Digitalisierungsprojekte

Den Faktor „Mensch” im Blick

Nina Moeller, Leitung Change und digitales Lernen bei Materna TMT, erklärt im Interview, wieso Kommunikation der Schlüssel für erfolgreiches Change-Management ist.

Nina Moeller, Leitung Change und digitales Lernen bei Materna TMT

Externe Consulting-Partner haben laut Nina Moeller die Zeit, den Change kommunikativ zu begleiten.

ITD: Frau Moeller, woran erkennen Führungskräfte, dass sie (externe) Unterstützung beim Change-Management benötigen?
Nina Moeller:
Spätestens, wenn Mitarbeiter die Mehrwerte einer neuen Lösung und die „Vision des Wandels“ nicht verstehen, ist Handeln angesagt. An diesem Punkt machen Verantwortliche häufig den mangelnden Willen der Mitarbeiter, eine Veränderung umzusetzen, für Verzögerungen und Scheitern verantwortlich, oder halten die Überforderung der Mitarbeiter für ausschlaggebend. Tatsächlich ist es häufig eine mangelhafte Kommunikation, die dazu führt, dass Mitarbeiter das Projekt nicht aktiv unterstützen und es somit fehlzuschlagen droht.

ITD: Wie hat sich das Konzept im Zuge der Digitalisierung gewandelt?
Moeller:
Im Zuge der Digitalisierung werden Projekte komplexer. Es werden mehr und mehr technische Lösungen eingeführt, die auf den ersten Blick für den Einzelnen nicht durchschaubar sind. Und die Zahl der neu eingeführten IT-Lösungen nimmt dramatisch zu. Oft stehen diese in einem Zusammenhang, der den Mitarbeiter nicht klar ist. Hier hilft nur gute Kommunikation und Aufklärung, welchem Zweck die Veränderungen wirklich dienen und was jeder Einzelne für Vorteile davon hat.

ITD: Welche IT- und Digitalisierungsprojekte erfordern erfahrungsgemäß eine besonders intensive Begleitung?
Moeller:
Egal ob Cloud Computing, Big Data, Analytics oder eine SAP-Implementierung – immer dann, wenn die über einen langen Zeitraum gelebte Praxis oder Arbeitsweise sich verändert und in das persönliche Umfeld der Mitarbeiter eingreift, wird eine intensive Change-Begleitung erforderlich. Dabei ist die Art der Begleitung auch abhängig davon, wie Veränderungen im Unternehmen schon gelebt werden. Sind Mitarbeiter generell eher aufgeschlossen, hat es seit Jahrzehnten keine Veränderungen gegeben und die Mitarbeiter warten evtl. regelrecht darauf oder sind frühere Veränderungen oft im Sande verlaufen? All das kann Einfluss darauf haben, wie intensiv bzw. wie frühzeitig der Change begleitet werden muss.

ITD: Was sind die Erfolgsfaktoren für ein erfolgreiches Change-Management?
Moeller:
Studien belegen, dass der größte Garant für eine erfolgreiche Veränderung Kommunikation heißt. Denn darüber, ob ein IT-Projekt den gewünschten Erfolg erzielt oder nicht, entscheidet nicht die technische Durchführung allein: Der Faktor „Mensch“ spielt auch bei Veränderungen im IT-Bereich eine nicht zu unterschätzende Rolle und wird allzu häufig außer Acht gelassen. Welchem Mitarbeiter will man es verdenken, dass er den Sinn eines neuen Systems nicht versteht und er es nicht adäquat zu nutzen weiß, wenn er nicht über Zweck und Vision des Projekts aufgeklärt wurde? Wir haben fünf Handlungsfelder erarbeitet, die einen Change-Prozess begleiten sollten: Vision und Strategie entwickeln und kommunizieren, Motivation und Partizipation erzeugen, Multiplikatoren involvieren und kommunizieren lassen, Erfolge messen und aufzeigen sowie Stabilität und Nachhaltigkeit im Veränderungsprozess erreichen.

ITD: Woran können Projekte in der Praxis scheitern?
Moeller:
Das wissenschaftliche Change-Management-Modell von Richard K. Streich, Professor für Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaften, beschreibt für Change-Prozesse eine Abfolge der Emotionen: Schock, Ablehnung, rationale Einsicht, emotionale Akzeptanz, Lernen, Erkenntnis und Integration. In all diesen Phasen, in denen sich Mitarbeiter befinden, kann es zu Missverständnissen kommen. Hinzu kommt laut Studien, dass 50 Prozent aller Change-Projekte im IT-Bereich teurer werden und länger dauern als geplant. Jedes fünfte Projekt wird sogar abgebrochen.

ITD: Was können externe Consulting-Partner, was Unternehmen selbst vielleicht nicht können?
Moeller:
Vor allem haben externe Consulting-Partner die Zeit, den Change kommunikativ zu begleiten. Gemeinsam wird ein Leitbild entwickelt, das die anstehenden Veränderungen benennt und die Vision für die Zukunft formuliert. Der übergeordnete Zweck des Wandels muss deutlich werden, um ein Bewusstsein über die dadurch beabsichtigte Verbesserung zu erreichen. Dazu nutzen wir Elemente wie gemeinsame Workshops, systemische Interviews oder Sounding Boards. Ein Kampagnendesign, in das sich alle im Laufe des Prozesses entwickelten Medien einfügen, sorgt für Wiedererkennungswert und im Change-Portal werden alle Medien gesammelt und individuell bereitgestellt. Zusätzlich dienen Bewegtbilder verschiedenster Formate der Motivation und sorgen dafür, Nachrichten so persönlich wie möglich zu überbringen. Videoansprachen der Verantwortlichen kommen ebenso in Frage wie animierte Erklärfilme, die komplexe Zusammenhänge vermitteln. Der Vielfalt der digitalen Kampagnen sind keine Grenzen gesetzt. Blogs, Newsletter oder Social-Media-Inhalte können ergänzend hinzugezogen werden. Aber auch klassische analoge Info-Materialien wie Flyer oder Postkarten sind denkbar.

Bildquelle: Materna TMT

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