Was bringen In-Memory-Technologien?

Blick nach vorn und zurück dank Business Intelligence

Interview mit Matthias Krämer, Chief Technology Officer bei der Jedox AG in Freiburg, über den Aufwand und Nutzen bei der Einführung von In-Memory-Technologien sowie aktuelle Trends in Sachen Business Intelligence (BI)

Matthias Krämer, Jedox AG

Matthias Krämer, Chief Technology Officer bei der Jedox AG

IT-DIRECTOR: Herr Krämer, für wen lohnt es sich besonders, eine auf In-Memory-Technologien basierende Business-Intelligence-Lösung einzuführen?
M. Krämer:
In-Memory-Technologien sind heute gewissermaßen „state of the art“. Der Performance-Vorsprung durch diese Technologie kommt gerade bei Self-Service-Business-Intelligence-Anwendungen (BI) und den immer größer werdenden Datenmengen zum Tragen. Wenn Unternehmen auf Grundlage dieser Daten noch Planungsprozesse und -szenarien sowie Simulationen in Echtzeit erstellen wollen, ist dies performant nur mit In-Memory-Technologien zu leisten.

Hinzu kommt, dass sich In-Memory durch sinkende Hardwarekosten bei gleichzeitig größerer Leistungsfähigkeit nicht mehr nur Großkonzerne leisten können. Ausreichende Speicherkapazitäten gibt es zu absolut bezahlbaren Preisen – auch für kleinere Unternehmen.

IT-DIRECTOR: Um wie viel schneller sind In-Memory-Auswertungen gegenüber einer herkömmlichen BI-Vorgehensweise?
M. Krämer:
In-Memory-Lösungen sind alleine durch ihre Technologie schneller als herkömmliche BI-Lösungen. Die Daten werden nicht mehr auf der Festplatte vorgehalten, sondern stehen direkt im Arbeitsspeicher zur Verfügung. Die Zugriffsgeschwindigkeit moderner Prozessoren auf den verfügbaren Arbeitsspeicher ist um ein vielfaches höher als auf herkömmlichen Festplatten, auch bei SSD (Solid-State-Drives).

Weiterhin werden bei In-Memory-Lösungen nur Basisinformationen wirklich im Arbeitsspeicher gehalten. Aggregationen werden online, das ist das “O“ in OLAP, berechnet. Durch die Verfügbarkeit immer mehrerer Cores kann dies nun auch parallel erfolgen.

Noch deutlicher wird dies durch die Verwendung von spezieller Hardware, der In-Memory GPU Technologie von Nvidia. Nicht nur wegen der Nutzung dieser Technologie hat uns das Analystenhaus Gartner im Mai dieses Jahres in den Kreis der „Cool Vendors“ aufgenommen. Paradoxerweise ist es so: Je komplexer die Daten sind, desto größer ist der Geschwindigkeitsvorteil. Die Geschwindigkeit ist essentiell für uns, da unsere Software multidimensionale Berechnungen und das Zurückschreiben, quasi das Erstellen neuer Daten, unterstützt. Sollten sich also die Daten in einem Würfel ändern, verändern sich alle konsolidierten Zahlen mit, was dazu führt, dass die Berechnungen in „realtime“ benötigt werden.

IT-DIRECTOR: Worauf sollte man bei der Auswahl der Lösungen vor allem achten?
M. Krämer:
Neben dem Lizenz- und Preis-Leistungsverhältnis, ist es zum einen die Frage, wie lange man zur Einführung eines Projekts braucht, wie groß der Schulungsaufwand für die beteiligten Mitarbeiter ist und wie viele Ressourcen seitens der IT-Abteilung dauerhaft dadurch gebunden werden.

Einmal modelliert, sind die jeweiligen Fachabteilungen relativ unabhängig von der IT-Abteilung, da etwa unsere Lösung Microsoft Excel um ein leicht zu installierendes Add-in erweitert, das dem Anwender den Zugriff auf alle Funktionalitäten des OLAP-Servers direkt in Excel erlaubt. Beginnend mit der Datenmodellierung, für die man keine komplizierten Scriptsprachen wie etwa SQL benötigt, über die Pflege der Benutzerrechte bis hin zum einfachen Datenimport, können Nutzer alle Arbeitsschritte weiterhin in ihrer gewohnten Umgebung tätigen. Wir sprechen deshalb auch von Self-Service-BI. Das bedeutet größtmögliche Freiheitsgrade der Fachabteilungen, geringer Schulungsaufwand und vor allem kein „Widerstand“ der Anwender, der ansonsten oft bei der Einführung einer neuen Software entsteht.

IT-DIRECTOR: Wie umfangreich ist ein In-Memory-BI-Projekt?
M. Krämer:
Wie bei allen BI-Projekten hängt dies von der Datenqualität, die in den Betrieben vorgehalten wird, sowie dem „Reifegrad“ der bestehenden Lösungen ab: Besteht zum Beispiel schon ein Data Warehouse, das eine gute Grundlage für die Analyse und das Reporting liefert? Oder startet ein BI-Projekt durch das Ablösen einer Excel-basierten „Chaossituation“?

IT-DIRECTOR: Ein Blick in Ihre Projektpraxis: Welche Unternehmen führen derzeit am häufigsten In-Memory-Computing-Projekte durch?
M. Krämer:
Es gibt sowohl BI-Neueinsteiger, die mit den Excel-Lösungen an ihre Grenzen gestoßen sind, als auch Umsteiger, die aufgrund unserer Performance-Leistungen und dem Preis-Leitungsverhältnisses wechseln. Möchte ein Unternehmen nicht nur Reports erstellen, sondern auch planen, d.h. aktuelle und künftige Parameter sowie Szenarien berücksichtigten, kommt es an In-Memory nicht vorbei. Dies ist vergleichbar dem Autofahren: Einerseits blickt man in den Rückspiegel und sieht, was dahinter liegt (Reporting). Andererseits schaut man auf die Straße davor (Planung). Beim Autofahren machen wir dies automatisch, bei der Unternehmenssteuerung ist es ebenso wichtig, stets in beide Richtungen zu blicken. Und das gelingt nur, wenn alle Daten und Funktionen in einer Umgebung verfügbar sind.

IT-DIRECTOR: Welche möglichen Stolpersteine gibt es bei der Einführung von In-Memory-BI in den Anwenderunternehmen? Und wie können diese aus dem Weg geräumt werden?
M. Krämer:
Wichtig ist, dass die Fachabteilungen und die IT miteinander kommunizieren, um die notwendigen Anforderungen zu definieren. Dadurch wird gewährleistet, dass die technischen Anforderungen und Sicherheitsaspekte genauso berücksichtigt werden wie Bedürfnisse der jeweiligen Fachabteilungen. Wenn diese einfache Regel einhalten wird, geht alles schnell und reibungslos. Und die Fachabteilungen können schon bald unabhängig und ohne zusätzliche Ressourcen der IT-Abteilung arbeiten.

www.jedox.com/de

©2021Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok