Datenschutz beachten

Datensparsamkeit im Big-Data-Zeitalter

Interview mit Hans-Günter Börgmann, Geschäftsführer der Iron Mountain Deutschland GmbH, über die Bedeutung von "Datensparsamkeit" in Zeiten von Big Data

Hans-Günter Börgmann, Iron Mountain

Hans-Günter Börgmann, Geschäftsführer der Iron Mountain Deutschland GmbH

IT-DIRECTOR: Herr Börgmann, nicht wenige Kritiker behaupten, dass Datensparsamkeit im Zeitalter von Digitalisierung und „Big Data“ als überholte Methode gilt. Wie schätzen Sie dieses Argument ein?
H. Börgmann:
In Zeiten von Digitalisierung und Big Data ist eine Organisation natürlich bestrebt, so viele Daten wie möglich zu sammeln, um sie gewinnbringend für ihre Geschäftszwecke einzusetzen. Dies steht aber im Widerspruch zum durch den Gesetzgeber geschaffenen Datenschutz. Inwiefern beim Umgang mit Daten sparsam vorgegangen wird, ist jedoch nicht nur Sache des Datenverarbeiters, sondern auch des Inhabers. Einem Dateninhaber muss bewusst sein, dass seine Informationen bis zu einem gewissen Grad verarbeitet werden müssen, etwa zur Kontaktpflege, was durchaus Vorteile für den Kunden mit sich bringt. Wenn ein Inhaber im Vorhinein nicht möchte, dass bestimmte Informationen von ihm dauerhaft bei einem Unternehmen gespeichert werden, muss er zum Opt-out greifen und sie einfach weglassen.

IT-DIRECTOR: Sollte das neue EU-Datenschutzgesetz tatsächlich einmal in Kraft treten: Welche Auswirkungen hat dies auf das hierzulande geltende Bundesdatenschutzgesetz (BDSG)?
H. Börgmann:
Wir haben in Deutschland mit dem Bundesdatenschutzgesetz die strengsten Datenschutzbestimmungen in Europa. Die Standards im Entwurf zur EU-Datenschutzverordnung sind weitaus niedriger, was im Falle eines Inkrafttretens der Verordnung die Frage aufwirft, ob die deutschen Standards von der Bundesregierung nach unten korrigiert würden. Dies bezweifle ich allerdings, da die Bundesrepublik europaweit die höchste Datenschutzsensibilität vorweist. Für den gemeinsamen europäischen Binnenmarkt wäre es jedenfalls von Vorteil, einheitliche Datenschutzstandards zu haben, auch um zu vermeiden, dass jedes Land sein eigenes Süppchen kocht und so wiederum Handelsbarrieren geschaffen werden.

IT-DIRECTOR: Auf welche Weise kann man im Internet of Things überhaupt den Schutz personenbezogener Daten garantieren?
H. Börgmann:
Für das Internet der Dinge gelten dieselben Spielregeln wie im Internet. Man nehme als Beispiel einen smarten Kühlschrank. Einerseits möchte man als Besitzer die Vorteile eines vernetzen Geräts genießen, indem es beispielsweise Daten über die Essgewohnheiten überträgt und Lebensmittel automatisch im Internet nachkauft. Anderseits wollen die Kunden so wenig wie möglich an die Hersteller weitergeben. Besitzer smarter Geräte sind in Zukunft immer stärker gefordert, abzuwägen, welche Daten weitergegeben werden sollen und welche nicht. Um absoluten Datenschutz zu garantieren, müsste ein Gerät im Zweifelsfall eben ‚offline‘ betrieben werden.

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