Grüner wird's nicht

Cloud-Konzepte: Bloß nicht zögern!

Nach Meinung von IT-Experten haben sich Private- und Public-Cloud-Konzepte mittlerweile etabliert. Unter­nehmen, die weiterhin zögern, Cloud-Lösungen in ihre IT- und Unternehmensstrategien zu integrieren, laufen Gefahr, ihre Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel zu setzen.

Unternehmen sollten nicht zu zögerlich bei der Einführung von Cloud-Konzepten sein, denn grüner wird's nicht.

Unternehmen sollten nicht zu zögerlich bei der Einführung von Cloud-Konzepten sein, denn grüner wird's nicht.

„Die Cloud ist heute Commodity“, bringt Matthias Zacher, Manager Research & Consulting bei IDC Deutschland, die Ergebnisse einer aktuellen IDC-Studie auf den Punkt. In den vergangenen Jahren wurden demnach in rascher Folge Technologien, Lösungsansätze, Frameworks und Deployment-Modelle neu entwickelt und optimiert. „Cloud Computing in seinen unterschiedlichen Facetten hat sich u. a. durchgesetzt, weil es die Fragen nach Compliance, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit, Skalierbarkeit, Agilität und Kundenzufriedenheit beantwortet hat“, erklärt Zacher. Cloud-Services und Cloud-Technologien verfügen nach seinen Worten über ein großes Potential zur Verbesserung der internen Prozesse, zur Erhöhung der Profitabilität oder auch zur Digitalisierung von Prozessen und Geschäftsmodellen.

Während einige Unternehmen diese Erkenntnis zwar teilen, jedoch noch nicht mit der Umsetzung produktiver Konzepte begonnen haben, haben viele andere bereits definiert, welche Cloud-Technologien für welchen Anwendungsfall genutzt werden bzw. genutzt werden sollen. „Die Bandbreite der Einsatzszenarien ist extrem groß und umfasst alle IT-Ressourcen eines Unternehmens: ­Während sich Standardanwendungen mit geringem Aufwand aus der Cloud nutzen lassen, bleibt die Überführung von firmenkritischen Anwendungen in die Cloud weiterhin eine anspruchsvolle Aufgabe“, so Zacher.

Mit offenen Standards zur Multi-Cloud


Die ursprüngliche Vorstellung, dass alles in Public Clouds wandern würde, hat sich also nicht bewahrheitet. Ziel der Anbieter von Cloud-Services ist es stattdessen, die Kunden zu unterstützen, die ihre lokalen Systeme erhalten, gleichzeitig aber auch eine Vielzahl von Cloud-Plattformen und Anbietern nutzen wollen. Die Herausforderung liegt dabei in der Integration.

Auch wenn viele Unternehmen mehr geschäftskritische Anwendungen in die Cloud verlagern möchte, zögern sie aktuell noch aufgrund der Leistungsfähigkeit, des Integrationsaufwands und der internen Sicherheits- und Datenschutzbestimmungen. Um diese Herausforderungen zu adressieren, hat etwa IBM im Oktober eine neue Technologie vorgestellt. Nach IBM-Angaben können Unternehmen damit Multi-Cloud-Systeme offen und interoperabel betreiben. Die Lösung, die mehr Transparenz bei den Geschäftsprozessen, mehr Kontrolle und höhere Sicherheit bieten soll, ist für die IBM Cloud optimiert, integriert aber auch Cloud-Lösungen anderer Anbieter wie Amazon, Red Hat und Microsoft.

Der volle Umfang der Möglichkeiten der Business-Cloud ist nach den Worten von Arvind Krishna von IBM Hybrid Cloud vielfach noch nicht komplett erkannt. „Es geht nicht einfach nur um eine Computer-Infrastruktur, die genutzt wird. Unternehmen setzen auf die Cloud, um ihre geschäftskritischen Geschäftsprozesse zu modernisieren, zu transformieren und neue Geschäftsservices einzuführen. Dies erfordert einen interoperablen Ansatz für die Cloud, der auf offenen Standards basiert und es Kunden ermöglicht, Anwendungen und Workloads über Cloud-Systeme hinweg zu verwalten. So kann sich der volle Geschäftsnutzen der Cloud entfalten“, meint Krishna. Beim Bestreben, durch den Einsatz von Cloud-Services die Effizienz von Geschäftsprozessen zu steigern, dürfen firmeninterne Sicherheits- und Datenschutzbestimmungen aber nicht auf der Strecke bleiben.

Führende Anbieter von Sicherheitslösungen haben diese Notwendigkeit erkannt und ihre klassischen Security-Plattformen sukzessive erweitert. Mit seiner Integrated Cyber Defense Platform adressiert beispielsweise Sy­mantec diese Herausforderungen einer umfangreichen Suite an Technologien und Lösungen, die nach eigenen Angaben alle Cloud-Security- und Compliance-Anforderungen abdecken soll. Die Integrated Cyber Defense Platform bietet integrierte Security-Lösungen, die aus einem robusten Set an IaaS-, PaaS- und SaaS-Technologien bestehen, so der Anbeiter.

Nicht in kompletter Eigenleistung


Die kürzlich vorgestellte Cloud Workload Assurance integriert Sicherheitszustands-Management, Cloud Workload Protection (CWP) for Storage mit Data Loss Prevention (DLP) und CloudSOC CASB (Cloud Access Security Broker). Diese neuen Funktionen sollen die Sicherheit der Infrastruktur stärken und Richtlinienkontrolle sowohl für Cloud-Daten als auch für die Control Plane der Cloud-Anwendungen bieten.

Für NTT Security ist eine umfassende Automatisierung Grundlage für ein erfolgreiches IaaS-Deployment. „Compliance und Configuration Automation sind heute ein absolutes Muss für Cloud-Umgebungen. Damit kann zu jeder Zeit sichergestellt werden, dass eine Infrastruktur gehärtet ist, dass die Compliance-Richtlinien eingehalten werden und dass schnelle Reaktionen erfolgen“, erklärt Franck Braunstedter, Senior Manager Cyber Defense und Cloud Security bei NTT Security. Allerdings ist nach seiner Aussage die Implementierung dieser Lösungen technologisch wie prozessual recht komplex.

Viele Unternehmen können die Planung und den Aufbau von Cloud-Infrastrukturen nicht in kompletter Eigenleistung bewältigen. Dafür fehlen entsprechende IT-Fachkräfte, aber auch Fach- und Branchen-Know-how sowie Best Practices. Gefragt ist daher oftmals die externe Unterstützung durch IT-Sourcing-Berater.

Nach einer aktuellen Studie des Beratungshauses Lünendonk bündeln immer mehr Anwenderfirmen bei der externen Vergabe von Projekten an Dienstleister verschiedene Bestandteile, wie beispielsweise Prozessberatung, IT-Strategie, IT-Architektur und Technologieauswahl. Dabei entfallen mit 43 Prozent die meisten Nennungen auf IT-Sourcing-Generalisten, also auf Beratungen, die alle Sourcing-Themen abdecken. 38 Prozent der Befragten sehen Managementberatungen, bei denen IT-Sourcing Teil ihres Beratungsportfolios ist, als bevorzugte Anbietergruppe, während 34 Prozent auch IT-Sourcing-Beratungen beauftragen, die Themen aus der Management- und IT-Beratung mit abdecken. „Je nach Fokus des Projekts und Schwerpunkt der extern ausgeschriebenen Inhalte wählen Anwenderfirmen verschiedene Typen von Beratungsunternehmen“, analysiert Studienautor Mario Zillmann. „Es wird jedoch deutlich, dass Generalisten tendentiell bessere Chancen haben als Spezialisten, da sich immer mehr Beratungsfelder miteinander verzahnen.“

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Gleichzeitig zeigt sich ein neuer Trend in der Zusammenarbeit mit den firmeninternen Fachbereichen. Cloud-Migration, Hybrid-/Multi-Cloud, Cloud-Orchestration, DevOps, APIs und Business-/IT-Alignment sind laut Zillmann nicht mehr nur für CIOs wichtige Themen. Vielmehr sorgt der hohe Reife- und Akzeptanzgrad von Cloud-Technologien dafür, dass diese immer öfter die technologische Basis von Digitalisierungsstrategien der Fachbereiche bilden.

Nutzenvorteile überwiegen vorhandene Bedenken


In einer Trendanalyse hat IDC im September dieses Jahres 200 deutsche Unternehmen jeder Größe und aus allen Branchen befragt, die Cloud-Technologien nutzen bzw. deren Einsatz planen. 90 Prozent der Befragten haben eine Cloud-Strategie definiert. 15 Prozent nutzen bereits Multi-Cloud-Lösungen. Die Nutzenvorteile der Multi-Cloud überwiegen dabei vorhandene Bedenken und lassen technologische Herausforderungen in den Hintergrund treten. „Die Anbieter von Cloud-Technologien sind gefordert, Aufklärungsarbeit zu leisten und die Anwender abzuholen. Cloud Computing hat die Disruption der Nutzung von IT erfolgreich eingeleitet und wird sie Hand in Hand mit anderen technologischen Entwicklungen weiter vorantreiben“, resümiert Matthias Zacher.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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