Nachgefragt bei Diamant Software

Chancen der E-Bilanz noch nicht erkannt

Interview mit Rüdiger Müller, kaufmännischer Geschäftsführer bei der Diamant Software GmbH, und Peter Diestelhorst, E-Bilanz-Experte bei dem Finanzspezialisten

  • Rüdiger Müller, Diamant

    Rüdiger Müller, kaufmännischer Geschäftsführer bei Diamant Software

  • Peter Diestelhorst, Diamant

    Peter Diestelhorst, E-Bilanz-Experte bei Diamant Software

IT-DIRECTOR: Herr Müller, inwieweit sind Unternehmen in Deutschland bereits auf die E-Bilanz vorbereitet?
R. Müller: Nur rund 20 Prozent der mittelständischen Unternehmen haben schon heute das fachliche Know-how, um mittelfristig die Anforderungen der E-Bilanz erfüllen zu können. Und nur wenige Unternehmen scheinen erkannt zu haben, welche Chancen die E-Bilanz für sie bietet. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die wir zur Jahreswende 2011/2012 durchgeführt haben und bei der Unternehmen mit 30 bis 1.200 Mitarbeitern befragt wurden.

Dabei ist der erste Blick auf die Ergebnisse der Umfrage vielversprechend: Gut die Hälfte der Befragten gibt an, sich sogar unterjährig mit Abschlüssen zu beschäftigen. Und immerhin 40 Prozent erstellen ihren Jahresabschluss weitgehend ohne Unterstützung durch Dritte. Diese Zahlen lassen vermuten, dass eine relativ große Gruppe schon heute offen für die E-Bilanz ist, weil sie sich selbst intensiv mit dem Jahresabschluss auseinandersetzen. Sie übernehmen also nicht nur die Kontenabstimmung und überlassen den Abschluss dem Steuerberater. Die Meldung der E-Bilanz ist jedoch ohne fundiertes steuerrechtliches Fachwissen nicht zu empfehlen. Vorbereitende Tätigkeiten, wie die Einrichtung eines taxonomiekonformen Kontenplans, sind aber auf jeden Fall sinnvoll.

IT-DIRECTOR: Herr Diestelhorst, welche Daten müssen die Betriebe im Rahmen von E-Bilanz nun elektronisch übermitteln?
P. Diestelhorst: Im Rahmen der E-Bilanz muss entweder die Handelsbilanz zusammen mit einer sogenannten „steuerlichen Überleitungsrechnung“ oder direkt die Steuerbilanz elektronisch übermittelt werden. Die Übermittlung erfolgt im standardisierten XBRL-Format. Der inhaltliche Aufbau des XBRL-Datensatzes wird durch eine steuerliche XBRL-Taxonomie definiert.

IT-DIRECTOR: Wo lauern für die Verantwortlichen mögliche Gefahren bei der Umstellung auf die E-Bilanz?
R. Müller: Ein entscheidender Punkt bei der E-Bilanz ist die Abbildung der steuerrechtlichen Wertansätze, wozu sich eine parallele Rechnungslegung nach HGB bzw. IFRS und Steuerrecht anbietet. Im Rahmen einer „integrierten Steuerbuchführung“ wird dabei das Steuerrecht innerhalb der Buchhaltung – als wichtige Basis für die Meldung der E-Bilanz – umgesetzt.

Dieses Thema scheint im Mittelstand aber noch nicht weit verbreitet zu sein. Laut unserer Umfrage beschäftigen sich derzeit nur 37 Prozent der mittelständischen Unternehmen aktiv mit den Unterschieden zwischen Handels- und Steuerrecht. Lediglich 16 Prozent der Befragten geben an, Übergangsrechnungen von der Handels- in eine Steuerbilanz direkt in ihrem Rechnungswesen – und damit integriert – abzubilden. Eine separate Steuerbilanz neben dem HGB-Abschluss erstellen derzeit nur rund 17 Prozent der Unternehmen. Lediglich 18 Prozent der Umfrageteilnehmer ermitteln zudem auch latente Steuern komplett autark – ein wichtiger Gradmesser, ob das fachliche Know-how zur Übermittlung der E-Bilanz im Unternehmen vorhanden ist.

Desweiteren sollten Firmen vor Beginn des zu meldenden Wirtschaftsjahres sicherstellen, dass ihr Kontenplan und alle Buchungsanweisungen taxonomiekonform aufbereitet sind. So legen sie die notwendige Datenbasis im geforderten Detailierungsgrad für eine spätere reibungslose Übermittlung der E-Bilanz.

IT-DIRECTOR: Inwieweit kann die E-Bilanz mit bereits vorhandener Finanzsoftware gestemmt werden? Oder müssen Unternehmen eine Aktualisierung Ihrer Finanzsysteme vornehmen bzw. diese um neue Funktionen ergänzen? Wenn ja, um welche?
P. Diestelhorst: Ohne Ergänzung der bestehenden Systeme kann der Umstieg auf die E-Bilanz nicht gelingen. Wir haben für unsere Kunden über die Entwicklung neuer Module eine in das Rechnungswesen voll integrierte Lösung geschaffen. Aus einem Baukasten von Taxonomien, Vorlagen und Konten konfigurieren sich die Kunden – je nach Bedarf – ihr zentrales Bearbeitungsfenster. Dort erfolgt – wahlweise unter Nutzung von mit ausgelieferten oder selbst erstellten Vorlagen – das Mapping der Konten auf die Taxonomiepositionen. Die neuen Softwaremodule ermöglichen neben der Sicherstellung eines taxonomiekonformen Kontenplans auch die eigentliche Meldung der E-Bilanz an die Finanzbehörden direkt durch die Mitarbeiter der Buchhaltung in den Unternehmen. Investitionen im Bereich der Hardware sind i.d.R. nicht erforderlich.

IT-DIRECTOR: Wie kann die Sicherheit der Finanzdaten gewährleistet werden – zum einen auf Seiten des Anwenderunternehmens und zum anderen auf der der Finanzbehörde?
P. Diestelhorst: Der Zugriff auf Seiten des Anwenderunternehmens ist über die Vergabe von Berechtigungen gewährleistet. Die eigentliche Übertragung erfolgt authentifiziert und verschlüsselt. Ein Übertragungsprotokoll nebst vom Finanzamt vergebenen Transferticket weisen die erfolgreiche Meldung nach. Die Meldedaten werden unveränderbar gespeichert und müssen revisionssicher Archiviert werden.

IT-DIRECTOR: Inwieweit sind die Wirtschaftsprüfer hierzulande bereits auf die E-Bilanz vorbereitet?
R. Müller: Die Frage wäre direkt an die Steuerberater/Wirtschaftsprüfer zu richten. Unsere Umfrage hat die nach wie vor wesentliche Rolle von Steuerberatern bei den Abschlussarbeiten bestätigt. Insofern ist zu hoffen, dass die Steuerberater/Wirtschaftsprüfer hier deutlich besser vorbereitet sind, als es ihr mittelständisches Klientel derzeit noch ist.

IT-DIRECTOR: Welche Neuregelungen im Bereich der Finanzbuchhaltung sind vom Steuerbürokratieabbaugesetz (Steubag) in naher Zukunft noch zu erwarten?
P. Diestelhorst: Alles, was derzeit noch mit der traditionellen Briefpost versendet werden muss und bei den Behörden Papier-, Porto-, Erfassungs- und Bearbeitungsaufwand verursacht, wird früher oder später durch elektronische Alternativen ersetzt werden.

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