Logistics: Interview mit Dr. Markus Kückelhaus, DHL

Big Data in der Logistikbranche

Interview mit Dr. Markus Kückelhaus, Leiter Trend Research bei DHL Customer Solutions and Innovation, über seine Untersuchung „Big Data in Logistics“ und den Stellenwert des Forschungsfeldes Big Data für DHL. Das Logistikunternehmen liefert dabei jeden Tag zwischen zwei und drei Millionen Sendungen aus und dokumentiert zu jedem Paket bis zu 150 Daten.

Dr. Markus Kückelhaus, DHL

Dr. Markus Kückelhaus, Leiter Trend Research bei DHL Customer Solutions & Innovation

IT-DIRECTOR: Herr Kückelhaus, was genau macht Ihr Fachbereich?
M. Kückelhaus:
Der Fokus unserer Abteilung liegt auf der Entwicklung und Vermarktung von branchenspezifischen Lösungen, die dazu beitragen, das Leben unserer Kunden zu vereinfachen. Wir konzentrieren uns dabei auf wirtschaftliche, technologische und soziale Trends und deren Einfluss auf die Logistik.

IT-DIRECTOR: Dass sich ein großes Logistikunternehmen mit Big Data beschäftigt, liegt nahe. Inwiefern haben Sie den Begriff Big Data in Ihrer Untersuchung schärfer definiert?
M. Kückelhaus:
Als Logistikunternehmen generieren wir gigantische Mengen an Daten. Diese Daten bergen ein riesiges ungenutztes Potential. Big Data bedeutet für uns, vorhandene Daten in Echtzeit zu analysieren und somit unsere Effizienz zu steigern. Darüber hinaus korrelieren wir unsere eigenen Daten mit externen Informationen, um Einflüsse besser analysieren zu können. So untersuchen wir beispielsweise mithilfe der Google-Trend-Daten den Einfluss auf unser Sendungsvolumen im Paketnetzwerk.

IT-DIRECTOR: Welche branchenübergreifenden Big-Data-Aspekte haben Sie untersucht?
M. Kückelhaus:
Big-Data-Beispiele an­derer Branchen sind übertragbar! Das hat unsere übergreifende Analyse ganz klar gezeigt. Die optionale Schichtplanung von Einzelhändlern kann z. B. auch für den Einsatz im Logistikumfeld wichtig werden. Als Logistikkonzern bedienen wir alle Branchen und somit ist es besonders wichtig, Big Data nicht nur für die eigene interne Effizienzsteigerung zu nutzen. Wir wollen insbesondere unseren Kunden einen Mehrwert bieten.

IT-DIRECTOR: Welche logistikspezifischen Erkenntnisse, z. B. bezüglich der Effizienz, haben sich ergeben?
M. Kückelhaus:
Die Analyse und Auswertung von Daten bringt neue Möglichkeiten in der Planungsoptimierung und der Nutzung von freien Kapazitäten. Im Bereich betrieblicher Effizienz geht es unter anderem um die Analyse von Korrelationen zwischen Wetterbedingungen, Grippewellen und dem Onlinekaufverhalten von Privatpersonen. Das „DHL Parcel Volume Prediction“-Modell kann dabei beispielsweise die Volumenplanung der zu versendenden Pakete unter Berücksichtigung korrelierter Daten erleichtern. Das Modell hilft, Prozesse zu optimieren und einen verbesserten Kundenservice zu leisten.

IT-DIRECTOR: Was haben die Kunden davon? Wie lässt sich mit Big-Data-Werkzeugen deren Erfahrung verbessern?
M. Kückelhaus:
Die mögliche Prognose von potentiellen Störungen in der Lieferkette optimiert die Kundenerfahrung sowie -zufriedenheit. So werden mithilfe der Risiko-Management-Lösung „DHL Resilence 360“ beispielsweise Daten zur politischen und wirtschaftlichen Entwicklung einer Region gesammelt und analysiert. Die Auswertung dieser Daten kann etwa die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs von KMU sichern und optimiert so die Kundenzufriedenheit. Für DHL selbst bedeutet dies z. B. die schnellere Auslieferung von Waren. Dieser Anwendungsfall veranschaulicht die transparente Datenerfassung und Analyse auf globaler Ebene in Echtzeit. Das Ziel ist dabei die branchenübergreifende Planung und signifikante Optimierung der Überwachung der globalen Lieferkette.

IT-DIRECTOR: Welche Datenschutzaspekte spielen dabei eine Rolle?
M. Kückelhaus:
Im Vergleich zu den führenden Big-Data-Anwendern wie Google, Facebook und Co spielt Datenschutz mit Abstand die wichtigste Rolle innerhalb unseres Konzerns. Bei unseren Analysen werden alle persönlichen Daten anonymisiert. Der Schutz unseres Kunden hat dabei oberste Priorität.

IT-DIRECTOR: Welche neuen Geschäftsmodelle im Zusammenhang mit Big-Data-Analysen sehen Sie?
M. Kückelhaus:
Aufgrund unserer globalen Präsenz können wir weltweit Daten sammeln und diese in unsere Modelle einfließen lassen. Vielversprechend ist dabei der Ausbau der Adressenverifizierung für den globalen E-Commerce-Markt. Darüber hinaus können Vorhersagemodelle des Kundenbedarfs die Planung der globalen Logistiklieferkette revolutionieren.

IT-DIRECTOR: Big Data hat es als zum Teil unscharfer Begriff bis in die Feuilletons der großen Tageszeitungen geschafft und wird dort eher negativ beschrieben, als gefährliche, allwissende Durchleuchtung unseres Lebens. Wie bewerten Sie diesen Diskurs?
M. Kückelhaus:
Derzeit gibt es einen Hype um das Buzzword „Big Data“. Tatsächlich sind große Datenmengen nur die logische Konsequenz der fortschreitenden Digitalisierung unserer Gesellschaft. Dabei gibt es natürlich Grenzen für Big Data, insbesondere in Bezug auf den Datenschutz und die Achtung der Privatsphäre. Diese wird durch die globale Anonymisierung unserer Daten geschützt – auch wenn der Schutz der eigenen Daten noch nicht weltweit gesetzlich verankert ist. Hinter Big Data verbergen sich aber auf jeden Fall große Chancen: besseres Verständnis des Kunden, neue Geschäftsmodelle, betriebliche Effizienzsteigerung und vieles mehr.

©2021Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok