Flexibel Richtung Zukunft

Die Infrastruktur gesamtheitlich im Blick

Im Interview erklärt Marc Niederberghaus, Director Business Development bei der Controlware GmbH, wie Unternehmen die Digitalisierung erfolgreich meistern können.

Marc Niederberghaus von Controlware

Marc Niederberghaus von der Controlware GmbH betont den Stellenwert einer klaren Zielsetzung für die Digitalisierungsstrategie.

ITD: Herr Niederberghaus, Controlware feiert in diesem Jahr das 40-jährige Jubiläum – was sind die Erfolgsfaktoren für die langjährige Stabilität des Unternehmens?
Marc Niederberghaus: Der Schlüssel für den Erfolg sind natürlich vor allem unsere engagierten, hervorragend ausgebildeten Mitarbeiter in allen Bereichen – von der Kundenberatung bis hin zur technischen Realisierung und dem Betrieb. Es geht für uns darum, die Herausforderungen der Kunden umfassend zu verstehen, also nicht nur die technischen Aspekte, sondern auch die geschäftlichen Anforderungen, vor denen unsere Kunden jetzt und zukünftig stehen. Für diese Herausforderungen finden wir in enger Zusammenarbeit mit den Kunden und unseren Partnern die passenden Lösungen von On-Premises-Infrastrukturen bis hin zur Migration in Public-Cloud-Umgebungen sowie dem Betrieb gesamtheitlicher Infrastrukturen.

Controlware hat seine ersten Erfolge in den Achtzigerjahren gefeiert. Sehen Sie Parallelen zwischen dem damaligen Boom der IT-Branche und dem aktuellen Digitalisierungsaufschwung?
Niederberghaus: Die IT hat sich in den vergangenen 40 Jahren rasant entwickelt. Neue Ideen entstehen in immer kürzerer Zeit und die Anpassung der Gesellschaft an neue Technologien ist beeindruckend. Controlware hat sich den aktuellen Anforderungen des Marktes und der Kunden immer gestellt und innovative Lösungen entwickelt. Vor 40 Jahren waren das noch eigene Hardware-Entwicklungen. Heute bieten wir professionelle Dienstleistungen an – von der Beratung über Konzeption, Planung, Realisierung und Betrieb bis hin zur Wartung. Dabei ist es entscheidend, die Anforderungen der Kunden zu verstehen. Das bedeutet zuzuhören und sich in die Lage der Kunden zu versetzen, um so die spezifische optimale Lösung zu entwickeln – technisch, wirtschaftlich und ökonomisch.

Was sich seit damals nicht verändert hat: Die Begeisterung unserer Mitarbeiter für Technologien, Trends und die Umsetzung von innovativen Ideen. Auch heute ist sie der Motor für unser tägliches Handeln. Und sie ist auch ein Grund dafür, warum wir in unserem Job gut sind.

ITD: Welche Unternehmensgrundsätze aus den Gründertagen von Controlware lassen sich auf die heutige Zeit noch anwenden? Niederberghaus: Werte wie Ehrlichkeit, Vertrauen und Einsatzbereitschaft nehmen für uns einen hohen Stellenwert ein. Diese waren in den 1980er-Jahren genauso wichtig wie heute. Und auch, wenn es mal schwierig wird, steht die Lösung eines Problems immer im Vordergrund unseres Handelns. Diese Einstellung trägt dazu bei, dass wir mit unseren Kunden über Jahrzehnte tragfähige Geschäftsbeziehungen führen.

ITD: Welche Digitalisierungsstrategien verfolgen deutsche Unternehmen heutzutage?
Niederberghaus:
Jeder unserer Kunden hat eine eigene Digitalisierungsstrategie. Diese ist abhängig von der Branche, Unternehmensgröße, Innovationsfähigkeit und dem bereits erreichten digitalen Reifegrad. Entsprechend sind die Umsetzungen bei unseren Kunden sehr unterschiedlich. Wir stellen fest, dass die Fachbereiche in den Unternehmen sich in nie dagewesener Intensität mit den hauseigenen Technologiebereichen und die des Marktes vernetzen. Jedes Unternehmen findet so die Digitalisierungsstrategie, die am besten auf seine Bedürfnisse abgestimmt ist.

ITD: Wo sehen Sie Bedarf für strategische Kurskorrekturen?
Niederberghaus: Häufig werden bei Digitalisierungsprojekten, die von Fachbereichen geführt werden, die Aspekte der Informationssicherheit nicht früh genug berücksichtigt. Dieses Versäumnis holt dann irgendwann das eigentliche Projekt ein. Deshalb ist es wichtig, bei der Digitalisierungsstrategie eine klare Zielsetzung zu haben. Es ist entscheidend, eine Reifegradmessung der bisher erreichten Digitalisierungsstandards durchzuführen und die Veränderung zu messen. Auch die klare Priorisierung der Handlungsfelder fällt oft unter den Tisch. Deshalb ist im Unternehmen ein übergreifendes Gremium empfehlenswert, das die verschiedenen Digitalisierungsprojekte der Fachbereiche steuert.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 05-06/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITD: Welche Faktoren erschweren die Digitalisierungsbemühungen der Unternehmen in der Praxis?
Niederberghaus:
Hier sind an erster Stelle veraltete Arbeitsweisen und Verfahren zu nennen. Unternehmen sollten diese kritisch prüfen, um zu klären, ob Prozesse wirtschaftlich sinnvoll auch digital abgebildet werden können. Oft fehlen jedoch klare Zielsetzungen. Zudem ist es ratsam, die Verantwortung für die Digitalisierung in die gemeinsamen Hände der Fachabteilung und der Technologieabteilung zu legen. Außerdem sollten Security-Aspekte frühzeitig berücksichtigt und im Projekt integriert werden – in der Praxis ist das häufig nicht der Fall.

Und was auch oft vergessen wird: Mitarbeiter verschiedener Generationen müssen unterschiedlich abgeholt und integriert werden. Nur so wird die Digitalisierung ein Erfolg. Allerdings sollte man alles mit Augenmaß betreiben. Es geht nicht darum, eine größtmögliche Digitalisierung um jeden Preis durchzusetzen. Sie sollte nicht nur auf Effizienzsteigerung reduziert werden, sondern vor allem zur Entwicklung neuer Produkte, Lösungen und Märkte beitragen. Dabei muss Arbeiten menschlich bleiben – denn Menschen arbeiten immer noch mit Menschen.

ITD: Wie können Sie Unternehmen dabei helfen, ihre Strategie zukunftsfähig zu gestalten?
Niederberghaus:
Wir entwickeln innovative Lösungen gemeinsam mit Kunden, Partnern und Herstellern. Der Schlüssel dafür ist die professionelle und strategische IT-Beratung. Dafür nehmen wir die Infrastruktur gesamtheitlich in den Blick und achten darauf, dass die IT-Sicherheit gewährleistet ist und die zukünftige Infrastruktur mit einem für das Unternehmen darstellbaren und realistischen Aufwand betrieben werden kann. Denn nicht immer ist die innovativste Lösung auch die beste für die zukünftigen Herausforderungen des Kunden.

ITD: Welche Lösungen und Services sind bei Ihnen besonders gefragt?
Niederberghaus: Wir bemerken natürlich in Zeiten von Corona einen starken Bedarf bei allen Themen rund um Remote-Arbeiten: Sei es in Bezug auf Konnektivität, IT-Sicherheit oder Kollaboration. Darüber hinaus entwickeln sich alle Bereiche von Controlware sehr gut, wobei die Tendenz zur Automatisierung und Software-gestützten Bereitstellung von Infrastruktur überall deutlich zu spüren ist.

Vor allem bei den Themen Managed Cyber Defense Services und Cloud in jeder Form und Ausprägung haben Kunden derzeit einen sehr hohen Bedarf. Außerdem bringt die fortschreitende Digitalisierung weitere IT-Daten hervor, die das Thema Analytics beflügeln.

ITD: Strategische Entscheidungen werden zunehmend auf Basis von Daten gefällt. Wie können Kunden solche Mehrwerte für sich erschließen?
Niederberghaus: Zuerst sollte genau eine spezifische Plattform für die Analyse von Daten gefunden werden. Wichtig ist dafür, dass alle im Unternehmen und in der weiteren Wertschöpfungskette vorhandenen Datenquellen sicher an die Plattform angebunden werden können und die Möglichkeit zur Aufbereitung der Ergebnisse aus Datenanalysen besteht. Man kann den Mehrwert nur erschließen, wenn eine zentralisierte Datenhaltung erfolgt. Das bedeutet: Man muss Datensilos aufbrechen, eine zentrale Datenplattform nutzen und die Inhalte für alle strategischen Entscheider individuell aufbereiten und zur Verfügung stellen.

ITD: Unternehmen agieren immer öfter in komplexen Multi-Cloud-Umgebungen. Welche Herausforderungen gehen mit Betrieb und Management solcher Lösungen einher?
Niederberghaus: Oftmals beschäftigen sich Unternehmen hauptsächlich mit einem Public-Cloud-Anbieter und haben dafür entsprechendes Know-how aufgebaut. Gleichzeit haben sie mittlerweile Erfahrungen gesammelt, welche Services optimal bei welchem Cloud-Anbieter oder in der On-Premises-Infrastruktur zu betreiben sind. Somit ergibt sich eine dedizierte Sourcing-Strategie, die in einer hybriden Multi-Cloud-Infrastruktur mündet. Dadurch stellen sich ganz neue Anforderungen an den Betrieb und das Management der zugrundeliegenden Infrastruktur aus Cloud und On-Premises-Elementen. Diese existiert heute nicht mehr an einem klar definierten Ort. IT-Services erstrecken sich über verschiedene Cloud-Umgebungen und benötigen eine ganzheitliche Betrachtungsweise.

ITD: Mit der wachsenden Vernetzung steigt für Unternehmen auch das Risiko, zum Ziel eines Cyberangriffes zu werden. Wie lässt sich diese Bedrohung minimieren?
Niederberghaus: Darauf gibt es eine klare Antwort: durch eine konsequente Security-Strategie, deren Basis ein durchgängiges Sicherheitsmanagement (ISMS) mit Analyse und Risikobewertung ist und die in ihrer konkreten Ausprägung Absicherung gegen Angriffe, Detektion möglicher erfolgreicher Angriffe und die Vorbereitung von Gegenmaßnahmen für den Fall eines erfolgreichen Angriffes enthält.

Grundsätzlich sollten alle Mitarbeiter mit den etablierten Sicherheitsregeln vertraut und den Umgang damit gewohnt sein. Diese Regeln gelten an jeder Arbeitsstätte, egal ob sich ein Mitarbeiter im Unternehmen, am Heimarbeitsplatz oder unterwegs befindet.

ITD: Welche Themen stehen demnächst bei Controlware auf der Agenda?
Niederberghaus: Wir entwickeln unser Portfolio konsequent weiter und setzen auf Projekte im Umfeld von Automatisierung, der Entwicklung von Software-Produkten und dem Ausbau von Managed Services. So können wir unsere Kunden optimal unterstützen.

Zudem bemerken wir einen Wandel, der zunehmend stärker wird: Kunden wollen IT-Infrastruktur nicht mehr kaufen, sondern vor allem über flexibel anpassbare Modelle wirtschaftlich optimal nutzen. Das verändert auch das Sourcing-Verhalten unserer Kunden. Und darauf reagieren wir mit innovativen Lösungen.

ITD: Wo sehen Sie die IT-Branche in zehn Jahren?
Niederberghaus: Die Herausforderungen werden in der IT auch in 10 Jahren noch komplex sein. Unser Leben – sowohl privat als auch beruflich – wird sich noch stärker als bisher in digitalen Infrastrukturen abspielen. Die inhaltliche Ausprägung in der Bereitstellung von geeigneten Infrastrukturen wird sich im Vergleich zu heute ebenfalls deutlich wandeln. Es wird nur derjenige als zuverlässiger IT-Dienstleister überleben, der neugierig bleibt, den Mut hat Innovationen voranzutreiben und sich traut, Althergebrachtes in Frage zu stellen. Künstliche Intelligenz wird eine immer größere Rolle spielen. Gleichzeitig nehmen Sicherheitsniveaus immer weiter zu, weil immer mehr Abläufe digital sein werden. Das verändert auch die Arbeitsweise und Prozesse in Unternehmen. Hier heißt es also, weiterhin flexibel zu sein und mit der Zeit zu gehen.

Bildquelle: Controlware GmbH

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