Clevere Managementtools: Kommentar von Oliver Bendig, Matrix42

Cloud sei Dank

Im Kommentar erläutert Oliver Bendig, Vice President Product Management bei Matrix42, die Möglichkeiten von Cloud Computing und dass es in der heutigen IT eine der wichtigsten Herausforderungen sei, die Brücke zwischen traditioneller Technologie und Cloud-IT herzustellen und die Komplexität durch clevere Managementtools wieder zu reduzieren.

Oliver Bendig, Matrix42

Oliver Bendig ist Vice President Product Management bei Matrix42.

Um es gleich vorweg zu sagen: Wer mit dem Einsatz von Cloud-Lösungen primär Geld sparen möchte, verfolgt das falsche Ziel. Das ist schade, zumal sich viele Unternehmen eben dadurch Kostenreduktionen erhoffen. Erfreulich ist allerdings, dass ihnen Cloud-Lösungen stattdessen einen anderen Wunsch erfüllen: den nach mehr Flexibilität. Immerhin versprechen sich 27 Prozent der DACH-Unternehmen von der Cloud eine größere Agilität.

Zwar liegt Deutschland im internationalen Vergleich beim Cloud Computing weit hinten, aber in den letzten 24 Monaten ist Bewegung in die Sache gekommen. Die zunehmende Anzahl von Smartphones und anderen mobilen Endgeräten hat dazu geführt, dass sich jetzt auch die Deutschen verstärkt mit Cloud-Services auseinandersetzen, um ihre IT immer und überall zur Verfügung zu haben. Das wiederum zieht diverse Konsequenzen nach sich. Zum einen bewegt sich der CIO eines Unternehmens immer mehr in einem Spannungsfeld zwischen Innovation, Agilität und Kostenoptimierung und zum anderen wandelt sich der Arbeitsplatz hin zu einem orts- und geräteunabhängigen, hochverfügbaren, cloud-basierten IT-Service oder – wie Gartner es nennt – „Workspace“.

Auf dem Weg zur Personal Cloud

Das alles wäre ohne die Cloud nicht möglich. Sie veranlasst beispielsweise den CIO dazu, immer öfter nach dem „Don´t own stuff“-Prinzip vorzugehen, indem er sich für Cloud-Lösungen entscheidet, für deren Funktionieren er keine Infrastruktur vor Ort benötigt. Das macht vor allem für die IT des Arbeitsplatzes der Zukunft mehr als Sinn, denn durch die immer mobiler arbeitenden Anwender wird der IT-Arbeitsplatz mittelfristig durch eine Art „Personal Cloud“ ersetzt werden. Hierbei handelt es sich um einen Technologiemix, in dem Arbeitsplatzkomponenten wie Speicherplatz, Apps, Updates, Konfiguration bis hin zu Verwaltung über moderne Cloud-Lösungen, aber auch traditionelle On-Premise-Komponenten zu einer Personal Cloud für den Anwender geformt und bereitgestellt werden. Das bedeutet, dass jeder seine persönliche Cloud hat, in der sämtliche Daten hinterlegt sind. Folglich wird es in Zukunft beim Arbeitsplatzmanagement viel stärker darum gehen, die Personal Cloud bereitzustellen und Zugriffe auf Apps und die verwendeten digitalen Identitäten zu verwalten. Das Management des IT-Arbeitsplatzes verändert sich: weg von der Installation von physischen, virtuellen und mobile Apps, hin zum „authentifizieren“ und „autorisieren“ von Software-as-a-Service-Apps (SaaS) und Cloud-Services.

Auch wenn diese Prognose vielleicht noch skeptisch beäugt wird, ist heute schon deutlich zu erkennen, dass die deutsche Wirtschaft diesen Weg eingeschlagen hat: Die IT in unseren Unternehmen ist geprägt durch Heterogenität. Eine der wichtigsten Herausforderungen der heutigen IT ist es somit, die Brücke zwischen traditioneller Technologie und Cloud-IT herzustellen und die zugenommene Komplexität durch clevere Managementwerkzeuge wieder zu reduzieren und verwaltbar zu bekommen.

Start-ups machen es vor

Dass diese Szenarien durchaus realistisch sind, zeigt ein Blick auf junge Start-up-Unternehmen: Unabhängig vom Geschäftsmodell ist bei Start-ups die IT von zentraler Bedeutung, die Struktur derselben aber unprätentiös. Wer heute ein Unternehmen gründet und keine IT-Altlasten zu verwalten hat, konsumiert wie selbstverständlich Storage, E-Mail, Customer Relationship Management (CRM), Enterprise Resource Planning (ERP) und IT-Management aus der Cloud. Warum sollte sich ein neu gegründetes Unternehmen heute noch On-Premise IT zulegen? Neben dem Vorteil, die Anschaffungskosten zu reduzieren und IT-Kosten auf Betriebskosten umzulegen, ist vor allem die hohe Flexibilität bei der Erweiterung oder Reduktion der IT-Infrastruktur ein Vorteil für junge Unternehmen. Die IT-Abteilung eines Start-ups ähnelt vielmehr einem Cloud-Service-Provider bzw. einem Einkäufer und Vertragsjongleur von Cloud-Lösungen, die IT kümmert sich mehr um die Rechtevergabe von IT-Services als um Rollouts. Ein Modell, von dem etablierte und gewachsene IT-Organisationen sicherlich lernen können.

Die Cloud hat letztlich nicht nur zu einer nachhaltigen Veränderung in der IT, sondern auch beim Mitarbeiter und Anwender geführt: weg vom festen Arbeitsplatz und vorgegebenen Arbeitszeiten hin zu mehr Flexibilität und Agilität; heute können schon viele Angestellte arbeiten, wann, wo und wie sie möchten. Zukünftig werden es noch mehr sein. Und wem das zu viel wird, der gönne sich einfach mal eine Pause und verabrede sich stattdessen via Facebook mit seinen Freunden – Cloud sei Dank.

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