Anwender selbst ist wichtig, dass er schnell und einfach – ohne große Vorkenntnisse – zu neuen Erkenntnissen gelangen kann. Dies bestätigt auch eine aktuelle Studie von Forbes Insights. Den Befragten zufolge zeichnet eine gute BI-Lösung aus, dass sie so weit geregelt ist, dass Nutzer in ihren vorgegebenen Rollen und in einem verwalteten Datenraum selbst intuitive Self-Service-Analysen durchführen können. Wo interne Daten nicht ausreichen, können externe Informationen das Bild vervollständigen. Generell wird BI erst dann zum Standard, wenn Unternehmen das aus den Daten generierte Wissen – über Märkte, Konkurrenten und die eigenen Produkte – fest in ihre Strategie integrieren.


Klassische Einsatzfelder von BI nach Funktion


Vertrieb und Marketing

  •   Analysieren und Segmentieren von Kunden
  •   Direktes Adressieren von Bestandskunden und Interessenten
  •   Optimieren von Marketing-Kampagnen
  •   Ausrichtung der Strategie und der Preise an die Markt­veränderungen ­zur Umsatzerhöhung


IT

  •   Verbessern der Governance und ­Datenskalierbarkeit
  •   Identifizieren von wenig genutzten Systemen oder Applikationen
  •   Vorhersagen von neuen Anforderungen an die IT


Lieferkettenmanagement

  •   Evaluieren der Lieferantenleistung ­anhand von Vertragsbedingungen, ­Zielen und SLAs
  •   Inventaroptimierung
  •   Verbesserung der Produktqualität durch Analysieren der Rückgabe­entwicklung
  •   Identifizieren von Hindernissen im Produktionsprozess


Finanzen

  •   Kosten- und Risikoreduzierung
  •   Vergleich von Finanz- und Rechnungslegungsdaten zur ­gesteigerten ­Transparenz
  •   Klarer Einblick in Investitions­leistungen


Quelle: Qlik


Bildquelle: Thinkstock/iStock

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