Rechenzentrumsbetrieb im Outsourcing

Colocation als Alternative

Im Interview erläutert Peter Dümig, Field Product Manager Enterprise Solutions bei Dell, warum Colocation eine interessante Alternative zu einem Rechenzentrumsneubau darstellt.

Peter Dümig, Dell

Peter Dümig, Field Product Manager Enterprise Solutions bei Dell

IT-DIRECTOR: Herr Dümig, ein Blick in die Praxis: Immer mehr Rechenzentren von Großunternehmen kommen in die Jahre. Wann sollten sich die Verantwortlichen für einen kompletten Neubau entscheiden? Wann reicht die Modernisierung des Data Center aus?
P. Dümig:
Hier ist eine pauschale Aussage kaum möglich, da zu viele Parameter berücksichtig werden müssen. Am Ende eines detaillierten Evaluationsprozesses müssen die Unternehmen eine Entscheidung unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten treffen, also welcher Weg für die kommenden zehn Jahre der günstigere ist. Viele Unternehmen gehen einen dritten Weg, nutzen Colocation und lagern damit das Thema Raumbedarf, Strom und Kühlung aus.

IT-DIRECTOR: Wie lässt sich am besten ein passender Standort für einen Neubau ermitteln?
P. Dümig:
Bei der Standortwahl sind eine Reihe von Aspekten zu berücksichtigen: Anbindung an WAN/Internet, Stromversorgung und Kühlung, Standortfaktoren wie die benötigte Fläche und die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal. Aufgrund der heute vorhandenen schnellen Anbindungen muss sich das Rechenzentrum nicht notwendigerweise in der unmittelbaren Nähe des Firmenstandorts befinden. Bei Hosting können zusätzlich noch rechtliche Faktoren eine Rolle spielen. Für Betreiber mit Firmensitz in Deutschland gilt das Bundesdatenschutzgesetz, das strikte Vorschriften für die Speicherung und Verarbeitung personenbezogener Daten enthält. Für Unternehmen aus den USA, die hierzulande ein Rechenzentrum unterhalten, gilt darüber hinaus das Recht ihres Heimatlandes.

IT-DIRECTOR: Facebook baute ein Rechenzentrum in Luleå in Nordschweden, der RZ-Betreiber Verne Global bietet seit langem IT-Services aus Island an ­ warum bevorzugen immer mehr Unternehmen skandinavische Länder als Standort für ihre Rechenzentren?
P. Dümig:
Für die nordischen Länder sprechen mehrere Faktoren: vorrangig Energie, Kühlung und Fläche. Darüber hinaus gibt es dort gut ausgebildetes Personal und eine schnelle Anbindung ans Internet.

IT-DIRECTOR: Zwar fallen die Kosten für die RZ-Klimatisierung im hohen Norden geringer aus als anderswo, doch sind stattdessen nicht die Heizkosten enorm an? Oder kann die Heizung allein mit der Abwärme der Serverhardware betrieben werden?
P. Dümig:
Meist reicht die Abwärme der Server aus, um die benötigte Temperatur in den Räumen halten zu können. Darüber hinaus ist gerade in Island genug thermische Energie für eine eventuelle Zuheizung vorhanden.

IT-DIRECTOR: Unter welchen Minimaltemperaturen können Hardware und RZ-Komponenten – zum Beispiel die USV-Anlagen – noch sicher betrieben werden?
P. Dümig:
Dell erlaubt einen Einsatz der Systeme in einem Temperaturbereich von zehn bis 35 Grad im Dauerbetrieb. Wichtig ist auch die richtige Luftfeuchtigkeit, um Kondensierung oder statische Aufladung zu verhindern.

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