Nachgefragt bei Holger Behrens, Cormeta

Die Mitarbeiter mit der E-Bilanz vertraut machen

Interview mit Holger Behrens, Vorstand bei der Cormeta AG in Ettlingen

Holger Behrens, Cormeta AG

Holger Behrens, Vorstand bei der Cormeta AG in Ettlingen

IT-DIRECTOR: Herr Behrens, inwieweit sind Unternehmen in Deutschland bereits auf die E-Bilanz vorbereitet?
Antwort: Leider sind die wenigsten Unternehmen ausreichend auf die E-Bilanz vorbereitet – mit Ausnahme vielleicht der Energieversorgungsunternehmen.

IT-DIRECTOR: Welche Daten müssen die Betriebe im Rahmen von E-Bilanz nun elektronisch übermitteln?
H. Behrens: Elektronisch übermittelt wird die Steuerbilanz – oder die Handelsbilanz, ergänzt um die Überleitungsrechnung zur Steuerbilanz. Sofern Sonder- und Ergänzungsbilanzen vorhanden sind, müssen sie separat als eigener Datensatz übermittelt werden.

IT-DIRECTOR: Wo lauern für die Verantwortlichen mögliche Gefahren bei der Umstellung auf die E-Bilanz?
H. Behrens: Zunächst einmal ist es wichtig, die Mitarbeiter mit ins Boot zu nehmen und sie mit dem neuen Buchungsverhalten vertraut zu machen. Am besten werden konkrete Arbeitsanweisungen ausgesprochen. Dementsprechend muss jeder dann so buchen, dass alle für die E-Bilanz meldepflichtigen Werte aus der Buchhaltung auch tatsächlich ableitbar sind. Außerdem ist der Zeitpunkt der Umstellung von Bedeutung. Man sollte zu Jahresbeginn umstellen, um eine einheitliche Saldenentwicklung auf den Sachkonten innerhalb eines Geschäftsjahres zu gewährleisten.

Natürlich müssen auch alle Konten vollständig und korrekt den Taxonomiepositionen zugeordnet sein. Das ist auch eine mögliche Fehlerquelle. Außerdem gilt es, die Entscheidung, mit welcher Software die Übermittlung der E-Bilanz an das Finanzamt erfolgen soll, nicht zu spät zu treffen. Meldepflicht besteht für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2011 beginnen. Und schließlich gilt es zu prüfen, ob überhaupt alle Buchhaltungssysteme an das E-Bilanz-Tool angeschlossen sind, in denen meldepflichtige Gesellschaften buchhalterisch abgebildet werden. Die Validierung der E-Bilanz in ERiC und die Übermittlung an Elster sollte getestet werden, damit die Umstellung gelingt.

IT-DIRECTOR: Inwieweit kann die E-Bilanz mit bereits vorhandener Finanzsoftware gestemmt werden? Oder müssen Unternehmen eine Aktualisierung Ihrer Finanzsysteme vornehmen bzw. diese um neue Funktionen ergänzen? Wenn ja, um welche?
H. Behrens: Unternehmen, die mit betriebswirtschaftlicher Standardsoftware von SAP arbeiten, müssen in der Regel SAP-Funktionen ergänzen. Es kann ausreichen, aktuelle Supportpackages einzuspielen. Je nach Ausprägung muss eventuell zusätzliche Hard- und Software implementiert werden.

IT-DIRECTOR: Wie kann die Sicherheit der Finanzdaten gewährleistet werden - zum einen auf Seiten des Anwenderunternehmens und zum anderen auf der der Finanzbehörde?
H. Behrens: Das ist über ein Berechtigungskonzept zu regeln. Die übermittelten Daten sollten protokolliert und revisionssicher archiviert werden. Außerdem gibt es mit ERiC nur ein Übermittlungsprotokoll, das aber noch keine Daten enthält.

IT-DIRECTOR: Inwieweit sind die Wirtschaftsprüfer hierzulande bereits auf die E-Bilanz vorbereitet?
H. Behrens: Die Software der Wirtschaftsprüfer beinhaltet in der Regel bereits die technischen Voraussetzungen für die elektronische Übermittlung an das Finanzamt. Und in den meisten Unternehmen gibt es auch schon Instrumentarien, um Daten im richtigen Format an den Wirtschaftsprüfer übermitteln zu können.

IT-DIRECTOR: Welche Neuregelungen im Bereich der Finanzbuchhaltung sind vom Steuerbürokratieabbaugesetz (Steubag) in naher Zukunft noch zu erwarten?
H. Behrens: Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es in Zukunft noch weitere Regelungen für die elektronische Übermittlung von Daten geben wird, die bisher per Papier an das Finanzamt übermittelt werden konnten.

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