IT-Boom

Der Fachkräftemangel freut Jobsuchende

IT-Kenntnisse sind beinahe eine Jobgarantie. Die Unternehmen suchen neue Mitarbeiter und das wird sich so bald auch nicht ändern.

Der Fachkräftemangel ist wieder da, zumindest als Stichwort in einigen aktuellen Studien. Stimmt das? Oder wird schwarzgemalt, weil sich auf eine Stelle nicht plötzlich 200 Bewerber melden, sondern nur 20? Eine genaue Beurteilung fällt schwer.

Auf der einen Seite gibt es die Klagen der Unternehmen, keine Entwickler, Admins, IT-Architekten und so weiter zu finden. Auf der anderen Seite gibt es die Klagen genau dieser Spezialisten, meist anonym in Foren vorgetragen, die von einem frustrierenden Bewerbungszirkus, absurden Eierlegendewollmilchsau-Stellenbeschreibungen und dramatischer Unkenntnis typischer IT-Skills in den Personalabteilungen berichten.

Wachstum des IKT-Sektors

Der Fachkräftemangel in den Tech-Branchen hat also mindestens zwei Seiten. Denn es gibt auch den stetigen Ausbau des IKT-Sektors. Inzwischen sind mehr als 1 Million Menschen in diesem Bereich beschäftigt und die Experten des IT-Branchenverbandes Bitkom gehen davon aus, dass mindestens auf mittlere Sicht pro Jahr einige 10.000 weitere Jobs entstehen.

Hinzu kommt eine langsam, aber deutlich wachsende Anzahl von Absolventen in diesem Bereich. Die Zahl der Azubis in IT-Ausbildungsberufen steigt ebenso wie die Zahl der Personen mit akademischen Abschlüssen in IT-Fächern. Obwohl genau diese Berufe und Studiengänge als schwierig verrufen sind, entscheiden sich trotzdem immer mehr Leute dafür. Arbeitsmarktexperten gehen davon aus, dass im gesamten IKT-Bereich das Angebot an Fachkräften steigen wird.

Leider wird es nicht mit der Nachfrage mithalten, die Situation ist heute bereits schwierig für die Arbeitgeber: Für technische Berufe konstatiert die Arbeitsagentur in ihrem alljährlichen Arbeitsmarktbericht mit Stand Juni 2016 einen Expertenmangel unter anderem in Informatik und Softwareentwicklung. In diesem Bereich bleiben offene Stellen länger als 134 Tage unbesetzt, fast die Hälfte länger als im Durchschnitt aller Berufe.

Die Zahlen der Arbeitsagentur weisen zwar auf einen tatsächlichen Fachkräftemangel hin, zeigen aber lediglich eine grobe Tendenz. Denn vor allem die Anzahl der offenen Stellen ist erfahrungsgemäß nur bedingt zuverlässig. So erfasst die Arbeitsagentur nur die bei ihr gemeldeten Jobs, die bei Berufen mit akademischem Hintergrund längst nicht der Gesamtzahl der tatsächlich offenen Stellen entspricht.

Andere, wenn auch nicht unbedingt bessere Zahlen können durch eine Befragung der Unternehmen selbst ermittelt werden. Der unter anderem auf IT-Berufe spezialisierte Personaldienstleister Robert Half Technology hat nachgefragt und festgestellt, dass fast die Hälfte der befragten Unternehmen zusätzliche IT-Stellen schaffen werden.

IT-Boom sorgt für große Fachkräftenachfrage

Die Gründe dafür sind der IT- und Digitalboom in den Unternehmen. So planen weit mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen neue Projekte und Initiativen im IT-Bereich sowie zusätzliche Maßnahmen im Bereich der IT-Sicherheit. Hier ist Know-how gefragt und vor allem Personal, dass die neuen Projekte auch bewältigen kann.

Die Situation könnte sich in den nächsten Jahren noch verschärfen: Laut einer Studie von PwC und dem Wifor-Institut sollen bis 2030 in den Bereichen Technologie, Medien und Telekommunikation (TMT) bis zu 290.000 Arbeitskräfte fehlen. Je nach Teilbranche sehen 80 bis 83 Prozent der Geschäftsführer den zunehmend schwierigen Wettbewerb um Fachkräfte als drängendes Problem.

Wenn die Erwartungen stimmen, dass der gesamte Technologiesektor in den nächsten Jahren um bis zu 40 Prozent wachsen wird, dürfte der Fachkräftemangel noch lange in der Diskussion bleiben. Nach den Erhebungen von PwC wird sich bis 2030 die Nachfrage nach akademischen und vergleichbar ausgebildeten Fachkräften in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) Im Vergleich mit 2008 nahezu verdoppeln (+97%).

Doch ist das überhaupt ein echter Fachkräftemangel? Aus Perspektive von Jobsuchenden handelt es hier sich um einen recht komfortablen Anbietermarkt: Wer Kompetenzen zu stark nachgefragten Themen besitzt, findet relativ schnell einen Job. Vor allem müssen die Konditionen in den Unternehmen stimmen. Wer zu wenig bezahlt oder als Arbeitgeber einen schlechten Ruf hat, kommt leicht in die Situation des Fachkräftemangels, der aber selbst verursacht ist.

Das liegt unter anderem an der recht hohen Wechselbereitschaft der Mitarbeiter, vor allem unter Entwicklern. Nach einer Umfrage der Entwickler-Community Stack Overflow sind mehr als 60 Prozent der befragten Programmierer zum Jobwechsel bereit, sofern ein gutes Angebot kommt. Das sollte den Unternehmen zu denken geben.

Bildquelle: Thinkstock

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