Markt für Refurbished-Geräte wächst

Datenlöschung bei wiederaufbereiteter IT-Hardware

Die Nachfrage nach Refurbished-Geräten wächst. Worauf es bei der Wiederaufbereitung von IT-Hardware zu achten gilt, berichtet Ilka Harbich, Managerin Business Develop bei Sims Lifecycle Services, im Interview.

Ilka Harbich, Sims Lifecycle Services

„Bei der Datenvernichtung muss der Dienstleister in der Lage sein, die Daten nach den bestehenden nationalen und internationalen Standards zu vernichten", argumentiert Ilka Harbich von Sims Lifecycle Services.

IT-DIRECTOR: Frau Harbich, die Zyklen, in denen Unternehmen elektronische Geräte austauschen haben sich in den letzten Jahren immer weiter verkürzt, was passiert mit dieser ausrangierten Hardware in Konzernen?
Ilka Harbich:
Je nach Zustand und Alter werden diese Geräte über das IT-Remarketing vergütet, aufbereitet und komplett oder in Einzelteilen wieder an den Endverbraucher verkauft. Defekte oder stark veraltete Geräte werden nachhaltig entsorgt.

IT-DIRECTOR: Welche Formen des Recycling gibt es grundsätzlich?

  • Wiederverwendung als Produkt – Reuse (z.B. Refurbishment eines gebrauchten Computers und Weiterverkauf des kompletten Gerätes)
  • Wiederverwendung von Bauteilen (z.B. das Ausschlachten eines gebrauchten Computers und der Weiterverkauf von vermarktbaren Komponenten wie z.B. Arbeitsspeicher, Netzteil, Bildschirm etc.)
  • Stoffliches Recycling (Schadstoffentfrachtung, Mechanische Aufbereitung, Separation und anschließende stoffliche Verwertung in der Rohstoffproduktion – bei uns überwiegend Kunststoffe und Metalle)
  • Energetische Verwertung (Separation von heizwertreichen Fraktionen, die einer stofflichen Verwertung nicht sinnvoll zugeführt werden können wie z.B. nicht separierbare Kunststoffgemische und anschließende Verbrennung mit Nutzung der dabei gewonnenen Energie)

IT-DIRECTOR: Was passiert mit den recycelten Materialien?
I. Harbich:
Das Gerät wird entweder im Ganzen oder in Teilen wieder eingesetzt (Gebrauchtmarkt) oder beim stofflichen Recycling der Rohstoffproduktion wieder zugeführt (z.B. Aluminium aus dem IT-Sektor der Aluminium Sekundärhütte). Bei der energetischen Verwertung wird die freiwerdende Energie z.B. zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt.

IT-DIRECTOR: Wie hoch ist der Anteil wiederverwendbarer Materialien, was ist tatsächlich Müll?
I. Harbich:
Das hängt sehr von dem vorliegenden Abfall ab. Im Elektronikschrottsektor sind Recyclingquoten zwischen 50 Prozent und > 90 Prozent üblich (je nach Produkt). Die in der WEEE Directive vorgeschriebenen, gerätespezifischen Recyclingquoten werden in Europa in der Regel überschritten.

IT-DIRECTOR: Welche Sicherheitsleistungen muss ein Recycling-Dienstleister – etwa in Bezug auf zuverlässige Datenlöschung – vorweisen?
I. Harbich:
Die zwingende Anforderung an den Dienstleister muss sein, dass dieser ein zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb ist und idealerweise seinen Recyclingbetrieb in Deutschland hat. Nur so sind die fachgerechten Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte gewährleistet und die Geräte tauchen sicher nicht auf Mülldeponien in Entwicklungsländern auf.

Bei der Datenvernichtung muss der Dienstleister in der Lage sein, die Daten nach den bestehenden nationalen und internationalen Standards zu vernichten. Dies kann durch professionelle Löschsoftware mittels Mehrfachüberschreibung oder durch die physikalische Vernichtung der Datenträger durch Schreddern erfolgen. Der Kunde sollte Wert auf einen transparenten Prozess und ein vollständiges Reporting legen.

IT-DIRECTOR: In welchen Branchen und Unternehmensbereichen kommen Refurbished-Geräte in deutschen Unternehmen zum Einsatz?
I. Harbich:
Mehrfache Anfragen in letzter Zeit lassen einen neuen Trend bei gebrauchten Servern erkennen. Zum Sammeln von Big Data benötigen Systemhäuser und Cloud-Anbieter riesige Ressourcen – oft reichen z.B. zur Archivierung leistungsfähige Altgeräte mit niedriger Investitionssumme. Klassiker bei unseren Kunden sind neben dem Mittelstand Freiberufler, öffentliche Einrichtungen, Schulen und Universitäten.

IT-DIRECTOR: Wie gefragt ist „IT-Remarketing“? Welche Geräte kommen dafür in Frage?
I. Harbich:
Gebrauchte Hardware ist mittlerweile salonfähig. Die Gründe dafür sind neben dem geringen Investitionsaspekt auch die sehr gute Qualität und das Thema Nachhaltigkeit. Die Verkaufszahlen in unseren verschiedenen Shops wachsen stetig und viele Kunden kommen, durch unsere Qualität überzeugt, gerne wieder.

Bei Business-Kunden sind nach wie vor Notebooks der Premiummarken gefragt. Diese sollen leistungsfähig sein – mit mindestens Intel Core i5-Prozessoren der zweiten Generation – und nach Möglichkeit ein großes Display (15 Zoll) haben. Stationäre Geräte in Tower-Bauform benötigen ebenfalls stärkere Prozessoren ab Intel Core i5 und Monitore eine Diagonale über 20 Zoll.

IT-DIRECTOR: Wiederaufbereitete Geräte müssen nicht zwangsläufig verkauft werden, sind Spenden eine Alternative?
I. Harbich:
Aber selbstverständlich. Mehrere unserer Geschäftsmodelle zielen direkt darauf ab. Hier ist es unerheblich, wohin die Hardware oder die Erlöse gehen. Sehr beliebt sind auch Mitarbeitershops. Wichtig ist nur, dass die verbliebenen Daten fachgerecht und sicher gelöscht bzw. vernichtet werden.

IT-DIRECTOR: Inwieweit sind Unternehmen von „ElektroG“ aus dem Jahr 2015 betroffen, was hat sich für Hersteller verändert?
I. Harbich:
In erster Linie betrifft das Gesetz die kostenlose Rücknahmepflicht für Händler und Online-Shops. Zudem enthält das Gesetz Regelungen, mit denen illegale Exporte von Elektro-Altgeräten, insbesondere in Entwicklungsländer, nachhaltig verhindert werden sollen. Deshalb ist es für die Verantwortlichen der Unternehmen sehr wichtig, hier einen seriösen und gesetzeskonformen Partner zu haben.

IT-DIRECTOR: Wie präsent ist das Thema „Ressourceneffizienz“? Was können Unternehmen verbessern?
I. Harbich:
Besonders bei mobilen Geräten sehen wir eine signifikante Verbesserungsmöglichkeit. Hier werden Geräte oft weit unter der geplanten Obsoleszenz getauscht. Das muss nicht sein, denn die Geräte funktionieren noch einwandfrei oder können gegen geringe Kosten wieder einsetzbar gemacht werden.

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