Edge Computing

Das bringt die dezentrale Datenverarbeitung

Der Einsatz von Edge-Rechenzentren ist immer dann sinnvoll, wenn an lokalen Standorten große Datenmengen verarbeitet und analysiert werden müssen, meint Karin Hernik von Schneider Electric.

Karin Hernik, Schneider Electric

Karin Hernik ist Regional Channel und Partner Team Manager bei Schneider Electric.

IT-DIRECTOR: Frau Hernik, nicht nur im Internet of Things (IoT) werden leistungsfähige Kapazitäten am Netzwerkrand benötigt. Inwieweit stößt man hierzulande bereits auf Edge-Computing-Installationen?
K. Hernik:
Im Bereich Streaming kommen bereits seit vielen Jahren Edge-Infrastrukturen zum Einsatz. Video- oder Audiodaten sollen dabei möglichst nahe an den Nutzer gebracht und Latenzzeiten vermieden werden. Auch im Rahmen des 5G-Ausbaus entstehen viele regionale Edge-Rechenzentren in Deutschland. Diese sind jedoch mit lokalen Kleinrechenzentren herkömmlicher Edge-Infrastrukturen kaum vergleichbar, da sie oft für Kapazitäten von bis zu 1 MW ausgelegt sind.

IT-DIRECTOR: In welchen Branchen spielt Edge Computing momentan eine bedeutende Rolle?
K. Hernik:
Der Einsatz von Edge-Rechenzentren ist immer dann sinnvoll, wenn große Datenmengen verarbeitet und analysiert werden müssen. Außerdem können Bandbreitenbeschränkungen und Latenzzeiten gegen eine zentralisierte Datenverarbeitung sprechen. Ein Beispiel hierfür sind Industrie-4.0-Anwendungen. In der Produktion können Edge-Rechenzentren die Verlaufsdaten tausender Sensoren in Echtzeit analysieren und auswerten. Die Ergebnisse lassen sich anschließend in einer zentralen Cloud weiterverarbeiten und können von dort aus auch in eine standortübergreifende Produktionsplanung einfließen.

IT-DIRECTOR: Welche Daten werden vorrangig allein am Netzwerkrand verarbeitet?
K. Hernik:
Ein gutes Beispiel für eine verteilte Edge-Anwendung bietet die industrielle Bildverarbeitung. Sie wird häufig zur Prozesskontrolle eingesetzt und erzeugt hohe Datenmengen. Eine Übertragung der Bild- oder Videodaten an ein entferntes Rechenzentrum würde innerhalb kürzester Zeit zu einer Überlastung der Netzwerkressourcen führen und könnte so auch die Zuverlässigkeit der Produktion beeinträchtigen. Überträgt man diese Anwendung in ein Edge-Modell, werden die Bilddaten zunächst in einem leistungsfähigen Kleinstrechenzentrum unmittelbar an der Fertigungslinie ausgewertet. Weitergeleitet werden dann nur noch die für den jeweiligen Prozess relevanten Metadaten, wie etwa Produktionsmenge, Fehlerquoten oder Normabweichungen.

IT-DIRECTOR: Worauf kommt es bei der Verbindung zwischen Netzwerkrand und den „klassischen“ Rechenzentren besonders an?
K. Hernik:
Edge-Infrastrukturen werden in den meisten Fällen betrieben, ohne dass ständig IT-Personal vor Ort ist. Um ein zuverlässiges Remote-Management zu ermöglichen, sind deshalb redundante Netzwerkverbindungen unverzichtbar. Hier bietet sich der zusätzliche Einsatz von LTE-Routern als Fall-Back-Lösung an. Selbstverständlich sollten kritische Komponenten wie Stromverteilung, USV und Zutrittskontrolle auch entsprechende Fernwartungsoptionen unterstützen.

IT-DIRECTOR: Wie lassen sich Edge-Datacenter-Infrastrukturen besonders energieeffizient betreiben? Welche Kühlverfahren können am Netzwerkrand zum Einsatz kommen?
K. Hernik:
Die meisten Edge-Installationen bewegen sich im unteren Kapazitätsbereich bis etwa 3 kW. Hier bietet sich der Einsatz von integrieren Kühllösungen an. Unsere vorgefertigten Smart-Bunker-FX-Micro-Rechenzentren sind mit geschlossenen DX-Kühlsystemen ausgestattet und bieten eine Kühlleistung von bis zu 8 kW pro Rack. Werden mehrere Racks benötigt, lassen sich auch In-Row-Seitenkühlsysteme einsetzen. Diese werden in die jeweilige Rack-Reihe integriert und kommen ohne zusätzlichen Doppelboden aus. Je nach Gesamtwärmelast lassen sich diese auch über zentrale Kaltwassersätze betreiben, so dass sich hier auch die Möglichkeit der freien Kühlung bietet.

IT-DIRECTOR: Stichwort Ausfallsicherheit: Ein funktionierender Netzwerkrand wird für viele Unternehmen immer geschäftskritischer. Wie können Ausfallsicherheit und nahtlose Energieversorgung beim Edge Computing gewährleistet werden?
K. Hernik:
In puncto Redundanz lag der Fokus vieler Betreiber bisher eher auf den jeweiligen Hauptrechenzentren. Dezentrale Installationen wurden eher stiefmütterlich behandelt. Mit dem Aufkommen von nativen Edge-Anwendungen ändert sich diese Sichtweise, da geschäftskritische Aufgaben zunehmend an den Netzwerkrand verlagert werden. Professionelle USV-Absicherung, wartungsarme Kühllösungen und hohe physikalische Sicherheit sind deshalb unabdingbar, um die benötigten Service Level zu garantieren. Genauso wichtig ist aber auch ein übergreifendes Fernwartungs- und Monitoring-Konzept. Lösungen wie unser cloud-basiertes DCIM-System „Eco Struxure IT“ bieten die Möglichkeit, Edge- und Cloud-Infrastruktur im Gesamten zu betrachten und unterstützen so auch ein präventives Wartungskonzept, beispielsweise für den regelmäßigen Austausch der USV-Batterien.

IT-DIRECTOR: Wie stellen sich etablierte Rechenzentrumsbetreiber bzw. Colocation-Anbieter derzeit auf Edge-Technologien ein?
K. Hernik:
Seit Anfang 2018 herrscht ein gesteigertes Interesse an Edge-Lösungen und den damit verbundenen Konzepten. Vielerorts bestehen noch Fragestellungen, besonders hinsichtlich der letzten Meile. Es ist aber davon auszugehen, dass sich das mit der flächendeckenden Verfügbarkeit von 5G-Lösungen ändern wird.

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