Interview mit Dr. Jörg Liebe, CIO der Lufthansa Systems AG

Big Data in der Luftfahrtbranche

Dr. Jörg Liebe, CIO der Lufthansa Systems AG spricht über die Herausforderungen beim Umgang mit großen Datenmengen.

Dr. Jörg Liebe ist CIO der Lufthansa Systems AG.

IT-DIRECTOR: Herr Dr. Liebe, die Auswertung großer, oft unstruktrurierter Datenmengen ist als Big Data in aller Munde. Wie ist diesbezüglich der Stand bei den Anwendern?

Dr. Liebe: Unsere Fokusbranchen, insbesondere Airlines, Transport und Logistik, Energie sowie Touristik haben eine hohe Affinität zu Big Data, da in ihren Geschäftsprozessen enorme Datenmengen anfallen. Deren Auswertung eröffnet bisher ungeahntes Geschäftspotenzial. Als IT-Dienstleister ist es unsere Aufgabe, dieses Potenzial für unsere Kunden zu erschließen. Umgekehrt erwarten die Unternehmen auch eine entsprechende Beratung von uns.

IT-DIRECTOR: Wie ist denn der Stand? Planen Ihre Kunden schon konkrete Anwendungen oder haben Sie im Einsatz?

Dr. Liebe: Den meisten Unternehmen fehlen bisher die Voraussetzungen in IT-Infrastruktur und -Netzwerk, um bereits Lösungen zu implementieren. Entsprechend hoch ist die Erwartungshaltung an die IT-Dienstleister. Die Kunden setzen umfangreiche Erfahrungen voraus, sowohl in der Analyse und Verarbeitung großer zumeist unstrukturierter Datenmengen verbunden mit dem Wissen um die dazu notwendigen Technologien wie beispielsweise „Hadoop“ und „In-Memory Computing“ als auch im optimierten Betrieb virtualisierter Rechenzentrums- und Netzwerk-Infrastrukturen. Hier sind wir als Lufthansa Systems gut aufgestellt. Der Virtualisierungsgrad in unserem Rechenzentrum liegt beispielsweise bei 85 Prozent.

IT-DIRECTOR: Wie könnte denn aus Ihrer Sicht ein Anwendungsszenario etwa für die Airline-Industrie aussehen?


Dr. Liebe: Für Airlines wäre es beispielsweise denkbar, Applikationen zu entwickeln, die aktuelle Auslastung, Verkehrsströme und den Wettbewerb abbilden. Damit würde ein Revenue-Management-System ermöglicht, mit dem abhängig von all diesen Parametern der zum jeweiligen Kaufzeitpunkt optimale Preis erzielt werden kann. Das Prinzip hinter einer solchen Applikation ließe sich aber auch auf andere Branchen übertragen.

IT-DIRECTOR: Was müssen die Unternehmen mit ihren Daten tun, um zu solchen Lösungen zu kommen?

Dr. Liebe: Zunächst einmal geht es darum, die Daten zusammenzutragen und zugänglich zu machen. Das hat viel mit Technologien zu tun. Dann werden die Daten unter unterschiedlichsten Aspekten zu betrachten, um Zusammenhänge zu erkennen. Daten zu verbinden, die bis dahin nicht miteinander in Beziehung gesetzt wurden, um zu neuen Lösungen zu kommen, ist der Mehrwert von Big Data. Die Erfassung der Zusammenhänge ist eine Frage des Geschäfts-Know-hows. Unternehmen müssen also Geschäftswissen und Technologie-Kenntnisse verbinden, um Zusammenhänge zu erfassen und neuartige Interpretationen zu nutzen.

IT-DIRECTOR: Kann ein Unternehmen seine bestehende BI-Lösungen für eine solche Auswertung der unstrukturierten Daten nutzen?

Dr. Liebe: BI-Lösungen sind häufig auf die Integration unterschiedlichster Daten nur bedingt vorbereitet. Viele Hersteller bieten ihren Kunden aber entsprechende Module an. Inwieweit es sinnvoll ist, die BI-Lösung entsprechend aufzurüsten, hängt von der Fragestellung und muss projektspezifisch geklärt werden. Erst im speziellen Fall können notwendige Investitionen im Abgleich mit dem resultierenden Vorteil im geschäftlichen Wirken analysiert und bewertet werden. 


IT-DIRECTOR: Die Datenmengen enthalten - gerade in der Luftfahrtbranche - oft auch sensible Sicherheits- und Kunden-Daten: Was ist hinsichtlich des Datenschutzes und anderer Richtlinien bei Big-Data-Auswertungen zu beachten?


Dr. Liebe: Da es darum geht, vermeintlich nicht zusammenhängende Daten in Verbindung zu setzen, ist die Schutzbedarfsanalyse von herausragender Bedeutung sein. Wie sind Daten zu bewerten und zu handhaben, die aus der Verbindung von frei zugänglichen Daten etwa aus sozialen Netzwerken mit Informationen entstehen, die einem höheren Schutzbedarf unterliegen?

www.lhsystems.de

Bildquelle: LHS

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