Wie ist es um den Breitbandausbau bestellt?

Die Giga-Netze der Zukunft

Bereits Ende September 2016 trafen sich Vertreter der internationalen TK-Branche im Rahmen des von Huawei initiierten 3. Ultra-Broadband Forum in Frankfurt, um über die Zukunft von Mobilfunk und Telekommunikation zu diskutieren.

3. Ultra-Broadband Forum 2016

Am 3. Ultra-Broadband Forum 2016 nahmen Ende September über 600 Industrievertreter, Technologieexperten, Meinungsführer und Huawei-Partner teil.

In seiner Auftaktrede sprach Huolin Zhao, Generalsekretär der International Telecommunication Union (ITU), über das ehrgeizige Ziel, künftig allen Menschen den Zugang zum Internet zu ermöglichen. Leider gebe es bislang noch immer Millionen, die ohne Web-Zugriff auskommen müssten. Vor diesem Hintergrund stehen Telkos vor der Herausforderung, einerseits hohe Investitionen in den Ausbau globaler Netze zu tätigen und andererseits dem Wunsch der Kunden nach immer günstigeren Tarifen nachzukommen. Zudem gilt es für sie, die eigenen Geschäftsmodelle den Zeichen der Zeit anzupassen, um nicht von den vermehrt aus dem Boden sprießenden Over-The-Top-Services-Anbietern (OTT) überrannt und als reiner Infrastrukturlieferant degradiert zu werden.

Laut Huolin Zhao sollten TK-Anbieter beim Aufbau neuer Netze und Services auch staatliche Unterstützung erhalten. Daher fordert er die Politik dazu auf, jährlich rund 450 Milliarden US-Dollar in den Netzausbau zu investieren. Desweiteren ermutigte der Generalsekretär die Telkos zur Zusammenarbeit mit modernen OTT-Anbietern und sprach sich für die Etablierung globaler Standards aus. „Ich bin davon überzeugt, dass Ultra-Breitbandnetzwerke sowie relevante Dienstleistungen und Applikationen zahlreiche neue Möglichkeiten in Healthcare, Bildung, Beschäftigung, Verkehr, Landwirtschaft, Handel und staatliche Dienstleistungen mit sich bringen und damit das Wachstum der globalen Wirtschaft vorantreiben“, betonte Zhao.

Video-Services im Kommen

Mit dem Video-Business auf Basis von HD, dem digitalen Videoformat 4K und IPTV hat der chinesische Anbieter Huawei gleich einen Bereich ausgemacht, mit dem sich Anbieter künftig erfolgreich positionieren könnten. Dabei sind Video-Geschäftsmodelle laut Eric Xu, Rotating CEO bei Huawei, gleichzeitig auch Treiber für den Breitbandausbau. Denn hochwertige Video-Services stehen und fallen mit dem darunterliegenden Netz, das hohe Lasten ohne Qualitätseinbußen übertragen können muss. Die Chinesen bieten Telkos bereits Dienste wie Video as a Service an und kooperieren im Bereich Video-Content. Da Video-Portale in aller Regel cloud-basiert arbeiten, will man gleichzeitig moderne Cloud-Plattformen bereitstellen, die mit Konvergenz und offenen Architekturen punkten. Eric Xu betont hierzu: „TK-Anbieter, die im Video-Bereich gut aufgestellt sind, haben diesen als strategisches Kernangebot verstanden, um die Erlöse, die Kundenbasis und das gesamte Breitbandgeschäft zu verstärken.

In einem weiteren Vortrag äußerte sich Matthias Kurth, Präsident der European Cable Operators Association und ehemaliger Chef der Bundesnetzagentur über die Technologien, die die Grundlage für moderne Netze darstellen. Er sprach sich für Vielfalt und damit für eine bunte Mischung verschiedener Techniken aus. So hätten Kabeltechnologien wie Coax neben dem Glasfaserausbau und der Verbreitung von Mobilfunk weiterhin großen Stellenwert für die Erreichung der von der Bundesregierung vorgegeben Breitbandziele. Kurth geht davon aus, bis 2018 mit „Fixed Broadband“ jedem Haushalt in Deutschland – auch in ländlichen Gebieten – einen Internetzugang mit 50 Mbit/s zur Verfügung stellen zu können.

Überbrückung der letzten Meile

Über Deutschland hinaus skizzierte Matthias Kurth die europäische Breitbandsituation. Hier zeigten sich deutliche Unterschiede. Während in Deutschland nur 76 Prozent aller Haushalte mit Kabelnetzen versorgt sind, sind es in den Nachbarländern Belgien und Niederlanden gut 96 bzw. 99 Prozent. Demgegenüber verfügen Länder wie Griechenland und Italien aus historischen und geografischen Gründen sogar über keinerlei Kabelnetze.

Nicht zuletzt kam Kurth auf die letzte Meile, d.h. auf den direkten Hausanschluss zu den Kunden, zu sprechen. Ohne näher auf die in Deutschland aktuell geführte Diskussion um „Vectoring II“ einzugehen, beschrieb er alternative Möglichkeiten. Während es seiner Aussage nach bereits rund 6,6 Millionen Kabelnetzanschlüsse zu deutschen Haushalten gibt, liegt der Zahl der Glasfaserzugänge mit circa 260.000 noch deutlich darunter. Dass sich das sogenannte „Fiber To The Home (FTTH)“ als durchaus nützlich erweisen kann, beschreibt er jedoch am Beispiel Spaniens. Nach Recherchen von The Economist hätten die Iberer aufgrund der Anstrengungen des Anbieters Telefónica das am besten ausgebaute FTTH-Netz in Europa.

Neben netzpolitischen Themen nutzte Huawei das Forum, um verschiedene Neuheiten aus den eigenen Produktreihen vorzustellen. So präsentiert man eigenen Angaben zufolge die erste Richtfunklösung für -FTTx, um eine All-Media-Giga-Access-Plattform zur Verfügung zu stellen. Die Lösung soll es Netzbetreibern erlauben, gigabit-fähiges Breitband über verschiedene Medienzugänge einzusetzen. Netzbetreiber können Richtfunk-Links und bestehende Glasfaser-, Kupfer- und Koaxialkabel einsetzen, um die Gigabit-Netzabdeckung auszuweiten. Nicht zuletzt zeigten die Chinesen mit „Video Sense“ eine erste Video-Experience-Visualization-Management-Lösung. Sie soll laut Anbieter eine Wende von KPI-orientiertem, passivem Netzwerkbetrieb und Wartung hin zu einem anwenderorientierten, proaktiven Netzwerkmanagement markieren. Die Lösung liefere Videoerfahrungen mit visualisierten, handhabbaren und optimierbaren Features, die den wirtschaftlichen Erfolg der Netzbetreiber im Videozeitalter unterstützen sollen.

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