Messevorschau: IT-Security & Infrastruktur

Cebit soll Leitmesse für Digitalisierung werden

Digitalisierung ist das Trendthema in Wirtschaft und Gesellschaft. ­Daher streben die Messemacher mit dem Fokus auf „digitales Business“ den Wandel der wichtigsten IT-Fachmesse zur Leitmesse für die Digitalisierung an. Sie findet vom 14. bis 18. März in Hannover statt.

Der Bereich „Datacenter Dynamics at Cebit“ bündelt in Halle 12 die Angebote rund um das „Rechenzentrum der Zukunft“.

Vom 14. bis 18. März präsentieren Weltkonzerne, Mittelständler und Startups auf der Cebit die Technik hinter den Kulissen der digitalen Wirtschaft – wie „Big Data“ und Analytics, Cloud-Services, mobile Anwendungen, „Social Business“, Sicherheit oder Industrie 4.0. Partnerland der Messe ist die Schweiz – als Nation, die Studien zufolge beim Einsatz digitaler Technologien im weltweiten Vergleich führend ist. Die Cebit sei auch keine „Computermesse“ mehr, betonte Cebit-Chef Oliver Frese.

„Schweizer Unternehmen investieren einen größeren Anteil ihres Umsatzes in die Digitalisierung als amerikanische oder deutsche Firmen“, sagte Bitkom-Geschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder; damit sei die Schweiz auch ein wichtiger Handelspartner für die Digitalunternehmen.

Am Ende des letzten Jahres rückte die Schweiz unter die Top 10 der wichtig­sten Exportländer für IT- und Telekommunikationsprodukte. „Die Schweiz verzeichnet das mit Abstand stärkste Wachstum unter den zehn wichtigsten Abnehmerländern für IT-Produkte aus Deutschland“, so Rohleder.

Optimismus in der Branche

Wenige Wochen vor der Cebit herrschte in der Digitalwirtschaft der Optimismus vor. Drei Viertel der Unternehmen (74 Prozent) erwarten für das erste Halbjahr steigende Umsätze. „Die Digitalbranche ist eine Wachstumsbranche, das betrifft gleichermaßen Umsätze wie Arbeitsplätze“, so Rohleder weiter. „Die Zuversicht [...] darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir [...] eine große Spreizung sehen.“ Es erwarten aber jeweils acht von zehn Softwareanbietern (81 Prozent) und IT-Dienstleistern (80 Prozent) in den kommenden sechs Monaten steigende Umsätze. Davon wollen auch die Cebit-Macher profitieren – und den anhaltenden Abwärtstrend bei Aussteller- und Besucherzahlen seit dem Boom zum Millennium stoppen.

Die mittlerweile bessere Ansprache von Fachbesuchern kommt bei Ausstellern und Publikum offenbar an; immerhin kamen letztes Jahr 221.000 Besucher und damit etwa 6 Prozent mehr als 2014; dieses Jahr markierte mit 210.000 Besuchern den bisherigen Tiefststand bei den Besucherzahlen seit der Ausgründung der Cebit aus der Hannover-Messe im Jahr 1986. Im vergangenen Jahr wurden 3.300 Aussteller gezählt.

Das Tagesticket wird zum Dauerticket

Wegen der weiteren Professionalisierung der Veranstaltung gibt es bei den Eintrittspreisen erneut Änderungen. Die bisher üblichen Tagestickets wurden zum gleichen Preis (60 Euro) in Dauertickets umgewandelt; diese kosteten letztes Jahr 110 Euro an der Tageskasse. Der Preis der ermäßigten Tickets wird von 25 auf 18 Euro gesenkt. Allerdings gibt es wie schon zuletzt bei den Ausstellern auch jede Menge Freikarten. Und wie schon 2015 – anders als früher – gelten die Cebit-Tickets nicht mehr als Fahrkarte für den Öffentlichen Nahverkehr.

Ziehen soll das Messemotto; es lautet wieder „Dconomy“. Das steht wie im Vorjahr sehr kryptisch für„digitale Wirtschaft“ und wird diesmal verknüpft mit dem Werbeslogan „join – create – succeed“. Damit soll der Mensch in seiner Rolle als Entscheider und Gestalter der digitalen Transformation in den Mittelpunkt rücken. Die Messe will sich dabei auf drei Themenbereiche konzentrieren:
- die Digitalisierung von Märkten, Branchen und Unternehmen
- die Digitalisierung von öffentlicher Hand und Verwaltung
- die Digitalisierung der Gesellschaft.

Als Anlaufstelle für das Ökosystem rund um Innovationen, Gründer, etablierte Unternehmen und Kapitalgeber dient wie bei der Premiere 2015 das Forum Scale11; in Halle 11 präsentieren mehr als 250 Startups neue, digitale und disruptive Geschäfts­modelle. Ergänzend zur Aussstellung gibt es ein Konferenzprogramm, Pitchings, Workshops, Speed-Datings und Networking-Möglichkeiten. Die Veranstaltung ersetzt die Code_n, die nach Karlsruhe abgewandert ist und Mitte September stattfinden soll.

Wichtige Aussteller, prominente Abstinenzler

Aber auch die etablierten Hersteller sind vor Ort, etwa Datev, Dell, Fujitsu, HP, Intel und Vodafone. Und wichtige Cloud-­Provider wie Deutsche Telekom, SAP, Microsoft, Amazon oder Salesforce zeigen Wege zur Digitalisierung auf; Salesforce wird zudem Eventpartner der Cebit und belegt zwei Messehallen für die „World Tour“.

Aufschlussreich ist, wer nicht auf der Cebit vertreten ist. Unter den No-Shows sind Branchengiganten wie Adobe, Apple, Facebook, Google und Oracle ebenso wie die Business-Anbieter CA, Red Hat, Micro Focus, Sage, SAS oder Vmware. Auch viele Player aus der Midrange-Welt – wie Comarch, Infor, Oxaion oder Vision Solutions – sparen sich anders als früher die Cebit-Präsenz.

Spät, aber immerhin widmet die Cebit dem Trendthema „Internet of Things“ einen eigenen Bereich: „IoT Solutions“ in Halle 13 bietet branchenspezifische Anwenderlösungen zum Thema Industrie 4.0. Der Fokus des neuen Ausstellungsbereichs liegt auf Vernetzung und Digitalisierung der Wertschöpfungsketten, Produkte,  Prozesse und Services.

Ebenfalls in Halle 13 gepackt ist der Bereich „Communication & Networks“.  Hier findet der Besucher Technologien und Lösungen für vernetzte Kommunikation und IT-Infrastrukturen – von Breitbandlösungen über M2M bis Unified Communications. Neu ist der Themenpavillon „M2M/IoT“ mit branchenübergreifenden Lösungen zu Machine-to-Machine-Kommunikation und Industrie 4.0. Außerdem dient Halle 13 als erste Anlaufstelle für all diejenigen, die sich über „Unified Communication and Collaboration“ informieren wollen. Mit Technologien wie UCC, All-IP oder SIP Trunking erlebt die Branche aktuell einen Innovationssprung. Technologieanbieter wie AVM, ALE Deutschland, Unify, Herweck, Lancom oder Shure zeigen hier neue Möglichkeiten der Geschäftskommunikation auf.

Rechenzentren fit machen für die Zukunft

Der Bereich „Datacenter Dynamics at Cebit“ bündelt in Halle 12 die Angebote rund um das „Rechenzentrum der Zukunft“. Im RZ-Markt geht es wie seit jeher um höhere Verfügbarkeiten, immer größere Datenmengen und steigende Anforderungen an die Sicherheit. Neben den „klassischen“ RZ-Themen werden hier erstmals auch Speicher- und Servertechnologien sowie Cloud-basierte IT-Services präsentiert.

Außerdem wird der Konferenzbereich um das Thema „Open Source/Open Compute“ kostenfrei für Besucher zugänglich gemacht. Was ist mit Micro- und Edge-Rechenzentren? Wie können wir mit der IT-Infrastruktur den Bedürfnissen der Zettabyte-Ära entgegenkommen? Solche Fragen werden Experten von Schneider Electric, Akamai, Huawei, Microsoft, Google und Amazon Web Services auf der DCD-Hauptbühne in Halle 12 beantworten.

Rittals Hauptstand (Stand B33) adressiert vor allem mittelständische Firmen, die für ihr Geschäftsmodell ein energieeffizientes und zukunftssicheres RZ benötigen. Die Schwerpunkte des Messeauftritts bilden Komplettlösungen, die von Einzelschranklösungen (Smart Packages) über „Micro Data Center“ bis zu Containern für Rechenzentren reichen. So lassen sich IT-Umgebungen etwa mit vorkonfigurierten Plug&Play-Modulen in Form von Containern zu klar definierten Betriebskosten aufbauen. Highlight ist das „Balanced Cloud Center“ Rimatrix BCC, das aus standardisierten Server-, Klima- und Power-Containern besteht und gemeinsam mit der Innovo Cloud GmbH entwickelt wurde. Außerdem zeigt Rittal in Halle 2 gemeinsam mit IBM einen ausgebauten RZ-Container, wie er standardmäßig im Lefdal Mine Data Center in Norwegen zum Einsatz kommt.

Bei Schneider Electric (Stand A53) geht es um intelligente Lösungen für Planung, Konstruktion und  Betrieb von Rechenzentren – für ein „Mehr“ an Geschwindigkeit und Leistung bei gleichzeitig geringeren Kosten: Werkzeuge und Referenzdesigns, Dienstleistungen für den gesamten RZ-Lebenszyklus (Bewertung, Planung, Konstruktion, Bau und Betrieb) sowie Infrastruktur-Lösungen einschließlich vorgefertigter Komponenten und Software für das Data Center Infrastructure Management (DCIM). Im Zentrum steht dabei dieses Jahr das vorgefertigte, modulare RZ. Als Beispiel dafür dient ein Mini-Rechenzentrum – mit allem, was dazugehört: kompletten Racks, hängenden Kaltwassersätzen zur Kühlung, der dreiphasigen USV Galaxy VM, Sammelschienen-Stromverteilung für Redundanz und der Lösung Netbotz zur Umgebungsüberwachung. Das Mini-RZ zeichnet sich durch eine 60-minütige Feuerbeständigkeit aus und ist mit Branderkennungssystem und Feuerlöschanlage ausgestattet. Die Zugangskontrolle erfolgt mittels Fingerabdruck.

Steife Brise im Serverraum

Auf dem Gemeinschaftsstand für junge Unternehmen in Halle 11 präsentiert sich in diesem Jahr mit der nordfriesischen Windcloud GmbH (Stand D33, 5) ein ambitioniertes Projekt. Inspiriert durch die große Konzentration von Windkraftanlagen zur Energieerzeugung in ihrer Region nahe der dänischen Grenze, entwickelten die Windcloud-Gründer eine RZ-Lösung, die zu einhundert Prozent mit regenerativer, lokal erzeugter Energie betrieben werden kann. Der Cloud-Hoster mit eigenem Rechenzentrum am Standort Braderup. kann durch die Verwendung eines Hybridspeichers große Mengen Windenergie speichern und so das Rechenzentrum auch bei Flaute weiter betreiben. Darüber hinaus können auch Solar- und Biogasstrom zur Versorgung und Absicherung eingesetzt werden.

Wie sich Unternehmen vor Cyberangriffen schützen können, zeigt der Schwerpunkt „Business Security“ in Halle 6. Dort laden die Anbieter von Antivirus-Systemen, E-Mail-Sicherheit sowie Cloud- und Internet- bzw. Netzwerk-Sicherheit zum „Sicherheits-Check“. Ein Fachforum soll praxisnahe Informationen zur ganzheitlichen IT-Sicherheit in Unternehmen liefern. Auf der „Security Plaza“ präsentieren Aussteller aus der Sicherheitsbranche ihre Produkte und Dienstleistungen.  

Eine sichere Attraktion wird das „Cyber Defence Center“ von Airbus in der Security-Halle 6 (Stand G28): Reale Szenarien zeigen die typischen Vorgehensweisen von Hackern. Die Experten aus dem führenden Verteidigungs- und Raumfahrtkonzern Europas erläutern, wie sie Cyber-Angriffe erkennen, analysieren und abwehren. Während im Security Operation Center das Monitoring von Angriffen stattfindet, ermöglicht das Cyber Defence Center zusätzlich die detaillierte Analyse. Damit ist es in vielen Fällen möglich, Attacken aus dem Internet schon während der Entstehung zu erkennen und abzuwehren, bevor ein Schaden entsteht.

Managed Endpoint Security

Wie sich Unternehmen vor Cyberangriffen schützen
Unter dem Motto „Schärfer sehen dank Security Intelligence“ tritt Kaspersky Lab (H6, F18) an. Hier soll ein brandneues Produkt Premiere feiern, das einen besonderen Schutz vor hochentwickelten fortschrittlichen Cyberangriffen bietet. Sophos (H6, E15) rückt das Thema „Synchronized Security“ in den Fokus. Dabei geht es vor allem um Endpoint- und Netzwerk-Security mit der neuen so genannten „Heartbeat“-Funktion: Der Security Heartbeat übermittelt in Echtzeit Informationen zwischen Endpoints und der Firewall, um ein verdächtiges Verhalten einzelner Geräte im Firmennetz oder bösartige Attacken von außen zu erkennen.

Die neue Business-Security-Generation von G Data (H6, D16) soll mit neuen Features und Zusatzmodulen (wie etwa Netzwerk-Monitoring) für mehr Sicherheit sorgen. Das Ziel: Mit nur einer Lösung sichern IT-Verantwortliche alle Clients, Server und Mobilgeräte im Unternehmen ab. Eine weitere Neuheit des Herstellers ist Managed Endpoint Security powered by Microsoft Azure: Die Cloud-Lösung mit Rechenzentren auf deutschem Boden schützt sensible Unternehmensdaten vor fremdem Zugriff.

Unbemerkt nisten sich manche Schadprogramme beim Surfen im Firmennetz ein. Das Tool „Safe Surfer“ von Secunet (H6, G30) eliminiert diese Gefahr: Der Webbrowser läuft nicht auf dem Mitarbeiter-PC, sondern auf einem externen Server. So wird sichergestellt, dass Schadprogramme weder auf den Computer noch ins Netzwerk gelangen. Eine integrierte Datenschleuse sorgt zudem für den sicheren Dateitransfer von Downloads ins interne Netz.

Ob direkt an den Ständen der Aussteller oder im speziellen Cebit-Bereich „Job and Career at Cebit“ in Halle 11 – die Messe gilt nach wie vor als größte Jobbörse für Arbeitgeber und Arbeitsuchende in der digitalen Wirtschaft.
Viele Unternehmen präsentieren hier ihre vakanten Positionen in Vorträgen und an der multimedialen Jobwall. Job­suchende können sich über das ak­tuelle Angebot an freien Arbeitsplätzen informieren.

Übrigens: Der Termin für die übernächste Cebit steht auch schon fest. Sie öffnet vom 20. bis 24. März 2017 ihre Pforten.

Bildquelle: Rittal

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