Nachbesserung nötig

Die Digitalisierung nicht unterschätzen

Viele Mitarbeiter erkennen bereits die Chancen der Digitalisierung. Beim Motivieren der Mitarbeiter und bei den Digitalisierungsstrategien müssen die Unternehmen allerdings nachbessern.

Sabine Bendiek, Microsoft-Deutschland-­Chefin

Sabine Bendiek, Microsoft-Deutschland-­Chefin: „In einer digitalen Welt kann man nur erfolgreich sein, wenn man Menschen erlaubt, gegen den Strom zu schwimmen.“

Auf der „Insight“ in Berlin stellte Microsoft-Deutschland-Chefin Sabine Bendiek eine vom Meinungsforschungsinstitut Yougov durchgeführte Studie zu digitalen Transformation vor, für die über 1.000 Mitarbeiter und Führungskräfte befragt wurden. „Beim Mitnehmen der Menschen gibt es noch Nachholbedarf, es liegt derzeit mehr Augenmerk auf den technischen als auf den kulturellen Herausforderungen“, stellte Bendiek fest.

Nur 38 Prozent der Mitarbeiter glauben demnach, ihr Unternehmen habe eine Digitalisierungsstrategie. „Wenn wir ehrlich sind: Das Thema digitale Transformation passiert heute. Wenn weniger als die Hälfte der Unternehmen eine Strategie haben, ist das viel zu wenig“, so Bendiek. Trotzdem gingen 60 Prozent der Befragten davon aus, dass ihre Unternehmen das schon schaffen und von der Digitalisierung profitieren werden. Eine Erkenntnis der Vergangenheit laute aber: Kurzfristig werden die Auswirkungen von Technologieveränderungen überschätzt, ihre langfristige Auswirkung jedoch unterschätzt.

Immerhin 58 Prozent der Befragten schätzen der Studie zufolge die bessere Zusammenarbeit durch die Cloud und Künstliche-Intelligenz-Anwendungen (KI). Ebenso viele glauben, dass sie durch die digitale Transformation Erfahrungen und Kompetenzen ausbauen. Dennoch hat die Hälfte der Befragten Angst um ihren Arbeitsplatz und 39 Prozent empfinden das Erlernen neuer Technologien als stressig.

Einen interessanten Aspekt beleuchtet die Studie beim Blick auf die Einstellung zur Digitalisierung: Aus Sicht der Führungskräfte sind nur 51 Prozent der Mitarbeiter offen für Innovationen. Fragt man die Mitarbeiter selbst, halten sich 56 Prozent für veränderungsbereit. Lediglich elf Prozent der Mitarbeiter empfinden die Entwicklung einer digitalen Transformationsstrategie als gemeinschaftlichen Prozess von Führungskräften und Mitarbeitern: ein Armutszeugnis für das Management.

Gegen den Strom schwimmen


Als ein Rezept für gelungene Digitalisierung nennt die Managerin Agilität: „In einer digitalen Welt kann man nur erfolgreich sein, wenn man es wirklich schafft, Menschen zu erlauben, gegen den Strom zu schwimmen.“ So müsse man Mitarbeitern deutlich mehr Entscheidungskompetenz zubilligen. Hier komme man in Deutschland zu schleppend voran. Doch Bendiek ist optimistisch, dass Unternehmen hierzulande den Rückstand aufholen können.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 05/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Auch Microsoft selbst ist diesen Veränderungsprozess angegangen. Manager müssen umdenken in Richtung Coaching, Mitarbeiter und Vorgesetzte treffen sich in Meetings auf dem gleichen Informationsniveau. Seit dem letzten Jahr gibt es den neuen Bereich Customer Success Unit, denn man müsse sich viel mehr mit den Bedürfnissen der Kunden auseinandersetzen. „Wir brauchen die Freiheit, ohne Vertriebsdruck dahinter mit den Kunden zu sprechen, zu schauen, was sie verändern möchten und wie wir sie unterstützen können“, so Wolfgang Hoeffer, Leiter der Customer Services Unit.

Bildquelle: Microsoft

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