Selbstmanagement

Die drei wirklich allerbesten Effizienztipps

1) Aufstehen. 2) Loslegen. 3) Dranbleiben. Enttäuscht? So banal sind viele Tipps aus dem Genre des “Workforce Efficency Overkill Business Babble”.

Wege zur Effizienz?

Haben Sie Stress? Möchten Sie den Stress auch wieder loswerden? Kein Problem, es gibt ja das Internet. Sie finden zum Beispiel hier ein paar einfache Tipps für mehr Ruhe und Gelassenheit im Job. Sie haben zu viel Stress, um sich diesen furchtbar langen Text durchzulesen?

Kein Problem, die Kurzversion lautet ungefähr so: "Planen Sie Ihre Aufgaben. Gehen Sie Schritt für Schritt vor. Halten Sie Ordnung. Denken Sie an Erholungsphasen." Ohne dem Autoren nahe treten zu wollen: Auf diese Ideen kommt jeder, spätestens wenn der Stress wieder etwas nachlässt. Die eingedampfte Kurzversion zeigt, dass der gesunde Menschenverstand eigentlich immer noch der beste Ratgeber ist.

Denn das Effizienztipp-Genre leidet unter einem Problem: Wer ein neues Buch oder gleich eine ganz neue Methodik auf den Markt bringen will, muss sich von der Konkurrenz absetzen. Und das geht nur über möglichst viele Tipps und Tricks, die nicht schon dutzende Male durchgeleiert sind.

Der Zwang zur maximalen Pfiffigkeit führt schon mal zu komplett blödsinnigen Vorschlägen. Ein Beispiel aus einem Elternratgeber: Wenn sich das Kind morgens nicht gerne anziehen wolle, solle man es doch ruhig einmal im Schlafanzug in den Kindergarten oder die Schule schicken. Wer so einen Unfug tatsächlich macht, dürfte sich wohl als Kandidat für einen Besuch vom Jugendamt qualifizieren.

Auf einem ähnlichen intellektuellen Niveau bewegen sich auch Tipps zur Stärkung der Effizienz in der täglichen Arbeit: Da wird dann empfohlen, die E-Mail nur noch zweimal am Tag zu festgelegten Zeiten anzuschauen oder vermeintlich überflüssige Anfragen mit einem knappen RTFM-Verweis auf Google zu beantworten. Kann man machen, kann aber schief gehen. Die meisten Angestellten dürften sich durch solches Verhalten in Rekordzeit einen brilliant schlechten Ruf erarbeiten.

Es gibt kaum einen Grund, sich einen Ratgeber zu kaufen. Denn wirklich Neues steht nicht darin. Die Basisregeln wie in der oben erwähnten Kurzversion sind immer die gleichen: Planung hilft, Ordnung hilft, Konzentration hilft, Pausen sind wichtig. Wer wirklich viel zu tun hat, kann sie noch durch Basismethoden ergänzen - zum Beispiel das Eisenhower-Schema, "Getting Things Done" oder Mindmapping.

Da die meiste Arbeit heutzutage mit Software an Hardware erledigt wird, kommt noch ein dritter Punkt hinzu: Kenne deine Mittel. Wer vor Outlook sitzt und ohne jedes Wissen um Filterregeln, Ordnerstrukturen und ähnliche Dinge die tägliche Hundertschaft E-Mails niederkämpfen will, steht auf verlorenem Posten.

Moderne Software besitzt zahlreiche Funktionen, mit denen so gut wie jeder Arbeitsstil verwirklicht werden kann. Es ist wichtig, sie zu kennen und das Niveau "Suchen & Klicken" hinter sich zu lassen. Entscheidend ist ohnehin nicht das sklavische Befolgen irgendwelcher Verfahren, sondern etwas ganz anderes: Jeder muss seine ganz eigene Arbeitsweise finden, die er stressfrei einsetzen kann.

Letztlich gilt für alle Ratgeber das Wittgenstein-Prinzip: "Meine Sätze erläutern dadurch, dass sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie - auf ihnen - über sie hinausgestiegen ist. (Er muss sozusagen die Leiter wegwerfen, nachdem er auf ihr hinaufgestiegen ist.)"

Bildquelle: Gerd Altmann / pixelio.de

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