Wolkige Desktops

Bringt VDI das Ende des realen Desktops in Sicht?

Vielen Unternehmen fehlt die Kompetenz, ein Rechenzentrum selbst zu betreiben. Hyperscaler hingegen beherrschen dies wesentlich besser, weswegen es vorstellbar ist, dass langfristig alle Desktops in die Cloud gehen.

Die ersten Mainframe-Computer

Schon mit den ersten Mainframe-Computern loggten sich die Nutzer in einem Nebenraum über Terminals auf dem System ein und teilten sich die Ressourcen.

Erst die Cloud hat dem dezentralen Arbeiten einen massiven Vorschub gebracht. Während sich dies anfangs auf das Teilen von Dateien über Server beschränkte, laufen mittlerweile ganz selbstverständlich eine große Zahl der täglich genutzten Anwendungen in der Cloud. Als finale Abstraktionsstufe geht der Trend in Richtung vollständig virtualisierter Desktops, also komplette Arbeitsplätze in der Cloud, die sich praktisch von jedem Gerät mit Internetverbindung nutzen lassen.

Alte Bits in neuen Speichern

In der grauen Vorzeit des Computerzeitalters bei IBM in den 1960ern funktionierten die ersten sogenannten Mainframe-Computer nach einem ganz ähnlichen Prinzip wie virtuelle Desktops heutzutage. Während sich im Reinraum der nicht gerade platzsparende Mainframe befand, loggten sich die Nutzer in einem Nebenraum über Terminals auf dem System ein und teilten sich die Ressourcen. Das Personal Computing brachte eine Revolution mit sich und verlagerte die Rechenkapazitäten aus raumfüllenden Rechnerschränken unter die Schreibtische, was aber neue Probleme mit sich brachte: Unternehmen mussten so eine Vielzahl an Geräten managen, die alle gewartet und aktualisiert werden mussten. Die Vernetzung von Computern und die Entwicklung von Serverarchitekturen als zentrale Knotenpunkte in den Netzwerken vereinfachten dieses Problem wieder etwas.

VDI schließt den Kreis

Nach verschiedenen Ansätzen zur Desktopvirtualisierung war das Aufkommen von Virtual Desktop Infrastructure (VDI) Mitte der 2010er-Jahre einschneidend. Im Gegensatz zum Großteil der vorherigen Lösungen setzt VDI komplett auf das Outsourcen der Rechenleistung, was den Endpunkt – sprich das Gerät, mit dem auf den Desktop zugegriffen wird – vollständig entlastet. Die bereits genannten Nachteile lassen sich so praktisch restlos eliminieren. Die Nutzer haben nach wie vor die Freiheit, das Gerät ihrer Wahl zu nutzen, aber alle Ressourcen, Anwendungen und Dateien können wieder zentral gemanagt werden. Alles bleibt „up to date“ und innerhalb des gesicherten Unternehmensnetzwerks. Unternehmen können so z.B. Hardware länger einsetzen – ein Gewinn für die Unternehmens- und Umweltbilanz. Neuinvestitionen fallen um ein Vielfaches geringer aus, da Endgeräte quasi kaum Leistung benötigen. Auch lassen sich Legacy-Applikationen wesentlich einfacher und sicherer weiterbetreiben. Natürlich sind virtuelle Maschinen in der Cloud absolut nichts Neues. Neu aber ist, dass die großen Hyperscaler auf den Plan treten und sich des Themas „VDI“ annehmen.

The next big thing

Ob AWS, Google oder Microsoft – alle stehen in den Startlöchern, den entstehenden Markt für sich zu erobern. Zugegebenermaßen hat Microsoft mit Windows Virtual Desktop (WVD) einen großen Vorsprung. Denn bereits jetzt nutzt eine fünfstellige Zahl von Unternehmen WVD. Dabei reicht das Nutzerprofil von kleinen und mittelständischen Unternehmen mit zehn bis 20 Nutzern bis hin zu großen Firmen beispielsweise aus dem Finanzsektor. Mithilfe von Prognosen wird davon ausgegangen, dass der Markt insgesamt stark wachsen wird, durch eine große Nachfrage seitens Versicherungen, des Gesundheitswesens oder auch des öffentlichen Sektors. Aber wie bereits angedeutet, ist auch bei KMU das Interesse groß, da WVD ihnen eine wirklich skalierbare IT-Infrastruktur als kompletten Managed Service bietet.

Bildquelle: Advanced Digital Network Distribution

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