KI als Dienstleistung

Die Maus beißt den Faden nicht ab

KI-Anwendungen sind oft aufwändig – doch in vielen Branchen zunehmend geschäftsentscheidend. Hier bieten sich „as a Service“-Modelle an, bei denen die Arbeit outgesourct wird. Dass dennoch gewisse Grundvoraussetzungen zu erfüllen sind, erklärt CGI-Experte Ron Brandt.

Ron Brandt, CGI

Ron Brandt ist Vice President und Member of the Global AI Leadership Team bei CGI.

ITD: Herr Brandt, können Sie kurz erklären, was unter dem Modell „Aritificial Intelligence as a Service“ (AIaaS) zu verstehen ist?
Ron Brandt:
Künstliche Intelligenz als Dienstleistung (AIaaS) ist im Grunde ein Angebot eines Servicedienstleisters für das Outsourcing Künstlicher Intelligenz. Die Unternehmen können die KI günstig mit einem viel geringeren Risiko nutzen. Allerdings ist eine AIaas erst einmal von der Stange und noch nicht individuell auf die Anforderungen der Unternehmen ausgerichtet.

ITD: Wie kann AIaaS Unternehmen (vor allem solche mit wenig Infrastruktur oder kleinem Budget) dabei unterstützen, KI-Projekte dennoch aufzusetzen?
Brandt:
Die Nutzung von AIaaS muss immer Grundvoraussetzungen wie Budget oder Infrastruktur erfüllen, da beißt die Maus keinen Faden ab. Es gibt jedoch AI-Anbieterplattformen, die ausgewählte Methodiken der AI zur Verfügung stellen. Mit einem solchen Einstieg in das Thema kann der Bedarf auf Basis von kleinen AI-Projekten ermittelt und erprobt werden. Es gibt auch Anbieter von Cloud-AI-Diensten, die spezielle Hardware bereitstellen, die für bestimmte AI-Aufgaben erforderlich sind, zum Beispiel GPU-basierte Verarbeitung für intensive Workloads. AIaaS bietet sich also für Unternehmen an, die zunächst nicht in den Aufbau einer eigenen Infrastruktur investieren wollen.

ITD: Für welche Art von Unternehmen kommt das Modell in Frage?
Brand
t: AIaaS ist prinzipiell für Unternehmen geeignet, die den Mehrwert von AI für ihre Geschäftsprozesse erkennen, jedoch nicht über das umfassende Know-how, die Ressourcen und die Infrastruktur verfügen, um beim Einstieg in das Themengebiet alles Relevante von Null an selber aufzubauen beziehungsweise zu entwickeln.

ITD:Wie aufwändig ist es, ohne Vorkenntnisse z.B. einen Chatbot einzurichten, der NLP-Algorithmen nutzt?
Brandt:
Es gibt mittlerweile sehr leistungsfähige und einfach zu installierende oder selbstinstallierende Chatbot-Lösungen, die NLP-basiert funktionieren. Dabei werden alle technisch relevanten Details automatisch installiert. Lediglich die konversationsspezifischen Elemente erfordern eine Interaktion mit dem User und der NLP-Funktionsblock muss unter Umständen auf die anwendungsspezifischen Bereiche trainiert werden.

ITD: Um KI- oder ML-Projekte zum Erfolg zu führen, benötigt man saubere und hochwertige Daten – kann ein Unternehmen ohne nennenswerte KI-Erfahrung überhaupt entscheiden, welches „brauchbare“ Daten sind?
Brandt:
Mit geringen AI-Kenntnissen ist es natürlich herausfordernd, zu definieren, welche Daten benötigt werden. Hier gilt es die Reihenfolge bei der Umsetzung von AI-Projekten zu beachten. Angefangen bei der Identifizierung des Use oder Business Cases, über die Auswahl der geeigneten AI-Methodik zur Umsetzung des Use Cases bis schlussendlich zur Identifizierung und Bereitstellung der relevanten Daten.

ITD: Was sollten Unternehmen beachten, die komplexere Anwendungen nutzen möchten, die z.B. eine Vorverarbeitung der Daten erfordern?
Brandt:
Die Antwort steht im Zusammenhang mit der Frage, wann Data Scientists im Rahmen von AI-Projekten aktiv werden. Im Zuge der Entwicklung von komplexen Anwendungen sollte neben der Auswahl der geeigneten Methodiken die Analyse und Aufbereitung der notwendigen Daten einen Schwerpunkt darstellen. Dazu sollten die Data Scientist involviert werden.

ITD: Oftmals wird gesagt, das AIaaS im Prinzip nur mit Standard-Lösungen arbeitet und wenig Raum für innovative Ansätze bietet – wie beurteilen Sie das?
Brandt:
Da AI eine Methodik ist, kann man, meiner Meinung nach, nicht von einer Standardlösung oder einem Produkt sprechen. Es gibt immer individuelle Ansätze für ein Thema, die jederzeit individuell an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden können. Somit besteht zu jeder Zeit die Möglichkeit für innovative Variationen.

ITD: Macht das Verwenden von AIaaS eine ausgereifte AI-Strategie, ggf. auch das Hinzuziehen externer KI-Berater, überflüssig?
Brandt:
Die Kurzform der Antwort ist Nein. Denn die individuellen Anforderungen eines Unternehmens bestimmen maßgeblich die zu identifizierenden Use Cases. Diese wiederum bestimmen die anzuwendenden AI-Methodiken, die zu den notwendigen Daten führen, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.

Bildquelle: CGI

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