Software-Entwicklung: Interview mit Jared Ruckle, Centurylink

„DevOps ist die Brücke“

Interview mit Jared Ruckle, Senior Product Manager bei Centurylink Cloud, über die Software-Entwicklungsmethode DevOps im Praxiseinsatz und wie die optimale Entwicklungsumgebung hierfür aussehen sollte

Jared Ruckle, Centurylink

Jared Ruckle, Centurylink Cloud: „Aktuell ist es noch zu früh, um über Best ­Practices zu sprechen. Denn wir stehen mit der Methode gerade erst am Anfang.“

Insbesondere in Deutschland stößt die Entwicklungsmethode DevOps auf immer größeres Interesse. Wirft man jedoch einen Blick hinter die auf Hochglanz getrimmten Präsentationen, Vorträge und Unternehmensbroschüren zu jenem Thema, bleibt eine Frage offen: Wie funktioniert DevOps in der Praxis? Und wie sieht die optimale Umgebung dafür aus? IT DIRECTOR sprach mit Jared Ruckle, Senior Product Manager bei Centurylink Cloud.

IT-DIRECTOR: Herr Ruckle, inwieweit ist DevOps den Großunternehmen bereits ein Begriff und wird von ihnen angewendet?
J. Ruckle:
Das Interesse am Thema hat in jüngster Vergangenheit stark zugenommen. Studien belegen diese Entwicklung und zeigen, dass das neue Paradigma der Software-Entwicklung insbesondere in Deutschland massiv an Fahrt aufnimmt. Demnach sind 95 Prozent der deutschen IT-Entscheider mit dem Begriff vertraut – mehr als in allen anderen europäischen Ländern. Und immerhin 80 Prozent praktizieren DevOps bereits oder planen zumindest, dies demnächst zu tun.

IT-DIRECTOR: Wie lautet das grundsätzliche Ziel dieser Entwicklungsmethode und welche Rolle spielt dabei der Faktor „Mensch“?
J. Ruckle:
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen ihre Systeme und Anwendungen ständig weiterentwickeln. Dafür sind die Entwickler verantwortlich. Je häufiger neue Features komplettiert werden, desto positiver werden sie wahrgenommen. Gleichzeitig aber muss der IT-Betrieb gewährleisten, dass die neue Software auf der Produktivumgebung verfügbar ist und reibungslos läuft. Um die Wahrscheinlichkeit für unerwartete Ausfälle zu minimieren, setzt der Betrieb deshalb oft alles daran, den Zustand einer stabil laufenden Anwendung vor Änderungen zu schützen. Es gibt also einen systembedingten Interessenskonflikt. Und genau hier setzt DevOps an. Ziel ist es, dem „Blame Game“ ein Ende zu setzen und stattdessen Entwicklung und IT-Betrieb zusammenwirken zu lassen.

Dabei spielt der Faktor „Mensch“ natürlich eine bedeutende Rolle. Denn um DevOps umzusetzen, braucht es völlig neue Denkmuster sowie gemeinsame Ziele und KPIs. Zudem erfordert diese Arbeitsweise auch andere Fähigkeiten. Benötigt werden eher Generalisten als Spezialisten.

IT-DIRECTOR: Wie funktioniert die Software-Entwicklungsmethode konkret in der Praxis?
J. Ruckle:
Aktuell ist es noch zu früh, um über Best Practices zu sprechen. Denn wir stehen mit der Methode gerade erst am Anfang. Unternehmen, die DevOps jetzt umsetzen möchten, sollten daher eine hohe Lernbereitschaft mitbringen. Grundsätzlich aber ermöglicht die Automatisierung manueller Aufgaben im IT-Betrieb den Entwicklern mehr Verantwortung für die operationale Umsetzung zu übernehmen. Das heißt auch, dass DevOps neue Tools, Automatisierungsansätze und schlanke Prozesse benötigt, kombiniert mit einer Kultur des Miteinanders. Ist dies der Fall, dann befruchten sich Betrieb und Entwicklung gegenseitig.

IT-DIRECTOR: Wie sieht eine optimale Umgebung für DevOps aus?
J. Ruckle:
Beim Thema spielen vor allem drei Aspekte eine wesentliche Rolle: Menschen, Prozesse und Tools. Damit diese optimal zusammenwirken können, ist eine Umgebung wichtig, in der die Mitarbeiter Spaß an der Arbeit haben. Dies kann man natürlich auf verschiedenen Wegen erreichen. Bei unserem neuen Cloud Development Center in Seattle setzen wir beispielsweise auf viel Raum für Innovationen.

Alles erinnert an einen Campus, gespickt mit moderner Technologie und viel Platz für den Austausch unter Experten. So gibt es dort z.B. spezielle Räume für die verschiedenen Teams, Arbeitsplätze für Pair Programming, Rückzugsräume, da man in der Entwicklung auch mal über mehrere Tage hinweg hochkonzentriert an einem Thema arbeiten muss, sowie Besprechungszimmer in allen Größen. In jedem Teamraum und auf allen Gängen hängen Whiteboards. Dies regt die Mitarbeiter dazu an, Ideen, Probleme oder Szenarien nicht nur zu diskutieren, sondern bildhaft darzustellen.

IT-DIRECTOR: Was sind die Herausforderungen und Stolpersteine von DevOps?
J. Ruckle:
Einer der größten Fehler, den Unternehmen begehen können, ist es, die dafür notwendigen Anstrengungen zu unterschätzen. Denn um aus alten Denkmustern und eingefahrenen Prozessen auszubrechen, müssen sie sich zu 100 Prozent auf dieses Abenteuer einlassen. Auch das Anforderungsprofil an die Mitarbeiter verändert sich – entsprechend müssen neue Einstellungskriterien und Bewertungsgrundlagen festgelegt werden. Sie müssen diesen Mitarbeitern dann auch zutrauen, Probleme selbstständig zu lösen. Dies steht oft in krassem Gegensatz zu den bisherigen Prozessen und Verhaltensweisen. Daher betreffen die mit der Einführung von DevOps einhergehenden Veränderungen nicht nur den Betrieb und die Entwicklung, sondern die gesamte IT-Abteilung und sogar den Personalbereich.

Die zweite große Herausforderung besteht in der Einführung neuer Prozesse. Oberste Priorität hat dabei Effizienz. Dafür müssen Engstellen identifiziert und beseitigt werden. Mehr denn je müssen Teams funktionsübergreifend zusammenarbeiten. Es ist auch immer wieder zu hören: „Wir haben die notwendigen Tools gekauft, also machen wir jetzt DevOps.“ Auch das ist ein Irrglaube. Natürlich sind die neuen Tools notwendig, aber wie überall im Leben braucht es zuallererst die richtigen Menschen und Prozesse.

IT-DIRECTOR: Welche Vorteile werden Unternehmen durch den Einsatz einer entsprechenden Strategie zuteil?
J. Ruckle:
DevOps ist die Brücke. Das Unternehmen sieht eine Marktlücke, etwas, das es von der Konkurrenz abhebt und einen Wettbewerbsvorteil bringt. Die richtige Software und Cloud-Infrastruktur ermöglichen es dann, diese Chance zu nutzen. Und DevOps ist das Stück, das alles miteinander verbindet. Hier fließen Informationen aus dem Unternehmen, vom Kunden und den Kontrollsystemen zusammen, um basierend darauf Innovationen hervorzubringen, die das Geschäft kontinuierlich vorantreiben und die Wettbewerbsfähigkeit stärken. Am Ende steht ein Team aus Entwicklung und Betrieb, das gemeinsam an einer Lösung arbeitet, um dem Kunden einen echten Mehrwert zu bieten.

IT-DIRECTOR: Warum führt letztlich kaum mehr ein Weg an DevOps vorbei?
J. Ruckle:
Die Märkte entwickeln sich heute unglaublich schnell. Überall werden innovative kleine Teams gebildet, um die bestehenden Strukturen aufzubrechen. Die Entwicklungsmethode ermöglicht vor allem Agilität im gesamten Unternehmen. Die ist notwendig, um schnelle Entscheidungen zu treffen und sich dadurch einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen.

Im Gegensatz dazu muss bei traditionellen Entwicklungsmethoden stets ein Kompromiss zwischen der schnellen Einführung neuer Funktionalitäten und dem reibungslosen Betrieb gefunden werden. Diesen Kompromiss können sich Unternehmen aber heute nicht mehr leisten. Denn um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sie beides können – und das in einem globalen Rahmen, über mehrere Geräte hinweg und in immer kürzerer Zeit. Dafür ist DevOps der beste Ansatz.

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