Smart Home: Interview mit Olaf Erichsen, mm1

Das Eigenheim per App unter Kontrolle

Interview mit Olaf Erichsen, Managing Consultant beim Beratungsunternehmen mm1, über die Möglichkeiten von Smart-Home-Lösungen und wie Anbieter das Interesse an diesen steigern können

Olaf Erichsen, mm1

Olaf Erichsen betont: „Eine gute Smart-Home-Lösung im Do-it-yourself-Segment muss ­einfach sein.“

IT-DIRECTOR: Herr Erichsen, welche Möglichkeiten bieten Smart-Home-Lösungen und für wen sind sie besonders interessant?
O. Erichsen:
Die Einsatzmöglichkeiten von Smart-Home-Lösungen sind heutzutage vielfältig und auch für den Massenmarkt bezahlbar geworden. Man denke nur an steuerbare Schalter für das Ein- und Ausschalten von Licht und Heizung, Sensoren zum Messen von Rauch- oder Feuchtigkeitsentwicklung sowie Überwachungskameras und Bewegungsmelder. Ein weiteres Wachstumsfeld in der Zukunft sehen wir in Anwendungen im Gesundheitsmanagement zuhause. Die Smart-Home-Lösungen sind also für all diejenigen Endanwender interessant, denen Sicherheit, Energieeffizienz und Komfort im Haushalt immer wichtiger werden. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass neben den Gebäudesteuerungsspezialisten nun auch Energieversorger und Telekommunikationsunternehmen seit Jahren an entsprechenden Lösungen arbeiten. Auch Endgerätehersteller und Anbieter aus weiteren Branchen möchten den Markt besetzen.

IT-DIRECTOR: Warum können Anbieter wie Telekommunikationsunternehmen, Energieversorger, Endgerätehersteller und Gebäudesteuerungsspezialisten immer kostengünstigere Smart-Home-Lösungen realisieren?
O. Erichsen:
Wir sehen hier drei Effekte: Erstens sind die für solche Smart-Home-Systeme notwendigen Aktoren und Sensoren durch technischen Fortschritt hinreichend preiswert geworden. Zweitens sind nun durch die Verbreitung von Smartphones und Tablets flächendeckend kostenneutrale Bedienelemente für solche Smart-Home-Systeme vorhanden. Und drittens lassen sich solche Systeme kostengünstig und in ausreichender Qualität bei Auftragsherstellern fertigen.

IT-DIRECTOR: Auch wenn die Lösungen immer günstiger werden, bleibt deren durchschlagender Erfolg bisher aus. Woran liegt das?
O. Erichsen:
Ja, das stimmt – zumindest für Deutschland. In den USA sehen wir ein ganz anderes Bild: Dort ist der Baumarktanbieter Lowe‘s mit dem eigenen System Iris bereits erfolgreich im Markt von Do-it-yourself-Systemen für Smart Home etabliert. Und auch Telekommunikationsanbieter wie AT&T haben nun nachgezogen. In Deutschland fehlt bislang schlicht und einfach der richtige Angebotsdruck im stationären Handel. Anbieter wie RWE und E.on haben zwar seit einiger Zeit entsprechende Smart-Home-Systeme im Angebot; die Vermarktung fokussiert jedoch stark das Internet als Vertriebskanal. Ein Fehler, wie sich zeigte.

IT-DIRECTOR: Mit welchem Aufwand ist die Nutzung einer Smart-Home-Lösung verbunden?
O. Erichsen:
Der Einstiegspreis liegt bei ca. 300 Euro für die Grundausstattung, beispielsweise für ein Starterset ­inklusive Zentrale, Tür- und Fenstersensor, Zwischenstecker und Rauchmelder. Hinzu kommen ­Kosten für weitere Sensoren und Module sowie die Anbindung durch einen Mobilfunkanbieter. Installationskosten sollten im Do-It-Yourself-Segment eigentlich nicht entstehen.

IT-DIRECTOR: Welche Faktoren machen eine gute Smart-Home-Lösung aus?
O. Erichsen:
Eine gute Smart-Home-Lösung im Do-it-yourself-Segment muss einfach sein: einfach zu verstehen, einfach zu installieren und einfach zu bedienen. Hierzu gehört, dass die Bedien-App auf allen gängigen ­Betriebssystemen und Screens nutzbar ist und die re­levanten Use Cases wie Sicherheit, Kontrolle und ­Bequemlichkeit in Haus und Garten bereitgestellt ­werden.

IT-DIRECTOR: Auf welche Vermarktungsstrategien sollten die großen Anbieter setzen, um das Interesse an Smart-Home-Projekten zu steigern?
O. Erichsen:
Das größte Marktpotential für neue Anbieter liegt derzeit im bereits angesprochenen Do-it-yourself-Segment, also in kostengünstigen Heimwerkerlösungen, die jeder Endverbraucher selbst bei sich zuhause nachrüsten kann. Der Vergleich mit den USA zeigt, dass das mögliche Einsparpotential nicht den wesentlichen Treiber im Markt darstellt. Zwar verbrauchen US-Amerikaner im Vergleich zu den Deutschen ungefähr doppelt so viel Strom, zahlen aber nur die Hälfte des Strompreises je Kilowattstunde – insgesamt sind die Stromkosten pro Kopf also gleich hoch. Von daher ist der Appell an das Kostenbewusstsein nicht der entscheidende Erfolgsfaktor. Vielmehr zeigen die Anbieter aus den USA, dass man die Smart-Home-Lösungen direkt zum Kunden bringen und für ihn risikoarm erlebbar machen muss. Neben der interaktiven Verkaufsfläche im Baumarkt funktionieren in Deutschland sicherlich auch Kooperationen mit Fertighausverkäufern sowie Installationen in gewerblichen Ferienhäusern oder privaten Wohnungen, die zur Kurzzeitmiete über Dienste wie Airbnb angeboten werden.

IT-DIRECTOR: Wie wird sich Ihrer Meinung nach der Markt hier zukünftig entwickeln?
O. Erichsen:
Wir werden in den nächsten 12 bis 18 Monaten viele neue Anbieter im Do-it-yourself-Segment aus den Bereichen Telekommunikation, Kabelnetz, Energieversorgung, Baumarkt/Retail und Gebäudesteuerung sehen. Doch nur wenige von ihnen werden erfolgreich genug sein, um sich nachhaltig in diesem Segment zu etablieren. Durch die Vielzahl neuer Anbieter werden sich die Funktionalitäten der Smart-Home-Systeme wesentlich erweitern. Und schließlich werden Datengenerierung, -auswertung und -nutzung auch bei Smart-Home-Lösungen an Bedeutung gewinnen.

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