Licht und Schatten beim Netzausbau

Breitbandversorgung in Deutschland

Viel Licht, aber auch viel Schatten – so könnte man den aktuellen Stand des Breitbandausbaus beschreiben und dies, obwohl sich die Bundesregierung verstärkt für Breitbandversorgung in Deutschland stark macht.

Breitbandversorgung Deutschland

Licht und Schatten beim Netzausbau: Insbesondere in ländlichen Regionen ist die Breitbandversorgung in Deutschland noch recht dürftig.

Der Breitbandausbau in Deutschland hat zwei Gesichter. Einerseits profitieren immer mehr Haushalte und Unternehmen von schnellen Internetanbindungen, andererseits stößt man insbesondere im ländlichen Raum noch auf viele „Weiße Flecken“. Dies bestätigt ein im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) erstellter Bericht zum Breitbandatlas 2013. Demnach konnten zwar Ende letzten Jahres gut 65 Prozent der Haushalte auf einen Hochgeschwindigkeits-Breitbandanschluss – d.h. mindestens 30 Mbit/s oder schneller – zugreifen. Allerdings räumt Dr. Hermann Rodler, Vizepräsident der Initiative D21, ein, dass die Versorgung des letzten Drittels der Haushalte zunehmend eine Herausforderung darstelle. „Denn hierbei geht es hauptsächlich um kleinere Ortschaften und den ländlichen Raum, wo die erforderlichen Investitionen je Breitbandanschluss relativ hoch sind. Die Bereitschaft der Provider, dort in schnelle Datenübertragung zu investieren, ist aus wirtschaftlichen Gründen noch nicht gegeben“, meint Rodler.

Doch damit nicht genug macht eine aktuelle Untersuchung von Deutsche Bank Research ein deutliches Ost-West-Gefälle hinsichtlich der Breitbandversorgung aus. Gemäß der Erhebung werden in den westlichen Bundesländern durchschnittlich 39 Prozent der Haushalte mit Bandbreiten von wenigstens 50 Mbit/s erreicht, in den östlichen Bundesländern (ohne Berlin) dagegen im Durchschnitt nur 29 Prozent. Deutliche Lücken findet man vor allem in Mecklenburg-Vorpommern sowie Brandenburg.

Aufgrund dieser Zahlen können insbesondere Unternehmen, die mit Standorten oder Home-Office-Arbeitsplätzen in ländlichen Regionen vertreten sind, schnell ins Hintertreffen geraten. Dies bestätigt Jost Hermanns, Geschäftsführer bei Netcologne: „Wir sind in Deutschland aktuell leider noch weit von einem flächendeckenden Wunschstandard entfernt. Vor allem in Regionen jenseits der großen Ballungszentren tröpfeln häufig nur ein paar Megabyte aus den Leitungen.“ Apropos Wunschstandard – einen solchen gibt es tatsächlich offiziell. Bereits 2009 gab die Bundesregierung konkrete Pläne für den hiesigen Breitbandausbau vor. Jüngst hat man diese Vorgaben nochmals deutlich erweitert: Nun sollen bis zum Jahr 2018 allen Haushalten in Deutschland flächendeckend Bandbreiten von 50 Mbit/s zur Verfügung stehen. Die in diesem Zusammenhang neu gegründete „Netzallianz Digitales Deutschland“ soll dabei den Netzausbau schneller vorantreiben.

94.000.000.000 Euro von Nöten

Doch wie will man diese ambitionierten Ziele umsetzen? Zunächst bleibt die Bundesregierung gefordert, die entsprechende Pläne bereits in ihrem Koalitionsvertrag verankert hat: „Der Koalitionsvertrag enthält die Breitbandziele, regulatorische und investitionsfördernde Maßnahmen sind ebenfalls beschlossen und es wird ein pragmatischer Technologie-Mix – DSL, (Fernseh-)Kabel, Glasfaser und LTE – gefördert, der den Ausbau in ländlichen Regionen erst finanzierbar macht“, betont Hermann Rodler.

Allerdings ist man sich über das insgesamt benötigte Investitionsvolumen noch nicht im Klaren. Dieses hängt u.a. davon ab, mit welchen Technologien man den Netzausbau künftig stemmen wird. Neben der Nutzung von Glasfaserkabel können Mobilfunktechnologien wie Long Term Evolution (LTE) oder gar Satellitenverbindungen für den Netzausbau herangezogen werden. Vor diesem Hintergrund müssten – einer Berechnung des TÜV Rheinland zufolge – jedoch selbst in der günstigsten Variante zusätzlich zu den anfallenden Instandhaltungskosten mindestens 20 Mrd. Euro investiert werden, um allen deutschen Haushalten eine Bandbreite von mindestens 50 Mbit/s anbieten zu können. Sollte der Ausbau allein auf der zukunftsweisenden Glaserfasertechnologie basieren, geht der TÜV gar von Investitionen zwischen 85 und 94 Mrd. Euro aus.

Aufgrund dieser unglaublich hohen Summen wundert es kaum, dass sich die meisten Netzbetreiber Unterstützung von staatlicher Seite wünschen. So betont Frank Meywerk, Chief Technology Officer bei Unitymedia KabelBW: „Wir gehen davon aus, dass trotz der allseits hohen Investitionsbereitschaft der Privatwirtschaft für den Breitbandausbau auch eine Form staatlicher Unterstützung erforderlich sein wird. Solche Beihilfen müssen unserer Auffassung nach nicht nur technologieneutral, sondern auch auf einen Ausbau mit der jeweils effizientesten Technik ausgerichtet sein.“ Außerdem müsse man beachten, dass etwaige Förderungen die Anreize zur privaten Investition nicht gefährden. Insbesondere, so Meywerk, dürften bereits getätigte private Investitionen nicht nachträglich dadurch entwertet werden, dass sie mit staatlich geförderten Netzen überbaut werden.

Neben den Bemühungen der Bundesregierung erscheinen zudem Initiativen auf Länder- oder Kommunalebene vielversprechend. Insbesondere den Verantwortlichen von Firmen mit regionalen Standorten legt Sigurd Schuster, Projektleiter der Deutschen Breitbandinitiative, ans Herz: „Zwar wird der flächendeckende Breitbandausbau in ländlichen Gebieten noch einige Zeit in Anspruch nehmen, dennoch können Unternehmen durch Eigeninitiative oder im Verbund mit ihren Gemeinden oder anderen Firmen u.a. dank vorhandener Fördermöglichkeiten viel erreichen.“ In diesem Zusammenhang verweist er auf das mit rund 1,5 Milliarden Euro dotierte neue Breitbandförderprogramm in Bayern. In Hessen werden immerhin noch knapp 500 Mio. Euro zur Erreichung der Ziele bereitgestellt und nicht zuletzt mischt auch die Europäische Union mit: Im Rahmen des Förderprogramms „Connecting Europe“ machen die Europäer nochmals eine Milliarde Euro locker. Wollen Unternehmen in den Genuss solcher Mittel kommen, verweist Schuster auf das Breitbandbüro des Bundes, das als eine wichtige Informationsdrehscheibe rund um mögliche Fördergelder gilt.

Cornwall, Main-Kinzig und Wolfenbüttel

Dass regionale Initiativen durchaus von Erfolg gekrönt sein können, beweist ein Projekt in Großbritannien: "Das Vorhaben, den Netzausbau in dünn besiedelten bzw. strukturschwachen Gebieten mit öffentlichen Mitteln zu fördern, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Auf ähnliche Weise ist es in Großbritannien mit dem Projekt „Superfast Cornwall“ gelungen, schnelles Internet für mehr als 90 Prozent der Haushalte und Unternehmen verfügbar zu machen“, berichtet Christian Dietl, Head of Marketing & Products bei BT in Deutschland.

Doch man muss nicht weit ins Ausland schweifen, auch hierzulande sind Kommunen und Regionen äußerst umtriebig. So trägt eine Kooperation der Region Main-Kinzig-Kreis und dem Kommunikationsdienstleister M-Net erste Früchte: Beim gemeinsamen Breitbandausbau veröffentlichte man zur Halbzeit des Projekts im Juli 2014 folgende Ergebnisse: Bereits über 390 Kilometer Glasfaserkabel wurden seit dem Beginn des Projekts im Jahr 2013 verlegt, was Highspeed-Internetanschlüsse mit Bandbreiten von aktuell bis zu 50 Mbit/s ermöglichen soll.

Das Projektziel ist es, rund 120.000 Haushalte an ein glasfaserbasiertes Breitbandnetz anzuschließen und ihnen dadurch einen schnellen Internetzugang zu ermöglichen. „In über 60.000 Haushalten ist dies inzwischen Realität“, erläutert Jürgen Voigt, Projektleiter bei M-Net. Dabei werden die Tiefbauarbeiten sowie die spätere Wartung des passiven Netzes von der landkreiseigenen Breitband Main-Kinzig GmbH (BBMK) durchgeführt. Landrat Erich Pipa (SPD) erklärt: „Das Glasfasernetz im Main-Kinzig-Kreis bleibt langfristig in kommunaler Hand. Als gemeinschaftliches Eigentum der hier lebenden Menschen kann es deshalb auch als Bürgernetz bezeichnet werden.“ M-net wiederum installiert auf diesem Netz die aktiven technischen Komponenten und stellt die passenden TK-Dienste für Verbraucher und Unternehmen zur Verfügung. Gemeinsam investiert man über 80 Millionen Euro, wobei der Gesamtausbau des Netzes voraussichtlich Ende 2015 abgeschlossen sein wird.

Eine weitere erfolgreiche Initiative findet man im Landkreis Wolfenbüttel. Hier hat die Kreisverwaltung ebenfalls ein eigenes Glasfasernetz gebaut, welches nun an den Kooperationspartner Htp GmbH vermietet wird. Der regionale TK-Anbieter selbst hat die notwendigen technischen Komponenten wie Shelter und Stationen aufgebaut und wird diese genauso wie das gesamte Netz künftig in Eigenregie betreiben.

Dabei hat der Landkreis für die VDSL-Versorgung seiner Bürger mit 8,5 Mio. Euro sogar 2,5 Mio. Euro weniger investiert als anfangs kalkuliert. Nicht zuletzt deshalb besitzt der Breitbandausbau im Landkreis Wolfenbüttel durchaus Vorbildcharakter, wie Htp-Geschäftsführer Thomas Heitmann betont. „Tatsächlich ist unser Projekt auch in anderen Landkreisen auf großes Interesse gestoßen, da die Vorgehensweise als Beispiel für eine erfolgreiche VDSL-Versorgung im ländlichen Raum dienen kann“, so Heitmann weiter.

Der richtige Technologie-Mix

Während man in Wolfenbüttel und im Main-Kinzig-Kreis vorrangig auf Glasfaser setzt, gehen Experten davon aus, dass schnelle Netze erst mit einem Zusammenspiel verschiedener Technologien in der Fläche realisierbar sind. „So haben wir stets betont, dass ein flächendeckender Breitbandausbau nur mit einem Technologie-Mix möglich ist“, unterstreicht Dr. Wilhelm Eschweiler, Vizepräsident der Bundesnetzagentur.

Entsprechend dieser Forderung der Bundesnetzagentur setzen die Provider hierzulande auf verschiedene Maßnahmen, um den Breitbandausbau voranzutreiben. So baut Vodafone laut Pressesprecher Markus Teubner auf einen Technologie-Mix aus Mobilfunk via LTE sowie Festnetzleitungen sowohl über VDSL als auch über eine eigene Kabelinfrastruktur. „Bei letzterem sehen wir durch die Übernahme von Kabel Deutschland Ende vergangenen Jahres bestens aufgestellt“, betont Teubner.

Auch der hierzulande aktive Dienstleister BT setzt hinsichtlich der Breitbandversorgung auf mehrere Alternativen. „Je nach Lage und Bandbreitenbedarf lohnt gegebenenfalls eine Anbindung per Glasfaserleitung“, betont Christian Dietl, und weiter: „Wir binden Unternehmen beispielsweise in der Umgebung großer Metropolen direkt an unser City Fibre Networks (CFN) an. Via Richtfunk sind dabei Bandbreiten von 100 Mbit/s in der Regel problemlos möglich.“ Auch eine Anbindung per Satellit kommt laut Dietl in Frage. Dies sei jedoch aufgrund langer Signallaufzeiten für einige Anwendungen wie Videokonferenzen weniger gut geeignet.

Beim Kölner Provider Netcologne hat man bereits früh einen Fokus auf Glasfaseranschlüsse gelegt und das Netz in den letzten Jahren konsequent ausgebaut. „Inzwischen können wir ein Drittel unserer Festnetzkunden über unsere eigene Glasfaserinfrastruktur versorgen. Dabei bietet Glasfaser im Vergleich zu Kupfer- oder Funkleitungen den Vorteil, dass es keine Leistungsrestriktionen beispielsweise durch die Leitungslänge oder die Anzahl der Nutzer gibt“, betont Geschäftsführer Jost Hermanns. Und auch bei dem ebenfalls in Köln ansässigen Anbieter Unitymedia KabelBW bleiben erdgebundene Kabelinfrastrukturen auf Basis der eigenen Coax-Glasfaser-Technologie das Rückgrat der Aktivitäten. „Dabei steigt der Anteil der Glasfaser an unserem Netz stetig, weil wir dies bedarfsgetrieben immer weiter in Richtung des Kunden vorantreiben. Beim Eigenausbau, bei der Erschließung von Neubaugebieten sowie der Zusammenarbeit mit Infrastrukturpartnern führen Unitymedia und Kabel BW die Glasfaser immer häufiger bis direkt an das Gebäude heran. Hier sprechen wir vom sogenannten Fiber to the Building (FTTB), berichtet Frank Meywerk.

LTE spielt tragende Rolle

Neben der Glasfasertechnologie spielt auch der Mobilfunkstandard LTE beim Breitbandausbau eine gewichtige Rolle spielen. Demgemäß stellen die meisten Provider ihren Kunden bereits entsprechende Diente über LTE zur Verfügung – zum Beispiel Vodafone: „Aktuell bieten wir LTE in Deutschland auf einer Fläche von über 70 Prozent für rund 55 Millionen Bürger an. Damit sind wir hierzulande neben der Telekom absoluter Spitzenreiter“, so Markus Teubner. Dafür habe man bundesweit mehr als 7.200 Basisstationen mit LTE ausgestattet. „Alle Großstädte können schon LTE und erhalten mit LTE CAT4 bald eine weiterentwickelte Technologie mit einer Geschwindigkeit von bis zu 150 Mbit/s. Zudem testen wir über das LTE-Datennetz derzeit Voice over LTE (VoLTE) und somit das Telefonieren über die vierte Mobilfunkgeneration“, ergänzt Teubner. Dabei wirbt der Anbieter nicht nur in einer breit angelegten TV-Werbekampagne damit, dass „man bis 2016 rund vier Milliarden Euro in die Modernisierung und den Ausbau des eigenen Netzes investieren möchte“.

Den Ausbau des neuen Mobilfunkstandards heißt auch die Bundesnetzagentur willkommen, wie Wilhelm Eschweiler betont: „Insbesondere im ländlichen Raum kann eine technologieoffene Breitbandversorgung dabei helfen, die digitale Spaltung zu überwinden. In diesem Zusammenhang hat Deutschland als erster europäischer Staat die für LTE wichtigen 800-MHz-Frequenzen, die Digitale Dividende, vergeben. Die Netzbetreiber haben danach massiv in diese Netze investiert. Gerade diese Frequenzen haben einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, bisher mit Breitband unterversorgte Städte und Gemeinden zu versorgen. Deshalb wollen wir zusätzliche Frequenzen, die Digitale Dividende II, zur Verfügung stellen, um den Breitbandausbau weiter voranzutreiben. Das diesbezügliche Vergabeverfahren soll noch in diesem Jahr eröffnet werden.“

Den hohen Stellenwert von LTE bestätigt auch Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbands der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM). „Moderne Mobilfunktechnologien sind eine wichtige Säule, um die Breitbandversorgung in der Fläche zügig zu sichern. Zudem stellen sie auf längere Sicht eine wertvolle Ergänzung zu stationären Breitbandanbindungen dar. Dies setzt allerdings umfangreiche Investitionen der Netzbetreiber in den Aufbau leistungsfähiger Netze voraus, weshalb dem Markt nicht unnötig Finanzmittel entzogen werden dürfen, etwa durch eine kostspielige Frequenzversteigerung im Rahmen der Digitalen Dividende II“, fordert Grützner.

Wann bricht das Netz zusammen?

Angesichts der zunehmenden Verbreitung von mobilen Endgeräten, des Internets der Dinge oder Industrie 4.0 ist die Frage legitim, inwieweit das aktuell geplante Netz künftig das exorbitante Datenwachstum überhaupt stemmen kann. Aufgrund der Folgen einer zunehmenden Vernetzung sämtlicher Arbeits- wie Lebensbereiche, fordert Oliver Tuszik, Vice President und Vorsitzender der Geschäftsführung Cisco Deutschland: „Im Jahre 2018 werden 79 Prozent aller Daten Videodaten sein. Wenn wir das prognostizierte Wachstum von Internetnutzern auf vier Milliarden weltweit mit mehr als 21 Milliarden gekoppelter Endgeräte betrachten, brauchen wir einen schnelleren Ausbau mit mehr Bandbreite.“ Tuszik untermauert die Entwicklung mit einigen Zahlen aus der Studie „Cisco Visual Networking Index 2014“: Demnach beträgt die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate für den IP-Datenverkehr in Deutschland 19 Prozent. 2018 wird jeder Deutsche über sieben vernetzte Geräte verfügen, im Vergleich zu vieren im vergangenen Jahr. „Überdies wächst der Anteil von übertragenen Daten über das Mobilnetz von zwei auf neun Prozent und über das WLAN von 47 auf 50 Prozent. Alleine der Traffic über Mobilnetze steigt von 2013 bis 2018 um das Zehnfache, mit einer jährlichen Wachstumsrate von 59 Prozent. Vom gesamten IP-Traffic werden in vier Jahren 47 Prozent von PCs (2013: 77 Prozent), 23 Prozent von TV-Geräten, 25 Prozent von tragbaren Geräten wie Smartphones und Tablets sowie vier Prozent von M2M-Modulen übertragen“, malt Oliver Tuszik die Zukunft weiter aus.

Sollten diese Vorhersagen eintreffen, könnte es eng werden mit den vorhandenen Netzen – wenn sie nicht gar unter der prognostizierten Last zusammenbrechen. Ein Schreckensszenario, das in den Augen vieler Branchenkenner jedoch unbegründet ist. „Wenn der Ausbau zukunftsfähig und effizient erweiterbar erfolgt, werden die Infrastrukturen auch bei steigender Datenlast zukünftig nicht zusammenbrechen“, glaubt Jürgen Grützner vom VATM. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass nicht nur das Datenvolumen wächst, sondern auch die technischen Möglichkeiten: „Wenn heute Gemeinden kostengünstig und mit stetig steigenden Mbit/s-Raten über Satellitenlösungen versorgt werden können, zeigt dies deutlich, wie sich etablierte Technologien weiterentwickeln. Immer wieder gibt es – auch beim mobilen Breitband – Meldungen über neu erreichte Übertragungsraten“, so Grützner.

Dennoch gibt es auch warnende Stimmen. Zwar erwartet auch Sigurd Schuster von der Deutschen Breitbandinitiative keinen kompletten Zusammenbruch, „denn insgesamt ist bereits heute eine zufriedenstellende Netzqualität und -stabilität gegeben“. Allerdings könne es bei unerwartet hoher Datenlast zu kurzzeitigen Überlastungen der Netze kommen. „So etwas gab es in der Vergangenheit, und wenn man ehrlich ist, kann man es auch in Zukunft nicht ausschließen“, so Schuster. Und Oliver Tuszik schätzt die Situation ähnlich ein: „Einen Zusammenbruch halte ich für eher unwahrscheinlich, negative Auswirkungen aber leider für sicher, wenn wir nicht schneller handeln.“

Schnelles Netz macht attraktiv
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Im Rahmen einer aktuellen Studie von BT International wurden über 1.000 Entscheidungsträger aus mittleren und großen Unternehmen aus 13 Ländern und Regionen rund um die Welt befragt, inwieweit sie derzeit international expandieren bzw. dies planen – und welche Rolle digitale Infrastrukturen dabei spielen.

  • Für 60 Prozent der befragten Manager ist die Qualität der Kommunikationsinfrastruktur ein wichtiges Entscheidungskriterium bei der Auswahl des Landes, in das expandiert wird. Und sogar mehr als 90 Prozent aller Befragten sagten, dass eine gute digitale Infrastruktur – wie z.B. flächendeckend verfügbares, schnelles Internet – ein Land bzw. eine Region wesentlicher attraktiver (als mögliches Expansionsziel) macht.
  • Es wurde auch gefragt, welche Länder als besonders fortschrittlich in Sachen digitaler Infrastruktur gelten. Deutschland schnitt dabei gut ab (48 Prozent Zustimmung, etwa gleichauf mit Hongkong: 47 Prozent); Spitzenreiter sind allerdings die USA (67 Prozent) und Großbritannien (53 Prozent).
  • Die deutschen Manager sehen noch erheblichen Aufholbedarf im eigenen Land. So geben mehr als zwei Drittel (69 Prozent) an, dass die Regierung stärker in die flächendeckende Verfügbarkeit von Breitbandinternet investieren sollte. 40 Prozent der Befragten fordern, dass die verfügbaren Bandbreiten erhöht werden müssen.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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