Maincubes mit RZ-Neubau in Frankfurt am Main

Den Energieversorger als Nachbar

Im Interview berichtet Gunter Papenberg, Strategy & Marketing Director bei dem Rechenzentrumsbetreiber Maincubes, über den eigenen RZ-Neubau in Frankfurt am Main, die damit verbundenen Standortvorteile und die wichtige Anbindung an Public-Cloud-Anbieter.

Gunter Papenberg, Maincubes

Gunter Papenberg, Maincubes

IT-DIRECTOR: Herr Papenberg, im vergangenen Jahr haben Sie mit dem Bau eines neuen Rechenzentrums (RZ) in der Metropolregion Rhein/Main begonnen. Wie weit ist die Erstellung fortgeschritten?
G. Papenberg:
Generell kann der Bau eines Rechenzentrums viel Zeit in verschiedenen Phasen in Anspruch nehmen. Unsere konzeptionelle Planung begann bereits im Jahr 2012, als wir auch den deutschen Rechenzentrumspreis für das innovative Baukonzept gewonnen haben. Dieses Konzept haben wir konsequent weiterverfolgt und über die Zeit hinweg mit den aktuellsten Komponenten ergänzt und geplant.

Die konsequente Umsetzung hat schließlich auch den Investor Art-Invest Real Estate überzeugt und wir begannen vergangenes Jahr im März mit den ersten Erdarbeiten. Die Grundsteinlegung erfolgte im September 2016. Danach ging es auch aufgrund der günstigen Witterung im letzten Quartal 2016 zügig weiter und der Rohbau war innerhalb weniger Monate fertiggestellt. In Anbetracht der riesigen Mengen Beton und Stahl handelt es sich um eine beachtliche Leistung der beteiligten Planungs- und Baufirmen.

IT-DIRECTOR: Welche Herausforderungen gab es?
G. Papenberg:
Im Vergleich zu den technischen Anforderungen sind der konkrete Innenausbau und die technische Ausrüstung im und am Gebäude entsprechend aufwendiger. Kabelschächte, Lüftungsschächte, Böden, modernste Klimatisierungstechnik etc. mussten Schritt für Schritt eingebaut werden. Nicht zuletzt ist auch die Abhängung der Fassade eine wichtige Komponente, da diese bei unserem Konzept direkt mit der Kühlung und Energierückgewinnung in Verbindung steht. Heute befinden sich nahezu alle Gewerke in der Abschlussphase und die Tests der Komponenten sind bereits am Laufen. Wir stehen also kurz davor, erste Kunden mit ihrer IT einziehen zu lassen.

IT-DIRECTOR: In Frankfurt am Main sind zuletzt immer mehr neue Data Center aus dem Boden gesprossen. Was sind die Gründe für diesen Bauboom?
G. Papenberg:
Die Metropolregion Frankfurt und das Umfeld sind durch die optimale digitale Anbindung ein hervorragender Standort für Rechenzentren. Geografisch gesehen liegt er in der Mitte Deutschlands und im Zentrum Europas. Verkehrstechnisch ist der Standort ebenso optimal. Die vielleicht wichtigsten Argumente für die Fülle an Rechenzentren im Rhein-Main-Gebiet sind aber die Nähe zum DE-CIX, einem der größten Internet-Knoten weltweit, sowie die große Dichte an nationalen und internationalen Carriern. Der direkte Zugang zu dieser Infrastruktur verschafft eine gewisse Garantie für schnelle und zuverlässige Internet-Konnektivität und das ist neben der Betriebssicherheit das wichtigste Argument für Unternehmen, die ihre IT in externe Rechenzentren auslagern.

IT-DIRECTOR: Was kommt auf die RZ-Betreiber hinsichtlich der Verfügbarkeit von Energie und von entsprechendem Fachpersonal zu?
G. Papenberg:
Das sind zwei sehr unterschiedliche Aspekte, allerdings sind beide enorm wichtig. Energie kann ein Problem sein. Das gilt für Rechenzentren auf der grünen Wiese, wo vielleicht generell eine geringere Kapazität bereitgestellt wird, ebenso wie für urbane Rechenzentren, die sich eine zwar durchschnittlich höhere Energiedichte mit vielen teilen müssen. Auch hier haben wir eine besondere Stellung, denn unser neues Rechenzentrum steht quasi auf dem Gelände eines großen Energieversorgers, der EVO. Dank der unmittelbaren Nähe zum Energieversorger ist die Verfügbarkeit von Energie kein Thema für uns.

Personal zu finden, ist hingegen eine andere Sache: Gerade in Frankfurt und Umgebung, wo viele große IT-Unternehmen und auch andere große Konzerne ständig nach IT-Fachkräften suchen, ist es schwierig, gute Mitarbeiter zu finden. Allerdings haben wir den Vorzug, ein relativ junges Unternehmen mit dennoch viel Erfahrung zu sein. Wer ernsthaft an einer spannenden Zukunft mitwirken will, der ist bei uns richtig.

IT-DIRECTOR: Welche Zertifizierungen sind für den Betrieb von Rechenzentren unerlässlich?
G. Papenberg:
Zertifizierungen sind einerseits wichtig, damit sich Kunden auf nötige Prozesse und die Sicherheit verlassen können. Auch bei einer Auslagerung können bestehende Abläufe angepasst oder vorgegeben werden. Somit kann ein Unternehmen einfach den Bedarf definieren. Daher werden von Kunden und Branchen einige Zertifizierungen gewünscht. Selbstverständlich bereiten auch wir entsprechende Zertifizierungen vor. So durchlaufen wir aktuell in Frankfurt die ISO 27001-2013 sowie die Rezertifizierung in Amsterdam. Entsprechend diverser Audits und Prüfungen wie TÜV, ITIL und BDSG arbeiten wir auch hier nach den entsprechenden Vorgaben und Richtlinien.

IT-DIRECTOR: Immer mehr Hosting- und Colocation-Anbieter sorgen in ihren Rechenzentren für eine Anbindung an Public-Cloud-Anbieter wie Amazon oder Google. Wie wird dies technisch realisiert?
G. Papenberg:
Hier ist erneut der Standort Frankfurt von Bedeutung. Denn der Zugang zu den Public-Cloud-Anbietern kann über direkte Verbindungen in der Stadt oder durch entsprechende Carrier-Leitungen in unterschiedlichsten Bandbreiten und Servicequalitäten ermöglicht werden. Somit werden alle aktuellen Modelle unterstützt oder ermöglicht.

IT-DIRECTOR: Warum scheint die Anbindung an Public-Cloud-Provider für RZ-Betreiber unerlässlich zu sein?
G. Papenberg:
Aktuelle und zukünftige Anforderungen wie Internet of Things (IoT) oder Mobility zeigen klar auf, wo der Weg hingeht. Daher kann man diese Technologien nicht mehr von den Anforderungen an ein modernes RZ trennen. Viele Unternehmen benötigen beides, ein lokales Rechenzentrum und die Cloud.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 05/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

IT-DIRECTOR: Welche Technologien oder IT-Trends zeichnen sich durch einen besonderen Ressourcenhunger aus?
G. Papenberg:
Die Digitalisierung kommt in großen Schritten: Autonomes Fahren, Smart Home, M2M, um nur einige Themen zu nennen, werden in Zukunft unglaubliche Ressourcen benötigen. Somit werden der jeweilige Standort und der effiziente Betrieb eines Rechenzentrums immer wichtiger.

Bildquelle: Maincubes

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