Cloud-Bridge-Technologien: Interview mit Walter Hofmann, Comparex

Datentransport über sichere Verbindungen

Im Interview erläutert Walter Hofmann, Director Cloud Solutions bei Comparex, inwiefern sich Großunternehmen im Jahr 2014 mit dem Thema „Cloud Computing“ befassen und welche Rolle die Hybrid Cloud dabei spielt.

Walter Hofmann, Comparex

„Ich bin davon überzeugt, dass zukünftig immer mehr Unternehmen die Hybrid-Cloud-Variante wählen“, so Walter Hofmann, Director Cloud Solutions bei Comparex.

IT-DIRECTOR: Herr Hofmann, welche Bedeutung schreiben Sie dem Thema „Cloud Computing“ für das Jahr 2014 zu?
W. Hofmann:
Für das laufende Jahr prognostiziert Gartner, dass voraussichtlich 41 Prozent aller Unternehmen Cloud-Technologien bereits in erheblichem Umfang implementiert haben werden. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 lag die Zahl bei erst elf Prozent. Somit ist die Bedeutung von Cloud Computing für die Betriebe heute enorm. Allerdings nutzen nur 16 Prozent der Unternehmen die Cloud für bedeutende Innovationen oder die Unterstützung des Geschäftsmodells. Aktuelle Cloud-Plattformen – Public, Private oder Hybrid – verändern nicht nur die IT-Welt der Unternehmen, sondern auch die Geschäftsmodelle. Sie tragen dazu bei, Geschäftsprozesse zu optimieren, und erfüllen die daraus resultierenden neuen Anforderungen an die IT.

Dabei zeichnet sich ab, dass Großunternehmen weniger dazu bereit sind, in die Public Cloud zu wechseln. Die Angebote hier sind zu starr und zu wenig an individuelle Bedürfnisse anpassbar. Nichtsdestotrotz gibt es Beispiele für Großunternehmen, die dedizierte Dienste in die Public oder Hybrid Cloud auslagern. Der öffentliche Dienst hingegen entscheidet sich fast ausschließlich für die Private Cloud, um die Hoheit über die meist sensiblen Daten zu behalten. Für den klassischen Mittelstand ist die Public Cloud die Alternative zu einer in Eigenregie betriebenen IT – gerade vor dem Hintergrund des aktuellen Fachkräftemangels und der Tatsache, dass sich in der Regel Innovationen wie Virtualisierung, Mobile Device Management (MDM), Storage-Umbau oder Netzwerk-Upgrades nicht schnell genug umsetzen lassen.

Cloud Computing treibt in seinem „Windschatten“ einige andere wichtige Technologien wie Mobile Device Management und Mobile Application Management (MAM) oder Storage on Demand. Laut Gartner beschäftigen sich ca. 90 Prozent der Unternehmen bis 2017 inhaltlich mit diesen oder führen sie sogar ein.

IT-DIRECTOR: Wie wird sich das Interesse der Großunternehmen im Vergleich zum Vorjahr an der Wolke gestalten?
W. Hofmann:
Nach wie vor wechseln Großunternehmen nur in Ausnahmefällen vollständig in eine Public Cloud. Allerdings steigt das Interesse der Unternehmen an einzelnen dedizierten Diensten wie etwa Microsoft Office 365.

IT-DIRECTOR: Wann ist für Großunternehmen die Private, wann die Public Cloud interessant?
W. Hofmann:
Möchte ein Großunternehmen seine individuellen IT-Prozesse in einem Cloud-Modell umsetzen, so behält es nur mit einer Private Cloud die absolute Hoheit über seine Daten. Unserer Erfahrung nach entscheiden sich mehr und mehr Großunternehmen nach einer sorgfältigen Analyse der Datensensibilität dazu, bestimmte Dienste in eine Mandantenform der Public Cloud zu überführen. Dazu gehören heute beispielsweise Dateiaustauschdienste wie Box.com oder Sharefile mit On-Premise-Datenhaltung sowie Office-Umgebungen oder Customer-Relationship-Management-Applikationen (CRM). Das Unternehmen muss selbst abwägen, ob und welche Dienste es in eine Public Cloud auslagert. Die Entscheidung hängt u.a. von der Sensibilität der zu verarbeitenden Daten ab.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielt wiederum die Hybrid Cloud? Welche Möglichkeiten bietet sie den Großunternehmen?
W. Hofmann:
Heute ist es noch sehr selten, dass Unternehmen einzelne Dienste von unterschiedlichen Cloud-Anbietern beziehen. Hier liegt die Herausforderung im Zusammenspiel der ausgelagerten Dienste. Man stelle sich beispielsweise eine CRM-Applikation bei einem Anbieter vor, die wiederum eine Excel-Datei bei einem anderen Provider startet oder befüllt. Unternehmen, die eine Applikation in eine Hybrid Cloud geben, sind sich grundsätzlich darüber im Klaren, dass die damit verarbeiteten Daten die eigene IT-Hoheit verlassen.

Eine bereits gängige Form der Hybrid Cloud bietet Microsoft mit dem Produkt Azure. Dieser Hybrid-Cloud-Service ist flexibel skalierbar und individuell anpassbar: Ohne entsprechende Vorhersagbarkeit lässt sich die Rechenleistung minutengenau abrufen und skalieren. Die Daten des entsprechenden Services sollten als „nicht sensibel“ deklariert sein. Der Dienst wird so implementiert, als würde er in der eigenen IT-Landschaft laufen.

IT-DIRECTOR: Wann ist der Einsatz einer Hybrid Cloud sinnvoll? Was gibt es für konkrete Anwendungsszenarien?
W. Hofmann:
Ein Beispiel für eine Hybrid Cloud ist die Darstellung einer Webseite, die keine hochsensiblen Daten anzeigt. Der Kunde kann in diesem Beispiel aufgrund schwankender Zugriffszahlenden Ressourcenbedarf nicht vorhersagen. Tritt ein Sonderfall ein und die Zugriffe steigen dramatisch, skaliert das System über die Hybrid Cloud und es kommt zu keinen Überlastungen der Webserver.

IT-DIRECTOR: Mit welchem Aufwand ist bei der Migration zu rechnen?
W. Hofmann:
Die Einrichtung ist ähnlich umfangreich wie bei einer Implementation in der eigenen IT-Umgebung.

IT-DIRECTOR: Wie lässt sich der Datentransport in einer Hybrid-Cloud bewältigen – also etwa von der Private- in die Public-Umgebung oder umgekehrt?
W. Hofmann:
Der Datentransport geschieht über abgesicherte Verbindungen im Netz sowie spezielle Routing-Verbindungen zwischen den Cloud-Lösungen, so genannte Cloud-Bridge-Technologien. Hier spielt der Sicherheitsfaktor eine untergeordnete Rolle, weil die Daten zur Verarbeitung in jedem Fall die interne IT verlassen.

IT-DIRECTOR: Wie behalten Unternehmen den Überblick, wer welche Daten in der Private- und wer welche Informationen in der Public-Umgebung einer Hybrid-Cloud ablegt?
W. Hofmann:
Das muss heute noch der Mensch regeln. Keine Cloud-Technologie entbindet den Nutzer oder IT-Manager davon zu prüfen, ob Daten entsprechend mehr oder weniger schützenswert sind und in eine Hybrid oder Public Cloud gehen dürfen oder eben nicht. Der einzig wirksame Schutz sensibler Daten ist ihr Verbleib im eigenen Rechenzentrum mit dem entsprechenden Umgang.

IT-DIRECTOR: Wie gestaltet sich grundsätzlich die Verwaltung von Lizenzen in Hybridlandschaften?
W. Hofmann:
Idealerweise werden sowohl die Rechenleistung als auch alle Lizenzen benutzerabhängig verrechnet. Comparex bietet hier für die traditionellen Lizenzprogramme entsprechende Audits an und unterstützt Kunden bei der Auswahl von Cloud-Anbietern.

IT-DIRECTOR: Welche Abrechnungsmodelle gibt es und mit welchen Kosten ist bei einer Hybrid Cloud im Vergleich zur Private und Public Cloud zu rechnen?
W. Hofmann:
Eine Hybrid Cloud kommt eher bei Diensten zum Einsatz, die sehr stark in ihren Ressourcenanforderungen schwanken. Deshalb ist eine sehr detaillierte Verbrauchskostenabrechnung wichtig. Im Gegensatz zur Hybrid Cloud sind die Kosten der Private Cloud starr, weil die Infrastruktur und Lizenzen dem Unternehmen gehören und immer für eine bestimmte Leistung ausgelegt sein müssen. Auch wenn nur anteilige Ressourcen benötigt werden, ist der Rest dennoch vorhanden. Ausnahmen bilden hier Private-Cloud-Szenarien, die im Rahmen von Rechenzentrums-Outsourcing angeboten werden – Stichwort Platform as a Service (PaaS). Bei der Public Cloud sind die Kosten sicherlich am niedrigsten. Allerdings gehen mit diesem Ansatz zahlreiche Sicherheitsfragen und -ableitungen einher.

IT-DIRECTOR: Welche Zukunft sagen Sie der Hybrid Cloud voraus?
W. Hofmann:
Insbesondere bei Diensten, die nicht mit sensiblen Daten arbeiten – z.B. bei Internetseiten mit allgemein gültigen Informationen oder bei Testberichten –, bietet diese Cloud-Form entscheidende Vorteile. Ich bin davon überzeugt, dass zukünftig immer mehr Unternehmen die Hybrid-Cloud-Variante wählen.

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