Lange Ladezeiten, unzufriedene Nutzer

Bremst Storage die Performance aus?

Lange Ladezeiten oder schlechte Verfügbarkeit von Daten sorgen für Unmut unter den Mitarbeitern. Der viel beschworene Storage-Engpass ist laut Gavin Cohen von Nimble Storage dabei jedoch eher zu vernachlässigen, vielmehr gibt es zahlreiche andere Ursachen für Performance-Einbußen.

  • Gründe für Performance-Engpässe

    Die Mitarbeiter ausgebremst: Was sind die Gründe für Performance-Engpässe?

  • Gavin Cohen, Nimble Storage

    Gavin Cohen, Head of Produktmarketing bei Nimble Storage

IT-DIRECTOR: Herr Cohen, was versteht man unter einem App-Data-Gap und wie kommt es dazu?
G. Cohen:
Eine App-Data-Gap – d.h. die nicht unmittelbare Verfügbarkeit von Daten und Anwendungen – entsteht, wenn ein Nutzer nicht schnell genug auf seine Geschäftsapplikation zugreifen kann, da diese aufgrund verschiedener Hemmnisse der IT-Infrastruktur verlangsamt wird. Darüber hinaus impliziert der Begriff auch ungeplante Wartezeiten bei der Bearbeitung von Daten, wenn IT-Infrastrukturen benötigte Daten nicht schnell genug bereitstellen können.

Hierfür gibt es verschiedenste Gründe, die zumeist in der Architektur liegen. Dass führt zu Performance-Einbußen bei der Verfügbarkeit von Daten und Anwendungen, die Mitarbeiter in Unternehmen benötigen, um effizient zu arbeiten. Dieser Performance-Engpass hat auch Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens, etwa wenn die Konkurrenz einen schnelleren Service bietet. Ursachen dafür verbergen sich in der gesamten IT-Infrastruktur und lassen sich nicht an einzelnen Bereichen festmachen. Das ist im Wesentlichen der Hintergrund unserer beiden kürzlich vorgestellten App-Data-Gap- und Infosight-Studien.

IT-DIRECTOR: Was sind Gründe für die mangelnde Performance?
G. Cohen:
Es gibt nicht den ‚einen’ Grund, wir können sogar eine ganze Reihe von Gründen aufzählen, die zu Verzögerungen in der Auslieferung von Daten und Anwendungen führen. Laut Infosight-Studie, bei der wir die Daten unserer Kunden über den Zeitraum von zweieinhalb Monaten analysiert haben, lassen sich nur 46 Prozent dieser Ursachen auf den Storage, umfassende Hardware- oder Software-Probleme, Software-Updates oder gelegentliche Performance-Einbußen zurückführen.

Die anderen 54 Prozent der ausgewerteten Probleme haben nichts mit dem Storage zu tun: 28 Prozent lassen sich beispielsweise auf fehlerhafte Konfigurationen zurückführen, elf Prozent sind der Interoperabilität zwischen den Systemen geschuldet, nicht mit dem Storage zusammenhängende Verfahren wirken sich zu acht Prozent negativ auf die Performance aus und sieben Prozent der Probleme liegen beim Host, beim Compute oder bei den virtuellen Maschinen. Es liegt also oft nicht am fälschlicherweise gescholtenem Speichersystem, sondern an verschiedenen Quellen.

Bei der Interoperabilität hängen viele auftretende Fehler mit dem Setup der Konfiguration in Windows, Exchange und dem Netzwerkbetrieb auf der Anwendungsebene zusammen. Bei den nicht mit dem Storage zusammenhängenden Verfahren, die sich negativ auf die Performance auswirken, sind zumeist nicht angeschlossene I/O-Systeme (Input/Output) und Netzwerkkonfigurationen, darunter Multi-Pathing, nicht richtig aufgesetzte oder aber unvollständige MTUs (Maximum Transition Units/maximale Übertragungseinheiten) der Auslöser. Probleme am Host, Compute oder bei den virtuellen Maschinen stammen zumeist aus dem Host und aus der Setup-Konfiguration.

IT-DIRECTOR: Was sollten Unternehmen tun, um Performance-Engpässe zu vermeiden? Welche Rolle spielen Speichersysteme in diesem Kontext?
G. Cohen:
Um das App-Data-Gap-Problem zu lösen, müssen Unternehmen verstehen, welche Daten und Anwendungen für die größte Frustration bzw. Wartezeit bei den Mitarbeitern sorgen. Darüber hinaus ist es wichtig, dass Unternehmen wissen, welche Anwendungen für das eigene Geschäftsmodell kritisch sind und welche besonders große Datensätze benötigen. In der Regel sind das die Bereiche, in denen Verzögerungen die Prozesse lähmen und in denen die größten Effizienzpotentiale zu heben sind. Überdies sollten Unternehmen eine rigorose Prüfung ihrer Daten mit vorausschauenden Analysen betreiben, um die schlimmsten Latenzen zu erkennen. Unternehmen brauchen mehr Sichtbarkeit über ihre gesamte Infrastruktur, so dass sie die Probleme schnell erkennen können, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Hier ist der Einsatz von Big-Data-Analyse-Tools sinnvoll.

IT-DIRECTOR: Was sind Beschränkungen, die aus der Verzögerung resultieren? Wie unterscheidet sich die Situation in Deutschland vom Rest der Welt?
G. Cohen:
Der App-Data-Gap ist ein signifikantes Problem in der Geschäftswelt. Mitarbeiter verlieren wertvolle Zeit, weil sie auf die Verfügbarkeit von Daten und Anwendungen warten. Nach unserer Studie, die wir in Kooperation mit Oxford Economics durchgeführt haben, teilten uns 30 Prozent der Befragten mit, dass ihre Mitarbeiter durchschnittlich zehn Prozent ihrer Zeit am Tag verlieren. Allerdings ist das App-Data-Gap-Problem in einigen Ländern wichtiger als in anderen. In Europa und in Deutschland sind die Befragten weitaus mehr gewillt mit dem Problem zu leben, als außerhalb von Europa. Hier zeichnet sich aber auch in Europa ein Wandel ab, denn die Befragten gaben auch zu Protokoll, dass sie vor fünf Jahren noch wesentlich gelassener mit dem Thema umgegangen sind.

In den USA sieht man das deutlich kritischer, hier verlieren mehr als 50 Prozent der Befragte IT-Leiter sogar mehr als zehn Minuten am Tag pro Mitarbeiter. Insgesamt bemerkt einer von fünf Mitarbeitern mehr als sechsmal am Tag eine Verzögerung, wenn sie eine geschäftskritische Software aufrufen. Fast zwei Drittel der Befragten gab außerdem an, dass sie durch die mangelnde Performance darin eingeschränkt werden, ihr bestes Können für die Firma abzurufen.

IT-DIRECTOR: Gibt es auch Generationsunterschiede unter den Befragten?
G. Cohen:
Ja, die jüngeren User sind in der Regel weniger verständnisvoll, wenn sie nicht sofort auf eine Anwendung oder aber einen Datensatz zugreifen können. Diese „Digital Natives“ stellen hohe Erwartungen an ihren Arbeitsplatz und an die Technologie, mit der sie arbeiten. 77 Prozent der Befragten aus dieser Generation gaben in der Umfrage an, dass sie bei auftretenden Performance-Problemen von wichtigen Anwendungen nicht ihre beste Leistung abrufen können. Bei den älteren Arbeitnehmern ist das anders, die sind eher gewillt, Wartezeiten und Ausfälle zu akzeptieren. Hier sind es nur etwa 50 Prozent der Befragten, die sich über lange Ladezeiten ärgern.

Bildquellen: Thinkstock/iStock, Nimble Storage

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok