Hybride Cloud-Umgebungen

Cloud-Services von Drittanbietern

Interview mit Peter Knapp, Geschäftsführer der Interxion Deutschland GmbH, über die Verbreitung hybrider Cloud-Konzepte und die damit verbundenen Anforderungen an moderne Rechenzentren

Peter Knapp, Interxion

Peter Knapp, Geschäftsführer der Interxion Deutschland GmbH

IT-DIRECTOR: Herr Knapp, ein Blick in die Praxis: Immer mehr Rechenzentren von Großunternehmen kommen in die Jahre. Wann sollten sich die Verantwortlichen für einen kompletten Neubau entscheiden? Und wann reicht die Modernisierung des Data Center aus?
P. Knapp:
Der Neubau oder die Erweiterung eigener Rechenzentren ist nur eine Alternative für Unternehmen, die ihre IT nach dem neuesten Stand der Technik betreiben möchten. Immer häufiger kaufen die IT-Verantwortlichen heute IT-Services von Drittanbietern ein oder lagern Teile der eigenen Infrastruktur in  externe Rechenzentren aus (Colocation). Dort gehören optimale Klimatisierung, unterbrechungsfreie Stromversorgung, neue Brandschutzanlagen und mehrstufige Sicherheitskonzepte zur Grundausstattung. Colocation spart den Unternehmen Investitionen in ein eigenes Rechenzentrum, gleichzeitig bleiben sie flexibel und können ihre Kapazitäten nach Bedarf skalieren.

Generell gelten Rechenzentren von Drittanbietern inzwischen als „Wirtschaftsmotoren“, die in den nächsten fünf Jahren das Fundament der digitalen Gesellschaft bilden sollen. Treiber für diese neue Rolle sind die in den Rechenzentren entstehenden digitalen Ökosysteme: Derzeit wachsen in unseren Rechenzentren in ganz Europa aktive Communitys aus dem Cloud-Sektor sowie der Finanz- und Digital-Media-Branche. Diese Marktteilnehmer betreiben dort ihre Infrastruktur und bilden Hubs in unmittelbarer Nähe zu einer großen Auswahl an Carriern, ISPs und anderen Connectivity-Anbietern.

IT-DIRECTOR: Welche Themen dominieren diese Entwicklung?
P. Knapp:
Hybride Cloud-Umgebungen, die derzeit bei 58 Prozent der deutschen Unternehmen schon umgesetzt sind, zeichnen sich als eines der wichtigsten IT-Konzepte ab. Hierbei werden Daten aus On-Premise-Rechenzentren sowie ausgelagerten Public und Private Clouds verarbeitet. Dabei leistet die Integration von Cloud-Services durch einen Drittanbieter gute Dienste und bietet verschiedene Vorteile: Unternehmen, die offene Fragen hinsichtlich Sicherheit, Zuverlässigkeit und Leistung der Cloud-Umgebung haben, können mit der sogenannten Cloud-Bursting-Methode bestimmte für sie interessante Services zunächst ausprobieren und testen.

Durch die punktuelle Auslagerung von IT-Diensten in die Public Cloud zu Spitzenzeiten sparen Unternehmen zusätzlich Kosten. Für Organisationen, die zwar gelegentliche Systemüberlastungen kennen, für die ein Ausbau ihrer Infrastruktur aber eine Überdimensionierung darstellen würde, ist das eine gute Lösung. Plattformübergreifende Interaktionen sind bei den meisten Enterprise-Anwendungen selbstverständlich. Allein aus diesem Grund sind hybride Lösungen ein geeigneter Ansatz für Unternehmen, die es vermeiden wollen, alle Prozesse in eine einzige Cloud zu verlagern. Die Voraussetzungen für den Aufbau hybrider Lösungen sind besser denn je, denn das Enterprise-Rechenzentrum (inhouse oder bei einem Drittanbieter), ist bereits zumindest teilweise virtualisiert.

Die Spielarten für den Aufbau hybrider IT-Konzepte sind sehr vielfältig. Auch standortferne Cloud-Umgebung, die entweder in einem weiteren Enterprise-Rechenzentrum (Private Cloud) oder auf der Plattform eines Cloud-Service Providers (virtuelle Private oder Public Cloud) laufen, die von mehreren Kunden genutzt wird („Multi Tenant“), sind mittlerweile sichere Alternativen. So funktioniert die WAN-Connectivity zwischen beiden Standorten üblicherweise über sichere Internet-VPN-Verbindungen und es gibt eine große Auswahl an leistungsfähigen Endgeräten für den Zugriff auf die Anwendungen, die in der hybriden Umgebung betrieben werden.

IT-DIRECOR: Welche Begebenheiten sollten bei der RZ-Standortwahl unbedingt berücksichtigt werden?
P. Knapp:
Laut einer Untersuchung von Borderstep Institut und Bitkom ist Deutschland mit insgesamt rund 51.100 Rechenzentren der größte europäische und weltweit einer der Top fünf Rechenzentrumsstandorte. Zu dieser führenden Position tragen vier Standortvorteile bei, die für RZ-Betreiber besonders wichtig und in Deutschland außergewöhnlich stark ausgeprägt sind: Datenschutz, Rechtssicherheit, Stromversorgung und Konnektivität.

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