„Die Datenmenge nimmt nicht ab“

Der Einfluss von Big Data auf den Storage-Markt

Im Interview erklärt Johannes Bertele, Business Development Manager in der EMC Business Unit bei Avnet Technology Solutions, inwieweit das Internet der Dinge und Big Data den Storage-Markt beeinflussen und auf welche Kriterien Unternehmen bei der ­Anbieterauswahl achten sollten.

Johannes Bertele von Avnet

Johannes Bertele von Avnet: „IoT und Big Data stehen nicht nur für ein großes Datenvolumen, sondern auch für eine immens hohe Anzahl an Objekten.“

IT-DIRECTOR: Herr Bertele, die Themen „Internet of Things“ (IoT) und „Big Data“ sind mittlerweile fast allgegenwärtig. Welchen Einfluss üben sie zugleich auf den Storage-Markt aus?
J. Bertele:
Die beiden Themen beeinflussen den Storage-Markt deutlich, gleich in mehreren Punkten. Zunächst sind komplett neue technische Architekturen notwendig, die den Anforderungen von IoT und Big Data gerecht werden. Dazu kommt, dass der bisher typische Beschaffungszyklus von drei bis fünf Jahren sich drastisch verkürzt und sich in Richtung On-Demand entwickelt. Gleichzeitig ändern sich auch die Ansprechpartner in den Projekten. Statt der IT-Verantwortlichen sitzen oft Fachabteilungen mit am Entscheidungstisch.

IT-DIRECTOR: Welche konkreten Herausforderungen bringen IoT und Big Data mit sich?
J. Bertele:
Eine traditionelle Infrastruktur besteht aus SAN- und NAS-Komponenten. Meist findet man Dual Controller Storage Arrays vor, die in ihren Erweiterungsmöglichkeiten limitiert sind und auf RAID-Technologie setzen. Die verwendeten Protokolle sind für den Einsatz im lokalen Netzwerk ausgelegt. Das alles passt nicht mit dem Internet der Dinge oder Big Data zusammen. Die modernen Anwendungen werden agil entwickelt und laufen oft auf mobilen Endgeräten, häufig ändern sich Anforderungen und die Bereitstellung von Storage muss sehr schnell erfolgen. Diese Punkte bedürfen neuer Storage-Konzepte.

IT-DIRECTOR: Welche Art von Storage wird benötigt, um die Datenmassen – erzeugt durch das Internet der Dinge – sicher und zuverlässig zu bändigen?
J. Bertele:
Ganz wichtig ist die Skalierbarkeit. Die Datenmassen können heute 100 Terabyte bedeuten, aber schon morgen mehrere Petabyte. IoT und Big Data stehen nicht nur für ein großes Datenvolumen, sondern auch für eine immens hohe Anzahl an Objekten. Der Storage muss eine weltweite geografische Verteilung erlauben und hochverfügbar sein. Durch Schutzverfahren wie das Erasure Coding werden das Brutto-Netto-Verhältnis optimiert und die Kosten pro Gigabyte reduziert. Dies erfüllt beispielsweise ein moderner Object Storage.

IT-DIRECTOR: Inwieweit ist es hier sinnvoll oder auch nötig, verschiedene Speichertypen miteinander zu kombinieren?
J. Bertele:
Sicherlich gleicht kein IoT- oder Big-Data-Projekt dem anderen, aber in den meisten Fällen macht es absolut Sinn. Es werden Daten massenhaft gesammelt, analysiert und im Anschluss weiterhin aufbewahrt. In den einzelnen Schritten werden unterschiedliche Anforderungen an den Storage gestellt. Während der Analyse ist eine hohe Performance gefragt und für die langfristige Aufbewahrung stehen die Speicherkosten im Vordergrund. Dies lässt sich durch systeminterne oder plattformübergreifende Tiering-Konzepte lösen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 10/2016. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

IT-DIRECTOR: Auf dem Storage-Markt tummeln sich zahlreiche Anbieter: Wie können Großunternehmen den für sie passenden Anbieter samt Speicherlösung auswählen? Welche Kriterien spielen dabei eine Rolle?
J. Bertele:
Eine ganzheitliche Herangehensweise ist von großer Bedeutung. Oft bleibt es nicht bei einem Big-Data-Projekt, sondern weitere Fachabteilungen melden Bedarf an. Die Speicherlösung muss daher für viele Anwendungsszenarien geeignet sein und eine Mandantenverwaltung bieten. Eine breite Palette an unterstützten Protokollen ist gefragt, wie S3, Openstack Swift oder HDFS. Ansonsten besteht die Gefahr von kostspieligen Insellösungen. Idealerweise deckt der Anbieter auch gleich Themen wie die Datensicherung mit ab.

IT-DIRECTOR: Mit welchem Aufwand ist die Integration einer Storage-Lösung in die Prozesse eines Großunternehmens oftmals verbunden?
J. Bertele:
Viele Unternehmen stehen noch am Anfang eines As-a-Service-Konzeptes. Die Storage-Provisionierung hat eine nicht mehr zeitgemäße Prozessdauer, mit bekannten Folgen wie der Schatten-IT. Daher muss immer hinterfragt werden, wie die Bereitstellung für die Anwender automatisiert wird. Storage-Ressourcen sind dabei natürlich nur ein Element.

IT-DIRECTOR: Wie begegnet Ihr Unternehmen den Herausforderungen des Internet of Things?
J. Bertele:
Da IoT-Projekte eine neue Herangehensweise erfordern, stehen wir unseren Partnern hier beratend zur Seite. In Workshops führen wir die Teilnehmer an die Themen IoT und Big Data heran. Mit Storage-Lösungen aus dem Hause Dell EMC sehen wir uns gewappnet. In diesem Umfeld sind besonders der Elastic Cloud Storage (ECS) und Isilon zu nennen, die den Kunden Vorteile bieten.

IT-DIRECTOR: Inwieweit spielt hier auch die frische Integra­tion von Orchestra in das Unternehmen Avnet eine ­Rolle?
J. Bertele:
Es ist eine perfekte Kombination. Die ehemaligen Orchestra-Mitarbeiter sind Spezialisten im Storage- sowie Backup-Umfeld und haben die Expertise im Umgang mit den immensen Datenmengen. Mit dem Avnet-Portfolio werden die für IoT wichtigen Bereiche wie Compute-Ressourcen oder Connectivity aus einer Hand angeboten. Zudem arbeiten wir eng mit unseren Kollegen von Avnet Silica zusammen, die mit Visible Things eine Entwicklungsplattform mit Sensoren und Gateway für IoT-Projekte bieten.

IT-DIRECTOR: Wie schätzen Sie den Storage-Markt der Zukunft ein? Was wird sich Ihrer Ansicht nach ändern? Was wird gleich bleiben?
J. Bertele:
Es wird spannend, wie sich in den nächsten Jahren die Marktanteile zwischen Public- und Private-Cloud-Services entwickeln. Aufseiten der Hersteller ist mit einer weiteren Konsolidierung zu rechnen, um als Komplettanbieter auftreten zu können. Und was sicher gleich bleibt: Die Datenmenge nimmt nicht ab.

Bildquelle: Avnet

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