Die Fragmentierung meistern

Dark Data: Verborgene Schätze heben

Durch die Digitalisierung entstehen immer mehr Daten, die an immer mehr unterschiedlichen Orten gespeichert werden. Doch wie können die Verantwortlichen diese Fragmentierung meistern und ungenutztes Potential am besten heben?

Verborgene Datenschätze heben

Die exponentiell steigende Datenmenge sowie isolierte Management-Tools mit verschiedenen Verantwortlichen machen es fast unmöglich, gewisse Informationen zu lokalisieren.

Daten haben sich zu einer der wichtigsten Grundlagen für digitale Geschäftsprozesse entwickelt – aber auch zu einem Hindernis für die Digitale Transformation. Warum dieser Widerspruch? Die Antwort liegt in der sogenannten Mass Data Fragmentation. Dieses Phänomen entsteht durch die zunehmende Ausbreitung von riesigen Datenmengen über eine Vielzahl unterschiedlicher Standorte, Infrastrukturen und Managementsysteme. Rund 20 Prozent der Daten innerhalb eines Unternehmens sind getrieben von Service Level Agreenents (SLA), d. h. sie müssen mit entsprechend niedriger Latenz für primäre Workloads, wie Server (physisch und virtuell) und Datenbanken, bereitgestellt werden. Rund 80 Prozent der Daten eines Unternehmens hingegen sind nicht SLA-getrieben, d. h. die Latenz spielt keine große Rolle, wohl aber der Datendurchsatz. Man spricht hier auch von Sekundärdaten, dazu gehören Backups- und Archive, User-Shares, Objektspeicher, Test- und Entwicklungssysteme, Data-Analytics-Systeme oder diverse Anwendungen in den Clouds der Hyperscaler.

Die exponentiell steigende Datenmenge sowie isolierte Management-Tools mit verschiedenen Verantwortlichen machen es fast unmöglich, diese Informationen zu lokalisieren – geschweige denn zu verwalten oder zu nutzen. In diesem Zusammenhang verwendet man hier auch den Begriff „Dark Data“. Da aber auch diese Sekundärdaten beispielsweise im Kontext von Machine Learning und anderen Analyseverfahren wertvolle Informationen für Geschäftsprozesse enthalten und durch Vorgaben wie die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) die Anforderungen im Bereich Compliance stetig steigen, sollten sie viel stärker als bisher berücksichtigt werden. Dies stellt allerdings eine große Herausforderung für die Verantortlichen dar.

Laut der „Secondary Data Market Study“ von Vanson Bourne glauben fast 90 Prozent von 900 befragten IT-Entscheidern in den USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Australien und Japan, dass sie im Zusammenhang mit Mass Data Fragmentation aktiv werden müssen. Ansonsten sehen sie Gefahren in Bezug auf Wettbewerbsfähigkeit, Compliance-Risiken und verpasste Umsatzpotentiale. Aktuell treiben mehrere Faktoren die Datenfragmentierung voran:

  • Daten werden isoliert gespeichert und verwaltet. Es gibt eine Fragmentierung in verschiedenen Silos sowie innerhalb derselben. Laut der Studie nutzen 35 Prozent der Befragten sechs oder mehr verschiedene Lösungen für das Management aller Sekundärdatenprozesse. Über zehn Prozent der Unternehmen setzen sogar mehr als zehn Lösungen ein.
  • Datenkopien nehmen ständig zu, da unterschiedliche Systeme den Datenaustausch oder die Wiederverwendung behindern. So haben 63 Prozent der Unternehmen vier bis 15 Kopien der gleichen Daten.
  • Die Daten sind über viele Standorte verteilt – an verschiedenen Stellen im Rechenzentrum, in Clouds mit unterschiedlichen Bandbreiten sowie in mehreren Ländern. 85 Prozent der Befragten speichern Daten in zwei bis fünf Public Clouds, darunter 16 Prozent in vier oder mehr Public Clouds. Von den Unternehmen, die Daten in der Public Cloud speichern, erstellen 74 Prozent eine alternative oder redundante Kopie dieser Daten in derselben oder einer anderen Public Cloud.

Datenfragmentierungen können verheerende Auswirkungen auf die häufig bereits dünn besetzten IT-Teams und ihre knapp kalkulierten Budgets haben. So glaubt die überwiegende Mehrheit der Befragten, dass ihre IT-Teams mehr Zeit benötigen werden, um sekundäre Anwendungen und Daten zu verwalten, wenn keine geeigneten Tools vorhanden sind. Dabei rechnen sie mit 16 zusätzlichen Wochen im Jahr. Bei einer bestehenden Fragmentierung von Sekundärdaten befürchten mehr als die Hälfte, dass sie ihr IT-Budget durch Ausgaben für eigentlich unnötigen Speicherplatz überschreiten werden.

Einen wichtigen Punkt stellen entstehende Risiken für Compliance und Wettbewerbsfähigkeit dar. So gaben 91 Prozent der Teilnehmer an, dass sie über mangelnde Transparenz in Bezug auf Sekundärdaten an allen Standorten besorgt sind. Dies gilt vor allem angesichts der strengen DSGVO-Anforderungen. Sind die Sekundärdaten auf verschiedene Infrastruktursilos verteilt, befürchtet knapp die Hälfte der Teilnehmer einen Wettbewerbsnachteil, wenn sie Datenfragmentierung nicht in den Griff bekommen.

Mehr Zeit für das Wesentliche

Eine Möglichkeit, um Datenfragmentierungen zu bewältigen, ist der Aufbau einer einheitlichen Plattform für Sekundärdaten, die sekundäre Speichersilos auf einer hyperkonvergenten, webbasierten Datenplattform konsolidiert. Wenn Daten bereits beim Einspielen indiziert werden, erleichtert das ihr späteres Wiederfinden und ihre Nutzung und hilft zudem bei der Vermeidung von Compliance-Problemen.

Damit können Unternehmen ihre Backup- und Datensicherungsprozesse deutlich verschlanken. Zudem lassen sich Datei- und Objektdienste sowie Test-, Entwicklungs- und Analysesysteme in einen globalen Datenspeicher integrieren, um strukturiert auf alle Sekundärdaten zuzugreifen. Dies bietet einen Wettbewerbsvorteil, da sich Anfragen oder Wünsche von Kunden schneller und exakter erfüllen lassen. Gleichzeitig reduzieren sich Infrastruktur- und Managementkosten, Ausfallzeiten für Wartungsfenster sowie die Personalbelastung. Die IT kann sich somit effizienter und strategischer ausrichten, statt den Betrieb nur am Laufen zu halten.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Auch die Geschäftszahlen dürften sich verbessern. So sagen 91 Prozent der IT-Führungskräfte, dass ihr Unternehmen über einen Zeitraum von fünf Jahren mehr Umsatz haben könnte, wenn die Hälfte der IT-Ressourcen statt für das Management von Sekundärdaten für geschäftskritischere IT-Aktivitäten verwendet würde. Fast 30 Prozent der Befragten glauben, dass diese Anpassung den Umsatz um mindestens sechs Prozent steigern könnte. Neun Prozent erwarten sogar eine Umsatzsteigerung von acht bis zehn Prozent oder mehr.

Was bedeutet die Massen­fragmentierung von Daten?

Laut dem Storage-Anbieter Cohesity läuft die überwiegende Mehrheit von Unternehmensdaten – nämlich 80 Prozent davon – nicht auf dringend benötigten Systemen. Vielmehr sind diese Daten in Sekundärdatenspeichern abgelegt wie etwa Backup, Archivsysteme, File Services, Objektspeicher, Testsysteme und in Analytics-Datensätzen. Diese Daten sind über Standorte und Infrastruktursilos hinweg derart fragmentiert, dass es für die IT fast unmöglich geworden ist, ihren wichtigsten digitalen Asset – nämlich ihre Daten – zu schützen oder diese aufzufinden, ganz zu schweigen davon, sie aktiv zu nutzen.

Bildquelle: Getty Images / iStock

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