Richtlinien für die Nutzung der sozialen Medien

Das Urheberrecht in sozialen Medien

Interview mit Prof. Dr. Walter Gora, Cisar – Consulting and Solutions GmbH, über die Einsatzmöglichkeiten sozialer Medien im Unternehmenskontext

Prof. Dr. Walter Gora, Cisar – Consulting and Solutions GmbH

IT-DIRECTOR: Herr Gora, welche Portale/Netzwerke im Bereich der sozialen Medien sind für geschäftliche Kontakte Ihrer Ansicht nach relevant?
W. Gora:
In der Regel sind das branchenspezifische Portale, die nur bei den Unternehmen in diesen Bereich bekannt sind und insbesondere die Supply-Chain unterstützen. Ein Beispiel ist WercSmart (Supplier, Merchandiser And Retailer Technologies). Zum Teil betreiben die Branchenführer auch selbst solche Portale, wie z.B. das „K+S Kali Supply Chain Portal“. Große Portale im Personalbereich sind monster.de und Stepstone, allerdings sind diese auch vorrangig als „Business-to-Employee“ ausgerichtet. Die meisten der Portale bzw. Netzwerke, die Aufträge von Unternehmen an Unternehmen vermitteln wollten, mussten in den letzten Jahren aufgeben oder „dümpeln“ vor sich hin, da die Nachfrage dafür einfach zu klein ist.

IT-DIRECTOR: Welche Anfragen lassen sich über diese Kanäle bedienen?
W. Gora:
Alle geschäftlichen Anfragen, Informationsrecherche, Kontaktvermittlung, Bestellungen und Rechnungswesen.

IT-DIRECTOR: Welche Vorteile ergeben sich daraus? Welche Gründe sprechen gegen Aktivitäten auf solchen Portalen?
W. Gora:
Wenn Portale und Netzwerke nicht nur für das Verkaufen von Produkten oder Dienstleistungen benutzt werden, besteht immer die Gefahr, dass der Wettbewerb mehr mitbekommt, als man möchte. Andererseits werden Jobportale von Unternehmen häufig auch mit Stellenanzeigen „vollgepflastert“, um der Konkurrenz eine gute Geschäftssituation vorzuspiegeln, während es in der Realität anders aussieht.

IT-DIRECTOR: Inwiefern können Unternehmen für eine Trennung zwischen einem privaten und einem beruflichen Account der Mitarbeiter sorgen bzw. diesen verlangen?
W. Gora:
Es ist wichtig, dass die Unternehmen Richtlinien für die Nutzung der sozialen Medien entwickeln und verbindlich anwenden. In allen sozialen Medien tummeln sich die Head-Hunter und für die ist natürlich der Verweis auf die berufliche Tätigkeit von immenser geschäftlicher Bedeutung. Für Unternehmen kann es z.B. gefährlich werden, wenn ganze Teams aus dem Forschungs- und Entwicklungsbereich abgeworben werden und auf diesem Weg Innovationen direkt der Konkurrenz bekannt werden.

IT-DIRECTOR: Welche Auswirkungen kann die Vermischung der privaten und geschäftlichen Kommunikation über soziale Netzwerke haben?
W. Gora:
Hämische und unkollegiale Bemerkungen können einem Außenstehenden einen Einblick in die Firmenkultur geben. Letztlich können diese Faktoren auch bei der Auftragsvergabe mit entscheidend sein.

IT-DIRECTOR: Wem „gehört“ dieser Account nach der Beendigung des Geschäftsverhältnisses?
W. Gora:
Immer dem, der sich angemeldet hat.

IT-DIRECTOR: Was müssen Unternehmen bezüglich des Urheberrechts (z.B. bei Dropbox oder Facebook) beachten?
W. Gora:
Am besten ist es, wenn urheberrechtlich geschützte Werke nicht benutzt und eigene auch nicht zur Verfügung gestellt werden. Einige soziale Medien versuchen, einen Blankoanspruch auf alles, was auf ihren Seiten abgespeichert wird, zu erhalten. Das ist zumindest nach europäischen Recht unzulässig. Allerdings muss so etwas erst einmal eingeklagt werden – was langwierig und teuer ist sowie häufig auch zu Frustrationen führt, wenn der Beklagte keinen richtigen Sitz in Deutschland oder Europa hat.

Die sozialen Medien führen sich bezüglich des Urheberrechts meistens immer noch wie im „Wilden Westen“ auf. Nur das Unternehmen, das genügend Feuerkraft (= Kapital für einen Rechtsstreit) hat, kann seine Rechte auch durchsetzen. Für alle anderen sind Klagen teuer und risikobehaftet.

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